Arbeitslosigkeit Persönlichkeit zu ersteigern!


Er heißt Frank Bottner, ist 35 Jahre alt und Angestellter des größten Arbeitgebers Deutschlands: dem Arbeitsamt. Seit Anfang des Jahres ist der gelernte Hotelfachmann und Kundenbetreuer arbeitslos.

Seit Dezember 2002 hat Frank Bottner 56 Bewerbungen geschrieben und nur Absagen kassiert. Nun ist er zum Ebay-Artikel 2514301909 geworden - freiwillig. Nach vier Monaten erfolgloser Jobsuche hatte der Frankfurter die Nase voll und gab seine Persönlichkeit zur Versteigerung bei dem Internet-Auktionshaus frei. Mindestgebot: 10 Euro.

Über Ebay zum Job?

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Aktion kam Frank Bottner beim Durchklicken der Ebay-Angebote. Bei dem Online-Auktionshaus bieten bereits viele Leute ihre Leistung an: von Übersetzungen bis zu Büroarbeiten. Durch seine Tätigkeit im Hotelgewerbe bringt Bottner die Stärke mit, auf Menschen zugehen zu können. „Wieso soll ich dies nicht aktiv anbieten?“ fragt Bottner.

Produkt Persönlichkeit

Zu finden ist Frank Bottners Angebot im Ebay-Bereich "Business und Industrie" unter "Sonstiges". Seine "Produktbeschreibung": "Arbeitslos in einer Dienstleistungs- und Kapitalgesellschaft - was soll das? 56 Absagen seit Dezember! Da muss doch was zu machen sein in einem Umfeld, welches von Erträgen, Erfolg und Lifestyle geprägt ist?!" Seine Argumente sind seine Berufserfahrungen. Außerdem sei er "im besten Alter zwischen Dynamik und Erfahrung" meint der 35-jährige.

Bewerbungsmarathon

Elf Jahre hat der gelernte Hotelfachmann in seinem Fach gearbeitet, davon drei Jahre in der Schweiz und zwei in den USA. Schließlich wechselte Bottner in die Kundenbetreuung des Bankwesens. Zwei Jahre war er dort tätig, bis er im Dezember 2002 gehen musste. Seit Ende letzten Jahres hat er seine Bewerbungsunterlagen in Topform gebracht, jedes Wochenende die Zeitungen nach einem passenden Job durchforstet und sogar einen Internet-Personal-Vermittler beauftragt. Auch auf dem verdeckten Stellenmarkt hat er gesucht: alte Kontakte aus dem Hotel-, Wirtschafts-, und Finanzbereich aktiviert und Messen besucht. Aber ans Aufgeben denkt er nicht und überlegt, "ob ich im Sommer nicht einfach nur jobben werde, in einem der Straßencafés".

Echtes Interesse ist gefragt

Mit der Versteigerung setzt Frank Bottner auf den Überraschungseffekt. Er will die Aufmerksamkeit erregen, an Menschen herankommen, die er sonst nicht erreichen würde. Vor allem aber "Flashlights setzen, damit vielleicht fünf Prozent der Betrachter an die Ernsthaftigkeit der Aussagen glauben und konkretere Infos über mich anfordern. Und vielleicht hätte der eine oder andere eine Position anzubieten. Reaktionen hat es bislang leider eher wenige gegeben. Besucht haben sein Angebot schon einige, gefragt aber noch keiner. Die Hoffnung gibt Bottner aber nicht auf, zur Not bleiben ja auch immer noch die Straßencafés.

Katarina Rathert

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