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Mietrecht: Schwarzstaubattacke ist ein Mietmangel

Überfallartig ist er plötzlich da: Ein schwarzer, rußartiger Schmierfilm auf Wänden und Decken, Kaffeemaschine und Couch. "Fogging" heißt das mysteriöse Phänomen, das gerne zu Beginn der Heizperiode auftreten kann.

Kennen Sie "Fogging"? Wenn ja: Beileid! Wenn nein: Das ist ein plötzlich auftretender, schwarzer, rußartiger Schmierfilm auf Wänden und Decken, Kaffeemaschine und Couch. Diese Schwarzstaubattacken treten meist zu Beginn der Heizperiode auf und das vor allem in neuen, umgebauten oder renovierten Räumen. Gesundheitsgefährdend ist Fogging nach bisherigen Erkenntnissen des Umweltbundesamts (UBA) zwar nicht. Aber das plötzliche Auftreten des Staubs ist ärgerlich für die Betroffenen, die oft tief in die Tasche greifen und Handwerker engagieren müssen, um den Schmierfilm dauerhaft zu entfernen.

Fogging ist Mietmangel

Anders als Schimmel lassen sich die dunklen Flecken nicht einfach wegwischen. "Auch Übertünchen bringt nichts. Das kommt meist wieder durch, eventuell noch stärker", erklärt Dirk Petersen, Umweltreferent der Verbraucherzentrale Hamburg. Glück im Unglück hat, wer zur Miete wohnt. Dann ist in der Regel der Vermieter am Zug: Ende Mai 2008 hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil Schwarzstaubablagerungen als Mietmangel eingeordnet. Aktenzeichen: BGH VIII ZR 271/07.

Und danach ist der Eigentümer verpflichtet, den Schaden auf seine Kosten beheben zu lassen, wie Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes, erläutert. Voraussetzung: Der Mieter hat die Wohnung vertragsgemäß genutzt, also beispielsweise mit handelsüblicher Farbe gestrichen. Weil sich Vermieter aber trotz höchstrichterlichem Urteil immer wieder sperren, für den Schaden aufzukommen, landen viele Streitigkeiten um schwarze Wohnungen vor Gericht.

Wie nach einem Schwelbrand

Wieso Wohnungen von einem Tag auf den anderen aussehen können wie nach einem Schwelbrand, ist bis heute mehr oder weniger rätselhaft. Die Staubattacken treten erst seit Mitte der 90er-Jahre gehäuft auf. Einige Fachleute befürchten, die seit 2002 geltende Energieeinsparverordnung (EnEV) könnte die Problematik weiter verschärfen. Auffällig ist, dass insbesondere wärmegedämmte Gebäude betroffen sind.

Wahrscheinlich, so das Umweltbundesamt, ist folgender Ursachen-Mix: Zur Renovierung verwendete Vinylschaumtapeten, Farben, Lacke, Kleber oder Kunststoffböden enthalten Weichmacher. Diese schwerflüchtigen, organischen Verbindungen dünsten noch Monate später langsam in die Raumluft aus. Im Winter, wenn geheizt und wenig gelüftet wird, kann die Konzentration der Chemikalien steigen, vor allem in gedämmten Räumen mit wenig Luftaustausch. Die Stoffe lagern sich am Schwebestaub in der Luft ab. Dieser setzt sich dann vorwiegend an kalten Wänden, also an Wärmebrücken, ab. Oder an Stellen, über denen Luft zirkuliert. So entsteht die schmierige Schmutzschicht, wobei die Begleitumstände nicht immer gleich sein müssen, wie Umweltreferent Petersen erläutert: "Es gibt sogar Reinigungs- und Pflegemittel wie Möbelpolituren, die Mitverursacher sind."

Tapete runter

Was tun, wenn das eigene Zuhause schwarz wird? Man kann versuchen, den Schmierfilm mit einem Spülmittelzusatz nass zu reinigen. Oder gleich die Tapete herunterreißen und neu tapezieren. Erst dann sollte mit Farbe gestrichen werden, rät das UBA. Sonst kommt der Belag immer wieder. Ist eine oberflächliche Reinigung nicht möglich, muss ein Fachmann ran. Wer dem Schaden auf den Grund gehen will, sollte Kontakt mit den örtlichen Gesundheits- und Umweltämtern aufnehmen. Adressen von Umweltanalyselabors oder Sachverständigen kann man auch über die Industrie- und Handwerkskammern erhalten. Betroffene Mieter sollten außerdem gleich ihren Vermieter informieren, sagt Ropertz.

Kommt es in Folge einer normalen Wohnungsnutzung zu Fogging, kann der Mieter nicht haftbar gemacht werden. Weigert sich der Eigentümer, den Schaden innerhalb einer bestimmten Frist zu beheben, muss er damit rechnen, dass der Bewohner die Miete mindert und selbst einen Gutachter respektive Handwerker beauftragt.

Berrit Gräber/AP / AP