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Hypotheken-Geschäfte: USA klagt gegen die Deutsche Bank

Wiederholte Lügen, Betrug und rücksichtlose Geschäftspraktiken: Die USA erheben in ihrer Anklageschrift schwere Vorwüfe gegen die Deutsche Bank. Wegen zweifelhafter Geschäfte auf dem US-Immobilienmarkt hat die Regierung in Washington Klage eingereicht.

Die USA werfen der Deutschen Bank und ihrer US-Tochter MortgageIT "rücksichtslose" Geschäftspraktiken bei der Kreditvergabe sowie Betrug vor. Das geht aus den Gerichtsunterlagen in New York hervor. Die Unternehmen hätten "wiederholt gelogen", um in ein Regierungsprogramm aufgenommen zu werden, das Hypotheken versichert. Anschließend hätten sie Hauskredite vergeben ohne darauf zu achten, ob die Kreditnehmer ihre Schulden überhaupt zurückzahlen können.

Bis jetzt musste der Staat der Klageschrift zufolge mit 386 Millionen Dollar für die Kreditausfälle geradestehen und rechnet mit weiteren Hunderten Millionen Dollar an künftigen Zahlungsverpflichtungen. Die Deutsche Bank habe am Weiterverkauf der Hypotheken verdient "und kaum finanzielle Anreize gehabt, um die Qualität der abgesicherten Kredite zu sichern", heißt es in dem Dokument. Zivilklagen werden in den USA häufig mit millionenschweren Vergleichen außergerichtlich beigelegt. Für sie gelten geringere Anforderungen an die Beweiserhebung als in Strafsachen.

Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe als haltlos zurück. Die Bank werde sich energisch gegen das juristische Vorgehen der USA zur Wehr setzen, sagte ein Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. An der Frankfurter Börse brach die Aktie der Deutschen Bank nach der Klageankündigung zeitweise um mehr als drei Prozent ein.

Die Deutsche-Bank-Aktie brach nach Bekanntwerden der Klage ein und war mit einem Minus von mehr als drei Prozent größter Verlierer im Dax. "Der Markt nimmt die Klageerhebung nicht auf die leichte Schulter", sagte ein Händler.

2007 hatte der Konzern MortgageIT übernommen - kurz vor der Finanzkrise. Das Unternehmen war damals einer der größten Finanzierer von Hypotheken auf dem US-Häusermarkt.

Internationale Vorwürfe gegen Bankenriesen

Die Deutsche Bank hat in letzter Zeit jede Menge Ärger mit Behörden und Regierungen in verschiedenen Ländern. Dabei steht vor allem die früher aggressive Expansionsstrategie des Instituts in dem von Anshu Jain geführten Investmentbanking in der Kritik.

Erst im April hatte ein Bericht des US-Senats zur Finanzkrise die Deutsche Bank neben Goldman Sachs als einen Auslöser der massiven Probleme mit US-Hypothekenkrediten genannt, die das weltweite Bankensystem ins Wanken gebracht hatten. Die Deutsche Bank hatte beim Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes 4,5 Milliarden Dollar verloren.

Fast zur gleichen Zeit, als der Senatsbericht bekannt wurde, wurden zwei Händler der Bank in Hongkong wegen des Vorwurfs der Bestechung festgenommen. Bereits im Februar hatten die Bankenregulierer in Südkorea die Bank für sechs Monate vom Handel ausgeschlossen, nachdem sie zu dem Schluss gekommen waren, dass sie den Handel manipuliert hatte, um mit ihren Derivaten Millionengewinne abzustauben. 2010 war die Deutsche Bank in Japan mit einer Computerpanne an der Börse in Osaka negativ aufgefallen, die den gesamten Handel dort durcheinander brachte.

Für Aufsehen über Deutschland hinaus sorgte vor einigen Wochen auch das Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) gegen die Deutsche Bank, wonach sie an einen Mittelständler Schadenersatz zahlen muss, den sie nach Ansicht der Richter mit einem Zinsswap übervorteilt hat. Die Bank hatte das Produkt hundertfach an Kommunen und Unternehmen verkauft.

Reuters/AFP / Reuters
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