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Supermärkte: Abzocke mit Verpackungs-Tricks

In der EU soll es künftig keine einheitlichen Verpackungsgrößen für Lebensmittel mehr geben. Vorteil: Bürokraten, die Verpackungen kontrollieren, werden überflüssig. Nachteil: Die Verbraucher werden noch dreister über den Tisch gezogen.

Die Verbraucherzentrale Hamburg beobachtet die schmutzigen Tricks der Lebensmittelproduzenten seit Jahren und warnt vor dem Wegfall der einheitlichen Packungsgrößen - weil die Verbraucher schon jetzt häufig abgezockt werden. So wird nach Angaben der Verbraucherzentrale die Chipsmarke "Pringles", die bislang in einer 200-Gramm-Dose angeboten wurde, nur noch in einer 170-Gramm-Dose verkauft - zum gleichen Preis. Das gleiche Spiel exerzierte Procter und Gamble mit Tempo-Tüchern durch: Waren früher 100 Tücher in der Box bekommen Konsumenten für das gleiche Geld nur noch 80. Die vollständige Liste der überprüften Produkte hat die Verbraucherzentrale ins Internet gestellt.

Die Hersteller rechtfertigten ihr Vorgehen gegenüber der Verbraucherzentrale häufig mit dem Hinweis, sie hätten ihr Produkt verbessert. Andere behaupteten, der Handel wünsche kleinere Verpackungsgrößen. "Man hat allerdings den Eindruck, die Hersteller wollen die Mehrwertsteuererhöhung vorwegnehmen", sagt Helgard Libera von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Grundpreis-Angaben versteckt

Werden die Verpackungsgrößen in der EU endgültig freigegeben - was die Wirtschaftsminister am 25. September bereits beschlossen haben - wird es für die Verbraucher noch unübersichtlicher. Dann wäre es für die Hersteller zum Beispiel möglich, eine Packung Butter mit 495 Gramm zu befüllen. Oder Milchtüten mit 0,9 Liter Inhalt auf den Markt zu bringen. Wer nicht genau hinschaut, wird die Reduktion erst zuhause oder gar nicht bemerken.

Die einzige Chance für Verbraucher, sich vor derartigen Tricks zu schützen, ist, die Grundpreis-Angaben an den Regalen lesen. Dort muss der Preis für 1 Kilo, 100 Gramm oder auch 100 Milliliter angeben sein - unabhängig von der Verpackungsgröße. Aber die Händler nehmen es mit den Grundpreis-Angaben nicht allzu genau. "Manchmal sind sie versteckt, manchmal fehlen sie ganz", sagt Helgard Libera.

Derzeit gelten einheitliche Verpackungsgrößen noch für Grundnahrungsmittel wie Butter, Milch und Zucker.

lk