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Farben und Lacke im Fleisch: Experten warnen vor Bierdosen-Hähnchen

Es sieht vielleicht witzig aus, so ein Hähnchen auf einer Bierdose sitzend zu grillen. Doch Experten raten davon ab: Druckfarben und Lacke der Dosen können sich lösen und in das Fleisch gelangen.

Von Sonja Helms

Ein beliebter Grillklassiker, vor dem die Experten warnen: das Bierdosen-Huhn.

Ein beliebter Grillklassiker, vor dem die Experten warnen: das Bierdosen-Huhn.

Neu ist diese Idee nicht, aber sehr beliebt: Ein küchenfertiges Huhn wird mit Salz, Pfeffer und Gewürzen eingerieben, auf eine geöffnete Bierdose gesetzt und etwa eine Stunde oder länger auf dem Kugelgrill oder im Backofen gegart - fertig ist das Bierdosen-Hühnchen. Seit Jahren kursieren solche Rezepte im Netz, und selbst bekannte TV-Köche wie Jamie Oliver oder Johann Lafer haben darauf zurückgegriffen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW) warnt nun aber vor diesem Grillspaß und beruft sich auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Bei hohen Temperaturen können sich schädliche Substanzen von der Dose lösen und in das Hähnchenfleisch übergehen.

Getränkedosen bestehen aus Aluminium und Weißblech. Für die Innenbeschichtung von Verpackungen gibt es normalerweise strenge Vorschriften, die verhindern sollen, dass gesundheitsschädliche Stoffe in ein Lebensmittel oder Getränk übergehen. Das gilt aber nur für eine "bestimmungsgemäße Nutzung", zitiert die Verbraucherzentrale NRW befragte Brauereien. In diesem Fall hieße das: die Dose aufmachen, das Bier trinken, das im Idealfall kalt ist. Eine Dose zu erhitzen ist nicht vorgesehen. Das ist Problem Nummer eins: Die Hitze könnte dazu beitragen, dass sich von der Lackschicht im Innern der Dose Stoffe lösen, die dann über den Alkoholdampf in das Fleisch übergehen.

Schädliche Substanzen in Farben und Lacken

Problem Nummer zwei: Die Vorgaben gelten nicht für das Bedrucken der Außenseite. Hier gibt es keinerlei Beschränkungen - was nachvollziehbar ist, denn im Normalfall kommen diese Stoffe nicht direkt mit dem Getränk in Berührung. Das heißt aber: Hersteller können auch Druckerfarben und Lacke einsetzen, für die es keine gesundheitliche Bewertung in Hinblick auf ihren Übergang auf das Lebensmittel gibt, schreibt das BfR. Wenn ein Hähnchen auf der Dose sitzt und stark erhitzt wird, tritt Fett aus, welches auf die bedruckte Außenseite gelangt. Dies und die Hitze selbst könnten dazu beitragen, dass sich Substanzen aus der Außenbeschichtung herauslösen und dass dabei sogar neue, schädliche Stoffe entstehen können - Problem Nummer drei. Das BfR kann zumindest nicht ausschließen, dass dies geschieht, und rät daher von dieser Zubereitungsform ab.

"Wer auf die bedenkliche ‚Würze‘ aus Farben und Lack lieber verzichten möchte, sollte das 'Bierhintern-Huhn' oder andere Varianten von 'besoffenen Hähnchen' mit einem speziellen Hähnchenbräter mit Flüssigkeitsbehälter zubereiten", raten die Verbraucherschützer.

Sie können der Autorin hier auf Twitter folgen: @shelmss.