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Rumänien: Russischer Milliardär will Dracula-Schloss

Um das erst im Sommer 2006 an die Habsburger zurückgegebene Schloss Bran tobt ein handfester Streit: Neu-Besitzer Dominik von Habsburg will das "Dracula Schloss" verscherbeln, jetzt bietet auch Russen-Milliardär Roman Abramowitsch mit.

Rumänien will Draculas Schloss zurück haben. Die ehemalige Sommerresidenz der rumänischen Könige war 1948 von den Kommunisten beschlagnahmt worden und teilweise als Museum genutzt. 2001 stellten die Erben einen Antrag auf Rückerstattung und waren damit nach langem Rechtsstreit erfolgreich: Im Sommer 2006 erhielten die Habsburger Schloss Bran zurück - und plötzlich war einer der Haupt-Touristenmagneten des Landes in Privatbesitz. Dabei "erbte" Dominik von Habsburg Bran nur, weil seine Mutter, die rumänische Prinzessin Ileana, mit Anton von Habsburg verheiratet war.

Schloss Bran gilt als "Schloss Dracula"

Für die betreffende Region war dieser Vorgang verheerend, galt Schloss Bran doch seit Jahrzehnten als veritabler Touristenmagnet in den Südkarpaten: Für die Scharen an Besucher war Bran immer "Schloss Dracula", diente es doch dem irischen Schriftsteller Bram Stoker als Vorlage für die Burg seiner blutschlürfenden Romanfigur Graf Dracula. Die im Jahr 1377 erstmals erwähnte Burg war von den Bürgern der Stadt Brasov zur militärischen Abwehr gebaut worden. Zwar gibt es kaum historische Anhaltspunkte, dass Bran überhaupt etwas mit dem historischen Vorbild der Romanfigur, dem walachischen Fürsten Vlad III. Dracul (auch Vlad Tepes = Vlad, der Pfähler) zu tun haben könnte - doch den Touristen war das egal. Sie kamen in Scharen und ließen brav ihre Devisen zurück.

Nun will also Rumänien die als "Draculas Schloss" bekannte Burg aus dem Mittelalter zurückkaufen. Doch Neu-Eigentümer Dominik von Habsburg verlangt nach Angaben eines Sprechers des Regionalparlaments von Brasov dafür 60 Millionen Euro - für rumänische Verhältnisse sehr viel Geld. Deshalb will der Landkreis Brasov für die Kaufsumme einen Kredit aufnehmen. Anschließend soll ein spanisches Unternehmen mit der Bewirtschaftung beauftragt werden, damit das touristische Potenzial der Burg professioneller ausgenutzt werde als bisher.

Kaufpreis "unanständig hoch"

Der Kulturminister in Bukarest, Adrian Iorgulescu, hatte sich diesen Plänen widersetzt mit der Begründung, dass der von Habsburg verlangte Preis "unanständig hoch" sei. Ministerpräsident Calin Popescu Tariceanu billigte jedoch die geplante Transaktion. Der Landkreis erklärte, für die mittelalterliche Burg habe es auch andere Interessenten gegeben, die noch viel mehr als 60 Millionen Euro geboten hätten. Darunter soll auch Roman Abramowitsch, Eigentümer des Londoner Fußballclubs Chelsea, gewesen sein. "Ich will aber weder Abramowitsch noch sonst jemanden zum Nachbarn haben," erklärte der Vorsitzende des Kreisrats, Aristotel Cancescu. Der rumänische Staat hat drei Jahre lang ein Vorkaufsrecht an der Burg. Ob Abramowitsch allerdings so schnell aufgibt, bleibt abzuwarten.

spi mit DPA