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Millionen Haushalte betroffen: Stromriese Eon dreht an der Preisschraube

2012 wird zum Jahr der Strompreiserhöhungen: Die Hälfte der 850 Grundversorger hat die Preise bereits angehoben. Jetzt folgen weitere, darunter Deutschlands größter Energiekonzern Eon.

Die Welle der Strompreiserhöhungen geht weiter. Von Juni an müssen mehrere Millionen Eon-Kunden durchschnittlich fünf Prozent mehr bezahlen. "Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3000 Kilowattstunden bedeutet das in der Grundversorgung Mehrkosten von durchschnittlich 3,70 Euro monatlich", bestätigte ein Eon-Sprecher. Nach Angaben des Vergleichsportals Check24 erhöhen neben Eon zwei Dutzend weitere Gesellschaften im Mai oder im Juni die Preise um 3,5 bis 4 Prozent.

Damit droht das Jahr 2012 endgültig zum Jahr der Strompreiserhöhungen zur werden: Seit Jahresbeginn haben nach Informationen des Portals Toptarif bereits die Hälfte der 850 Anbieter die Preise erhöht.

Bei Eon heben sechs der sieben Regionalgesellschaften die Preise an. Betroffen sind die meisten der rund sechs Millionen Kunden. Der Eon-Sprecher begründete die Erhöhungen unter anderem mit dem steigenden Anteil an umweltfreundlich erzeugtem Strom und gestiegenen Netzentgelten. Die siebte Gesellschaft, die Eon Thüringer Energie AG, bleibt hingegen bei ihren Preisen, weil sie für das gesamte Jahr eine Preisgarantie abgegeben habe, so Toptarif.

Die 3,2 Millionen direkten Kunden des Eon-Konkurrenten RWE bleiben noch verschont. RWE habe noch keine Beschlüsse gefasst, sagte ein Sprecher. Bis mindestens zur Jahresmitte würden die Preise stabil bleiben. Neben den Direktkunden hat der größte deutsche Stromerzeuger noch 3,7 Millionen weitere Kunden über Beteiligungen. Eine dieser Beteiligungen sind die Lechwerke in Bayern. Sie erhöhen zum Mai um 3,92 Prozent.

Jeder dritte Deutsche will wechseln

Nach einer Onlinebefragung von 10.000 Stromkunden in 19 Ländern - überwiegend in Westeuropa aber auch den USA - wollen 25 Prozent den Stromanbieter wechseln oder ziehen dies ernsthaft in Erwägung. Bei den 500 in Deutschland befragten Verbrauchern liegt die Quote laut Studie des Dienstleisters Accenture bei 35 Prozent. Belgien folge mit 31 Prozent.

Die anhaltende Treue zu ihrem Grundversorger beschert Stromkunden einer Studie von Toptarif zufolge deutlich höhere Preise als nötig. Im Vergleich der hundert größten Städte waren im Durchschnitt 46 Konkurrenten günstiger als der jeweils preiswerteste Tarif des örtlichen Grundversorgers. Lediglich sieben von hundert örtlichen Anbietern schafften es demnach unter die zehn günstigsten ihrer Stadt.

Trotz der Liberalisierung auf dem Strommarkt beziehen nach wie vor fast 85 Prozent der Deutschen ihren Strom vom örtlichen Grundversorger. Dabei sind die Sparmöglichkeiten bei einem Anbieterwechsel der Studie zufolge groß: Ein vierköpfiger Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahle beim lokalen Versorger im Schnitt 973 Euro pro Jahr. Bei den günstigsten Wettbewerbern koste der Strom dagegen im ersten Vertragsjahr nur 756 Euro. Einsparpotenzial: 217 Euro jährlich. Der Preisvorteil sinkt allerdings spürbar, wenn der im ersten Vertragsjahr gezahlte Bonus für den Wechsel abgezogen wird.

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pen/DPA/AFP / DPA