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Nur gegen Geld in die Wohnung: Über Nacht privatisiert: Immobilienbesitzer kauft Zufahrtstraße - und kassiert Wegezoll

Über Nacht war die Straße blockiert. Die Zufahrt zu einigen Häusern in Oststeinbek bei Hamburg gehörte plötzlich einem Immobilienhändler. Und der verlangt nun Wegezoll von den Anwohnern.


Über die Nacht war die Straße abgesperrt (Symbolfoto).

Über die Nacht war die Straße abgesperrt (Symbolfoto).

Getty Images

Stellen Sie sich vor, Sie wollen abends nach Hause fahren. Doch das geht, denn zwei fette Betonringe versperren die Straße. Nicht einmalig, sondern dauerhaft. Ihr eigenes Auto kommt nicht mehr zum Haus, und Müllabfuhr und Lieferfahrzeuge auch nicht.

Was ist passiert? Die Straße ist über Nacht privatisiert worden ist und der neue Besitzer von Ihnen, Ihren Nachbarn und allen Besuchern Wegegeld verlangt.

Das ist kein Witz, sondern Realität in Oststeinbek bei Hamburg, wie das NDR-Magazin "Markt" zeigte. Tatsächlich sind Gisela F. und ihre Nachbarn in eine fiese Falle getappt. Eine Kette von sonderbaren Umständen führte zu der Lage und vermutlich sind die Nachbarn in Oststeinbek kein Einzelfall.

Zutritt nur gegen Gebühr

Das nützt ihnen natürlich nichts, denn der Besitzer ihrer Straße macht Druck. Nach der Sperrung für Kraftfahrzeuge will er nämlich eine Benutzungsgebühr auch für Fußgänger erheben.

Gisela. F. ist entsetzt: "Ich dürfte gar nicht den Bürgersteig betreten, eigentlich müsste ich mit dem Hubschrauber in mein Haus kommen."

Wie konnte es zu der absurden Situation kommen? Vor 60 Jahren wurde ein Acker in Bauland verwandelt, dort liegen die Häuser an mehreren Stichstraßen. Die Bewohner bezahlten den Bau der Straßen sogar mit ihren Erschließungsgebühren.

Dann kam es aber zu einem Problem: Normalerweise sollten die fertigen Straßen in den Besitz der Gemeinde übergehen.

Das passierte aber nie. Wieso, das lässt sich heute nach 60 Jahren nicht mehr rekonstruieren. Der heutige Bürgermeister vermutet, es könne an baulichen Mängeln der Straße gelegen haben.

Diese möglichen Mängel seien dann nicht behoben worden. Sicher ist nur, die Straße war nur vermeintlich öffentlicher Raum. Tatsächlich wurde die Kommune nie Eigentümer. Die Grundstücke blieben im Besitz des ursprünglichen Besitzers des Ackerlandes, eines Bauern.

Das Phänomen herrenloser Immobilien

Als der starb, schlugen die Erben die Erbschaft aus – auch die Straßen, die für sie nur Kosten aber keinen Nutzen gebracht hätten. Auch der Staat und die Gemeinde zeigten kein Interesse an dem Grund und Boden. So wurden die Straßen herrenloses Gut – das war 1991.

+++ Lesen Sie hierzu auch: Hausbesitzer für null Euro - kein Problem in Deutschland +++

Die Anwohner erfuhren von all dem nichts, sonst hätten sie sich die Straße selbst aneignen können. Denn tatsächlich kann sich jedermann herrenlose Immobilien aneignen, er tritt dann aber auch in alle Pflichten eines Eigentümers an. Mehr als 20 Jahren blieben die Straßen ohne Besitzer. Solange bis der Immobilienhändler Wolfgang D. sich die Straßen aneignete. Das geht in Deutschland ganz leicht, man muss nur ein spezielles Formular ausfüllen und schon ist man Eigentümer. Das Grundstück selbst kostet nichts, es sind nur ein paar Gebühren zu bezahlen.

Von den Behörden oder Gemeinde wurden die Bewohner nicht über diesen Vorgang informiert.

Das machte erst der neuen Besitzer, Wolfgang D.. Insgesamt will er Tausende von Euro von den Anwohnern kassieren. Auf Anfrage des NDR zeigte er sich uneinsichtig und verwies darauf, dass er die Straße ganz legal erworben hatte.

Immerhin: Nach der Recherche des "NDR" wurden die Sperren beiseite geräumt.

Quelle "Markt"

Kra
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