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BERUFSPORTRÄT: Pillendrehen ist passé

Doch die individuelle Herstellung von Medikamenten wie Salben oder Säften gehört weiterhin zu den wichtigsten Aufgaben eines pharmazeutisch-technischen Assistenten.

Pillen dreht der pharmazeutisch-technische Assistent (PTA) heute nicht mehr. Das besorgen Maschinen. Der wichtigste Teil der Arbeit eines PTA ist aber nach wie vor die Herstellung von Medikamenten. »Dazu gehört alles, was für einen Patienten individuell angefertigt werden muss«, erklärt Margareta Ewers, Geschäftsführerin beim Bundesverband der PTA in Saarbrücken.

Am Arbeitsplatz des PTA entstehen Kapseln, Salben, Säfte, Gele und Augentropfen. Ferner prüfen PTA Rohstoffe und Medikamente auf Reinheit und Wirksamkeit. Diese Tätigkeiten sind vor allem in öffentlichen Apotheken gefragt - 95 Prozent aller PTA arbeiten dort, schätzt Karl Dorenkamp, stellvertretender Leiter der Völker-Schule in Osnabrück, in der Gesundheitsberufe erlernt werden. Ein Schwerpunkt der Arbeit von PTAs ist es, Kunden zu beraten. Auch kleine Untersuchungen wie das Messen von Blutdruck oder Blutzucker nehmen sie vor.

In der Industrie verdienen PTAs besser

Arbeitsplätze gibt es auch in Krankenhausapotheken. »Hier stehen Medikamentenherstellung und auslieferung im Vordergund«, so Margareta Ewers. »Das läuft eher in Großproduktion.« Weiterhin sind PTAs in Forschungslabors, bei Prüfbehörden und -instituten, in der Gesundheitsverwaltung, bei Krankenkassen und im pharmazeutischen Großhandel angestellt. Die Industrie beschäftigt PTAs als pharmazeutische Referenten. »Einige reizt ein Job im Außendienst«, sagt Karl Dorenkamp. Hier sind die Gehälter höher als in öffentlichen Einrichtungen, wo Berufseinsteiger rund 1500 Euro (2933 Mark) brutto im Monat verdienen. Margareta Ewers geht davon aus, dass in Deutschland rund 5000 PTAs gesucht werden. »Dieser Bedarf wird kurzfristig nicht zu decken sein.« Gerade für Neueinsteiger bieten sich gute Chancen. Die Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre und findet an einer von rund 60 PTA-Schulen staatlicher oder privater Trägerschaft statt. Einige der freien Schulen erheben Gebühren von bis zu 255,64 Euro (500 Mark) im Monat. An den anderen Einrichtungen ist der Besuch kostenlos - je nach Bundesland und Träger.

Die wichtigsten Fächer sind die so genannte Galenik und die Arzneimittelkunde. Hier werden die therapeutischen Eigenschaften von Stoffen und die Herstellung von Medikamenten gelehrt. Auch Grundlagen der Chemie, Botanik und Ernährungskunde sowie Gefahrstoff-, Pflanzenstoff- und Umweltkunde gehören zu der Ausbildung. »Man muss viel auswendig lernen«, sagt Manuela Bockhart, die den Beruf im zweiten Jahr an der Schule in Augsburg lernt. Andererseits stehen auch praktische Übungen auf dem Stundenplan.

Gute Noten in den Naturwissenschaften sind von Vorteil

Berufserfahrung sammeln angehende PTA in zwei Praktika. Das erste dauert vier Wochen und wird in den Schulferien absolviert. Das zweite findet nach dem ersten Prüfungsblock statt und nimmt die letzten sechs Monate der Ausbildung ein. Voraussetzung für den Beruf ist ein mittlerer Bildungsabschluss. Gute Noten in Chemie, Biologie, Mathematik und Physik sind von Vorteil.

Auch Manuela Bockhart ist der Ansicht, dass ein Verständnis von Chemie wichtig ist. »Es hilft nicht, stur zu pauken.« Dazu seien allein die Namen der Stoffe zu kompliziert. Auch heute bezeichnen PTAs und Apotheker Arzneimittel und Rohstoffe traditionell auf Latein. »Im ersten Ausbildungsjahr haben wir Fachlatein. Da wird man langsam an die Bezeichnungen herangeführt«, sagt die 17-Jährige. Auch ein Gesundheitszeugnis vom Hausarzt müssen PTAs vorweisen, bevor sie ihre Arbeitsbefugnis erhalten. Wer etwa zu Allergien neigt, sollte einen Arzt prüfen lassen, ob diese bei der Ausübung des Berufs hinderlich sind.

Weiterbildung ist unerlässlich

Weil die Pharmazie sich schnell weiter entwickelt, verlangt der PTA-Beruf ständiges Lernen. Weiterbildungen bieten Fachschulen, Industrieunternehmen, die Landesapothekerkammern und der Bundesverband der PTA an. Hier können PTA Fachkenntnisse in Ernährung oder Hautpharmazie erwerben. Wer die PTA-Ausbildung abgeschlossen und einige Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, kann ein Studium der Pharmazie aufnehmen. Absolventen bieten sich Chancen in Pharma-Unternehmen. Sie können aber auch eine eigene Apotheke eröffnen.

Informationen: Bundesverband der Pharmazeutisch-technischen Assistenten, Bismarckstraße 24, 66111 Saarbrücken (Tel.: 0681/ 63 82 00, Fax: 0681/63 83 11, E-Mail: bvpta@t-online.de). In der Reihe »Blätter zur Berufskunde« ist der Titel »Pharmazeutisch-technische(r) Assistent(in)« erschienen. Die Broschüre mit der Bestellnummer 2 IF 12 ist kostenlos bei den Berufsinformationszentren der Arbeitsämter erhältlich. Ein ausführliches Berufsbild gibt es im Internet unter http:/www.apothekenberufe.de

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