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Basel II: Was ändert sich für Unternehmen?

Künftig sollen Unternehmen benotet werden wie in der Schule. Ratingagenturen und Banken fordern von den Unternehmen mehr Transparenz und Informationen.

Voraussichtlich ab kommendem Jahr werden die meisten Banken mit Ratings gemäß der Basel II-Verordnung beginnen. Anders als in den USA sind in Europa bislang wenige Unternehmen »geratet«. Die EU-Kommission hat zu diesem Zweck vorgeschlagen, Firmen künftig bankintern durch die Kreditinstitute selbst bewerten zu lassen. Zusätzlich können spezialisierte Agenturen nach amerikanischem Vorbild ein externes Ranking vornehmen.

Unternehmen, die sich am Kapitalmarkt Geld oder Anleihen beschaffen wollen, kommen um ein externes Ranking allerdings nicht herum. Wobei sich auch in der deutschen Bankenwelt das US-Schulnotensystem von A wie »bestanden« bis C und D für »nicht bestanden« durchgesetzt hat. Zu den renommiertesten Agenturen zählen immer noch »Moody?s«, »Standard & Poors« und »Fitch« bei denen ein Gutachten aber schnell bis zu 50.000 Euro kosten kann. Der Vorteil hingegen liegt in der objektiven Bewertung durch einen unabhängigen Dritten und kann die Verhandlungsposition gegenüber Banken verstärken. Die deutsche Agenturenlandschaft befindet sich derweil noch in den Kinderschuhen.

Für mittelständische Unternehmen kommt daher in nächster Zeit nur das interne Bankrating in Frage. Banken richten sich dabei sowohl nach quantitativen als auch qualitativen Unternehmenskriterien. Die Volks- und Reifeisenbank etwa prüft neben allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Unternehmen auch auf seine Ententwicklungsstrategie, Managementqualität, Branchenentwicklung und die Refinanzierungskosten eines Kredits. Die größte Veränderung bei der Bewertung eines Unternehmens wird künftig also darin bestehen, dass zusätzlich zu den letzten Bilanzen - wie bislang auch - zukunftbezogene Daten stärker ins Gewicht fallen. Gerade damit kommen aber auch auf den Kreditnehmer selbst gravierende Umstellungen zu.

Unternehmensberater erwarten eine stärkere Spreizung der einzelnen Kreditkonditionen. So wird in Zukunft stärker differenziert zwischen guter und schlechter Bonität zum Nachteil schlechter benoteter Betriebe. »Weiche« Unternehmensfaktoren wie etwa Managementqualität werden eine größere Rolle spielen, ebenso wie konjunkturelle Aussichten, Benchmarking und aktuelle Markttrends. Vom einzelnen Unternehmer wird ein größeres persönliches Engagement und ein aktives Management seiner eigenen Bonität erwartet, kurzum: mehr Transparenz, Einsatz und Eigenverantwortlichkeit.

»Firmenchefs sollten sich jetzt auf keinen Fall zurücklehnen«, warnt Jan Offerhaus, Ratingexperte bei der Unternehmensberatung HHMC. Es werde zukünftig keine Bankfinanzierung mehr ohne ein internes Rating geben, bestätigt auch Ulrich Leistner von der BHF-Bank. Allerdings müssen sich gut informierte Unternehmer keine Sorgen machen.

Machen Sie deshalb auch den Ratingtest.

Nicole Bockstaller

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