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Arbeiten in Corona-Zeiten Was wir im Homeoffice dürfen – und was nicht

Die Arbeitsrechtslage im Home Office
Ist im Home Office der Gang vom Arbeitszimmer in die Küche ein Arbeitsweg? Die Rechtslage im Home Office.
© Getty Images
Gibt es im Homeoffice eine Anwesenheitspflicht? Muss der Arbeitgeber den neuen Computer bezahlen? Kann man einen Arbeitsunfall auch zu Hause haben? Wer im Homeoffice arbeitet, sollte diese acht Antworten kennen.

Kaum mussten wegen der Corona-Krise Millionen Arbeitnehmer von jetzt auf gleich ins Homeoffice wechselten, begann das große Rätselraten über die neuen Rechte und Pflichten. Bis heute besteht bei vielen Unklarheit darüber, welche Freiheiten es bei der Arbeit zu Hause tatsächlich gibt und welche Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitgeber zwingend eingehalten werden müssen.  Höchste Zeit für eine Bestandsaufnahme. Das ist der Stand der Dinge:

Habe ich eine Rechtsanspruch auf Home Office?

Ein Rechtsanspruch auf den Einsatz im Homeoffice besteht grundsätzlich nur dann, wenn dies im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag so geregelt ist. Auch der Arbeitgeber kann die Arbeit im Homeoffice nicht einseitig anordnen. Wünschen beide Vertragspartner, dass im Homeoffice gearbeitet wird, ist dafür in der Regel eine neue vertragliche Vereinbarung nötig. Das gilt auch für den Fall, dass ein Teil der Arbeit im Betrieb, der andere Teil zu Hause erledigt werden soll. Ob es künftig einen gesetzlich verbrieften Rechtsanspruch auf Homeoffice geben wird, ist politisch noch umstritten. 

Muss ich im Homeoffice eine bestimmte Präsenzpflicht beachten?

"Wenn wegen der aktuellen Situation keine neue Vereinbarung getroffen wurde, gilt auch im Homeoffice die vereinbarte Arbeitszeit", erläutert Mirjam Alex, Juristin in der Bundesverwaltung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Bestand vorher die Pflicht, zu bestimmten Zeiten am Arbeitsplatz zu sein, besteht diese Pflicht fort. Das gilt für Gleitzeit, aber eben auch für die Kernarbeitszeiten."

Welche Sonderrechte habe ich, wenn ich auch noch auf meine Kinder aufpassen muss?

Wenn im Homeoffice zusätzlich zur Arbeit Kinder betreut werden müssen, plädiert Mirjam Alex für ein pragmatisches Vorgehen, indem beispielsweise die Arbeitszeitregelung im Einzelfall angepasst wird. "Gerade bei kleineren Kindern sind Kinderbetreuung und Arbeit gleichzeitig schwierig. Wenn es nicht anders geht, können Eltern, die auf Kinder aufpassen müssen, die Arbeit verweigern. Generell handelt es sich dabei aber um einen Bereich, in dem es gerade sehr viel Bewegung gibt. Eine wichtige Vermittlerrolle für Einzelfalllösungen können dabei die Betriebsräte einnehmen. Wenn sie zu Hause gar nicht zum Arbeiten kommen, haben betroffene Arbeitnehmer möglicherweise Anspruch auf Entschädigungszahlungen nach § 56 Abs. 1a Infektionsschutzgesetz. Verdienstausfälle können so abgemildert werden." 

Darf der Arbeitgeber meine Arbeitszeiten kontrollieren?

Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Einhaltung der Arbeitszeit seiner Mitarbeiter zu prüfen. Das gilt auch für das Homeoffice. "Ohne konkreten Anlass beispielsweise einen Detektiv mit der Kontrolle zu beauftragen, halte ich allerdings für unzulässig", schränkt Mirjam Alex ein. "Auch eine Überprüfung der Arbeitszeit über die Computersoftware ist mitbestimmungspflichtig. Für solche Maßnahmen muss der Betriebsrat mit ins Boot geholt werden."

Muss ich Arbeitsmaterial, das ich im Homeoffice benötige, selbst bezahlen?

Der Arbeitgeber ist auch bei Arbeit im Homeoffice dazu verpflichtet, für eine funktionstüchtige Ausstattung des Arbeitsplatzes zu sorgen. "Wenn zum Beispiel zu Hause kein Computer zur Verfügung steht und der Arbeitnehmer sich aus diesem Anlass selbst einen kauft, kann er im Rahmen der Verhältnismäßigkeit zumindest eine Beteiligung an den erforderlichen Anschaffungskosten verlangen. Um Konflikte zu vermeiden, empfiehlt es sich, bereits im Vorwege eine klare Vereinbarungen über die Kostenverteilung zu treffen", rät Mirjam Alex. 

Muss der Arbeitgeber auch für das Upgrade meiner Internetverbindung zahlen?

Wenn bestimmte technische Voraussetzungen erforderlich sind, um die Arbeit im Sinne des Arbeitgebers zu erledigen, müssen die Bedingungen dafür vorhanden sein. "Für die daraus resultierenden Kosten hat der Arbeitgeber aufzukommen", sagt Mirjam Alex. "Andernfalls muss er in Kauf nehmen, dass das Arbeitsergebnis unter dem Mangel leidet." Aber: "Profitiert der Arbeitnehmer über die berufliche Nutzung hinaus auch selbst von der technischen Verbesserung, ist es angemessen, die entstehenden Kosten einvernehmlich zu teilen."

Ist der Arbeitgeber verpflichtet, während meiner Zeit im Homeoffice meine Kosten für das Arbeitszimmer zu übernehmen?

"Diese Frage ist noch nicht geklärt, Urteile der Arbeitsgerichte stehen dazu noch aus", sagt Mirjam Alex, "aber aus meiner Sicht sollte der Arbeitgeber Mehrkosten tragen, die aus der Nutzung des Homeoffice‘ entstehen.  Da die exakte Trennung zwischen privat und dienstlich verursachten Kosten bei der Nutzung von Internet und Telefon oft kaum möglich ist, können solche Mehrkosten ebenso wie höhere Heizkosten durch eine Pauschale ausgeglichen werden.

Bin ich im Homeoffice unfallversichert?

Grundsätzlich stehen auch Arbeitnehmer im Homeoffice unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Allerdings ist die Abgrenzung zwischen versicherter und unversicherter Tätigkeit hier besonders schwierig. Entscheidend ist, dass die Tätigkeit, die zum Unfall führte, im sachlichen Zusammenhang mit den beruflichen Aufgaben stand. Wer über ein Computerkabel stolpert, hat einen Arbeitsunfall. Wer seinen Arbeitsplatz verlässt und beispielsweise auf dem Weg in die Küche verunglückt, nicht. Wichtig: Die freie Arztwahl ist bei einem Arbeitsunfall grundsätzlich eingeschränkt. Wer nach einem Arbeitsunfall mehr als drei Kalendertage arbeitsunfähig ist, muss einen sogenannten Durchgangsarzt aufsuchen, der eine besondere Zulassung der Landesverbände der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hat.


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