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Zu große Wohnungen: Allein auf 100 Quadratmetern: So viel Wohnraum würde frei, wenn Senioren umziehen

Wenn Wohnungsbesitzer im Alter in eine kleinere Mietwohnung ziehen würden, könnte das den Wohnungsmangel in den Städten dramatisch lindern, sagt eine Analyse. Viele Senioren wären wohl auch dazu bereit - wenn die Alternative stimmt.

Altbau in Berlin: Würden Senioren sich im Alter öfter verkleinern (können), würde viel zusätzlicher Wohnraum zur Verfügung stehen

Altbau in Berlin: Würden Senioren sich im Alter öfter verkleinern (können), würde viel zusätzlicher Wohnraum zur Verfügung stehen

Getty Images

In vielen deutschen Großstädten ist Wohnraum seit Jahren knapp und begehrt. Zwar wird mittlerweile wieder deutlich mehr gebaut, doch das reicht oft nicht, um die Preis- und Mietsteigerungen zu stoppen. Neben Neubau und Nachverdichtung gäbe es – zumindest theoretisch – noch eine weitere Möglichkeit, dem Wohnungsmangel zu begegnen: Wenn Menschen, die im Alter nur noch allein in ihrem eigentlich zu großen Eigenheim leben, in eine kleinere Wohnung umziehen, würde damit zusätzlicher Wohnraum frei.

Eine Untersuchung des Immobilienentwicklers Pantera verweist nun auf das riesige Potenzial dieser ungenutzten Wohnraumreserve. So könnten laut der Analyse allein in Berlin und Hamburg jeweils um die eine Million Quadratmeter freier Wohnraum entstehen, wenn Senioren adäquate Angebote für eine wohnliche Verkleinerung gemacht würden. In allen Großstädten zusammengenommen könnten laut der Berechnung mehr als 10 Millionen Quadratmeter Wohnraum frei werden.

Jeder Zweite würde sich im Alter verkleinern

Eine repräsentative YouGov-Umfrage unter 2095 Bundesbürgern im Auftrag von Pantera ergab, dass drei von vier Deutschen einen älteren Menschen kennen, der "heute noch alleine in einem Haus oder einer Wohnung lebt, wo er zuvor mit einer Familie bzw. mehrere Menschen zusammengewohnt hat". Zudem gab mehr als jeder zweite Befragte (53 Prozent) an, er könne sich grundsätzlich vorstellen, im Alter freiwillig umzuziehen, weil er weniger Wohnraum benötige oder weniger Flächen instandhalten müsse.

Allerdings muss die Alternative dann auch finanziell passen. Denn: "Angemessene Wohnkosten" sind bei den Befragten die wichtigste Anforderung, die sie an ihren Alterswohnsitz stellen – vor Spaziermöglichkeiten im Grünen, breiter ärztlicher Versorgung und fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten. Die Realität in vielen Großstädten mit knappem Wohnraum sieht aber leider oft so aus: Selbst wer bereit ist, sich im Alter zu verkleinern, würde finanziell keinen guten Deal machen, wenn er in eine kleine Wohnung zur teuren Neuvertragsmiete zieht. Schließlich wohnen viele Senioren im abbezahlten Eigentum oder zu günstigen Altmieten.

Städte könnten entlastet werden

Welche gigantischen Wohnflächen dem Wohnungsmarkt aufgrund dieser fehlenden Flexibilität entzogen werden, hat Pantera näherungsweise für alle 81 Großstädte über 100.000 Einwohner berechnet. Die Untersuchung fokussiert sich dabei allein auf umzugswillige Senioren, die ihr Eigenheim verkaufen könnten, um in eine kleinere Mietwohnung zu ziehen.

Zunächst wurde mithilfe amtlicher Daten des Mikrozensus 2011 die Zahl alleinlebender Senioren ab 65 Jahren sowie der mehrköpfigen Senioren-Haushalte im Eigenheim ermittelt. Alleinlebende Senioren wohnen laut Statistischem Bundesamt im Schnitt auf 100 Quadratmetern im Eigenheim, aber nur auf 63,3 Quadratmetern, wenn sie zur Miete wohnen. Mehrköpfige Seniorenhaushalte wohnen im Schnitt auf 150 Quadratmetern im Eigenheim und auf 74,8 Quadratmetern zur Miete. 

Geht man nun davon aus, dass jeder zweite alleinlebende Senior (das entspräche dem Wert aus der Umfrage) sich derart verkleinern würde, ergäbe sich für die Großstädte eine Wohnraumreserve von insgesamt mehr als 10 Millionen Quadratmetern. Rechnet man noch die mehrköpfigen Seniorenhaushalte dazu, bei denen zumindest einer der Partner umzugsbereit ist, wären es sogar mehr als 18 Millionen Quadratmeter. Allein in Berlin läge das Potenzial laut der Analyse bei 800.000 bis 1,5 Millionen Quadratmetern, in Hamburg nur wenig niedriger. Die relativ größten Wohnraumeffekte seien in Heilbronn, Salzgitter, Bremen und Saarbrücken möglich.

All das sind natürlich nur Zahlenspiele, solange ältere Menschen nicht genügend attraktive Umzugsoptionen haben. Die Immobilienfirma Pantera sieht eine mögliche Lösung im Bau sogenannter "Serviced Apartments": Ein- bis Drei-Zimmerwohnungen, in denen Senioren einen Reinigungs- und Wäschedienst oder Einkaufshilfe gleich mitbuchen können. Ob die günstig genug und so gelegen sind, dass man dort hinziehen möchte, ist dann nochmal eine andere Frage.