HOME

Grenfell-Tower-Überlebende: Brand-Opfer sollen in Luxus-Komplex einziehen - die Anwohner sind entsetzt

Die Überlebenden des Grenfell-Tower-Brandes sollen umgesiedelt werden. In einen Luxuskomplex in der Nähe ihrer alten Heimat. Die Bewohner der Londoner Edel-Bauten sind entsetzt über die neuen Nachbarn aus der Unterschicht.

Schon die Fahrzeuge vor dem Kensington-Row-Komplex zeigen, wie wohlhabend die Bewohner sind.

Schon die Fahrzeuge vor dem Kensington-Row-Komplex zeigen, wie wohlhabend die Bewohner sind.

Nach der Katastrophe haben die Überlebenden des Grenfell Tower endlich einmal . Sie sind obdachlos und haben alles verloren. Doch die Stadt will sie schnell und gut unterbringen – vielleicht auch um unangenehmen Berichterstattung zu vermeiden. Die hätte es sicher gegeben, wenn die Überlebenden lange in Turnhallen und Behelfsheimen untergebracht worden wären.

Da trifft es sich gut, dass es soziale Belegungsrechte für 68 Wohnungen im luxuriösen Kensington-Row-Komplex gibt. Das Luxusgebäude hat zwei Milliarden gekostet, zu den Bauauflagen gehörte eine gewisse Quote an bezahlbaren Sozialwohnungen. Der Wohnungsbeauftrage Sajid Javid sagte: "Unser Ziel ist es jedem, der sein Heim verloren hat, so schnell wie möglich in der gleichen Gegend unterzubringen, damit die Betroffenen ihr Leben wieder einrichten können.

Bei den zahlenden Bewohnern der Luxusresidenz mit eigenem Fintenessclub, Swimming Pool und einem 24-Stunden-Concierge-Service kommt die Nachricht von den neuen armen Nachbarn nicht gut an. Ihrer Meinung nach, sei es "unfair" die Sozial-Mieter in ihr edles Haus zu lassen.

Eine Musterwohnung im Luxus-Teil der Anlage.

Eine Musterwohnung im Luxus-Teil der Anlage.


Eine Frau, die eine Wohnung vor zwei Jahren kaufte, beklagte sich beim "Guardian". "Wir haben sehr viel Geld bezahlt, um hier zu leben. Und dafür haben wir hart gearbeitet. Diese Leute werden nie auf eigenen Füßen stehen, die werden doch nicht einmal die Servicegebühren selbst bezahlen können." Offenbar fürchtet die Frau, dassn sich die Kinder der Unterprivilegierten demnächst zur Arschbomben-Meisterschaft im Wellnesstrakt verabreden.

Ein andere Frau bekannte: "Es tut mir sehr leid, dass diese Leute ihr Heim verloren haben, aber hier haben viele die Wohnungen gekauft und nun sehen sie den Wert fallen. … Diese Entwicklung wird die Sache nach unten ziehen. Da öffnet man eine Büchse mit Würmern. Das ist nicht gut für unseren Immobilienmarkt." 

Ein Arbeiter aus Albanien, der in dem Komplex Fußböden verlegt, wurde von Reportern zu den Umsiedlungsplänen befragt und musste nur lachen. "Das wird nicht passieren. Glaubt mir. Schaut euch doch nur die Autos hier an", sagte er, als eine Luxuslimousine an ihm vorbeifuhr. "Ihr könnt gern schreiben, was ihr wollt. Aber Geld regiert die Welt. Leute wie ich sollen hier leben? Niemals!" 

Und tatsächlich ist die Aufregung der Luxusmieter unnötig. Eine Sprecher der Immobilienfirma Berkeley Group sagte dem "The Independent", dass sich der Block mit den Sozialwohnungen zwar auf dem Gelände des Komplexes befinde, die Wohnungen dort aber nicht luxuriös ausgestattet seien. Weder gibt es einen 24-Stunden-Concierge-Service, noch eine Handwerkerbereitschaft, die jedes Problem innerhalb eines Tages löst.

Die zahlenden Bewohner der Luxus-Wohnungen sind wenig begeistert, von den neuen Nachbarn

Die zahlenden Bewohner der Luxus-Wohnungen sind wenig begeistert, von den neuen Nachbarn

Mieter Nick zahlt 2500 Pfund im Monat für seine " One-Bedroom"-Wohnung im Luxus-Teil. Er hat nichts gegen den Zuzug, kennt sich aber mit den Gepflogenheiten des Londoner Mietmarktes weit besser aus, als seine Mitbewohner und wohl auch besser als die offiziellen Stellen. "Wer sind denn die echten Bewohner des Grenfell Towers? Der größte Teil der Wohnungen ist doch untervermietet." Das ist ein bekanntes Problem der Sozialwohnungen: Wer es irgendwie geschafft hat, eine der begehrten Billig-Wohnungen in bevorzugten Vierteln zu ergattern, wohnt häufig nicht selbst darin, sondern vermietet die Wohnung gegen saftigen Aufpreis weiter. So ist es wohl auch zu erklären, dass ein junges Architektenpaar aus Mailand unter den Opfern ist – sie bewohnten eine Wohnung im Grenfell Tower mit wunderbarerer Aussicht im obersten Geschoss. "Nun werden die offiziellen Hauptmieter, die mit dem Vertrag, hierher umgesiedelt, und sie werden die Wohnungen wieder weiter vermieten. Aber die echten, nicht offiziellen Bewohner des Towers, werden sicher nicht bedacht."

Weitere Themen

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren