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arbeiten-ausland: Arbeiten in Finnland

Die Finnen sind mobil. Im Land der tausend Seen herrscht eine große Handydichte. Kein Wunder, denn der Weg zur nächsten Telefonzelle kann in dem dünnbesiedelten Land sehr weit sein.

Arbeitserlaubnis: Staatsangehörige aus Ländern der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums benötigen keine Arbeitserlaubnis. Bürger anderer Länder brauchen eine Genehmigung. Die Ausübung gewisser Berufe in Finnland setzt voraus, dass eine entsprechende Nachfrage besteht. Dies gilt für Rechtsanwälte, bestimmte ärztliche Berufe, Tierärzte und gewisse Berufe im Schiffahrtsbereich. Das Recht zur Ausübung dieser Berufe verleihen die Behörden, die die Ausübung des fraglichen Berufs in Finnland regeln.

Arbeitsvertrag: Üblich sind schriftliche Arbeitsverträge, mündliche sind jedoch auch gültig. Im Vertrag sollten Dauer und Beginn des Arbeitsverhältnisses festgelegt sein sowie die Beschreibung der Position und der Tätigkeit. Außerdem sollte der Vertrag Auskunft geben über die Höhe und den Zeitpunkt der Lohnauszahlung, den Jahresurlaub, die Probezeit und die Kündigungsfrist. Die Probezeit beträgt in der Regel vier Monate, in Ausnahmefällen kann sie auf sechs Monate angehoben werden. Während dieser Zeit ist die Kündigung beiderseits ohne Nennung von Gründen möglich. Nach der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist seitens des Arbeitgebers zwei bis sechs Monate, seitens des Arbeitnehmers ein bis zwei Monate, abhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses.

Arbeitszeit: Die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche. Die Höchstarbeitszeit kann auch durch Tarifverträge oder durch den jeweiligen Arbeitsvertrag geregelt werden. In Büros, insbesondere im öffentlichen Sektor, sind 37 Wochenstunden üblich. Aufenthaltsgenehmigung: Wird dem Arbeitssuchenden eine Stelle angeboten, muss er sich eine Aufenthaltsgenehmigung (»Oleskelulupa«) besorgen, um mehr als drei Monate in Finnland bleiben zu können. Dazu sind der Ausweis (Personalausweis oder Reisepaß) und eine Arbeitsbescheinigung bei der zuständigen lokalen Polizeistelle vorzulegen. Außerdem benötigt man ein Foto für die Aufenthaltsgenehmigung (ETA-Karte). Auch die nächsten Angehörigen erhalten eine Aufenthaltsgenehmigung. Im Allgemeinen ist sie für fünf Jahre gültig. Staatsangehörige der nordischen Länder benötigen weder eine Aufenthaltsgenehmigung noch eine ETA-Karte.

Gehalt: Es gibt keinen gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Löhne und Gehälter werden durch Tarifverträge geregelt oder individuell ausgehandelt. Verglichen mit Deutschland sind die Gehälter in Finnland rund 30 Prozent geringer. Die Lebenshaltungskosten in Finnland liegen im EU/EWR-Durchschnitt. Allerdings sind z. B. Autos, Benzin, Alkohol, Tabak und Bücher weit teurer. Billiger, da hauptsächlich über Steuergelder finanziert, sind Schule, Berufsbildung, Hochschulstudien, Sozialversicherung und Gesundheitsfürsorge. Der Arbeitgeber behält Steuern und Beiträge für die Sozialversicherung ein. Das Urlaubsgeld, das in der Regel gezahlt wird, entspricht der Hälfte eines Monatslohnes.

Soziale Absicherung: In Finnland wird die Sozialversicherung im wesentlichen über Steuereinnahmen finanziert. Zusätzlich fallen Benutzergebühren an. Die Arbeitgeber leisten einen Beitrag zur Arbeitslosen- und Arbeitsunfallversicherung. Durch das Sozialversicherungssystem abgedeckt werden z. B. Krankenhausaufenthalte, ärztliche Versorgung, gewisse Arzneimittel, Krankengeld, Kindergeld, Renten, Arbeitsunfallversicherung, Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe. Weitere Auskünfte erteilt das örtliche Sozialamt (»Sosiaalitoimisto«) oder die Sozialversicherungsanstalt (»KELA«). Für Arbeitnehmer gibt es zusätzliche Rentenleistungen, gezahlt ab 65 Jahren oder bei Invalidität. Der Arbeitgeber behält die Beiträge zur Rentenversicherung ein. Jeder Arbeitnehmer kann sich zusätzlich privat gegen Arbeitslosigkeit versichern. Die Leistungen richten sich nach dem Verdienst und werden von den Kassen der Gewerkschaften 500 Tage lang in der Höhe von 55 bis 60 Prozent gezahlt.

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Nach einer Beschäftigungsdauer von mindestens einem Monat hat der Arbeitnehmer im Fall einer kankheits- oder unfallbedingten Abwesenheit vom Arbeitsplatz Anspruch auf Krankengeld. Normalerweise ist ein ärztliches Attest vorzulegen. In Tarifverträgen werden längere Zeiträume festgelegt, in denen Krankengeld gezahlt wird, als die gesetzlich festgelegten sieben Tage. Urlaub: Laut Gesetz hat der Arbeitnehmer Anspruch auf zweieinhalb Urlaubstage pro Arbeitsmonat. Nach einjähriger Betriebszugehörigkeit hat er Anspruch auf 30 Tage. Hinzu kommen acht gesetzliche Feiertage im Jahr.

Visum: Staatsangehörige eines Mitgliedstaats der Europäischen Union haben das Recht, ohne besondere Formalitäten in alle anderen Mitgliedstaaten einzureisen. Benötigt wird lediglich ein gültiger Personalausweis oder Reisepass.

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