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Betriebsklima: Konflikte sanft lösen

Mediatoren kommen zum Einsatz, wenn zwei Abteilungen sich nicht einig werden, wenn Mitarbeiter Entscheidungen aus der Chefetage boykottieren oder jemand gemobbt wird. Eine Lösung zu finden ist für das Betriebsklima und damit auch für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend.

Wenn ein Chef und ein Mitarbeiter lautstark über ihre Rechte und Pflichten diskutieren, hört Christine Oberpaur ganz genau hin. Und fragt die Streithähne nach Dingen, die scheinbar nichts mit dem eigentlichen Thema des Konflikts zu tun haben. Zum Beispiel: "Was können Sie selbst ändern?" Die 56-jährige Psychologin ist seit zehn Jahren in Stuttgart als so genannte Mediatorin in Wirtschaftsunternehmen tätig und hilft beiden Seiten, von sich aus eine Lösung zu finden.

Mediatoren kommen zum Einsatz, wenn zwei Abteilungen sich nicht einig werden, wenn etwa unklar ist, ob im Büro geraucht werden darf oder nicht. Oder wenn Mitarbeiter Entscheidungen aus der Chefetage boykottieren oder jemand gemobbt wird. Eine Lösung zu finden ist für das Betriebsklima und damit auch den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend - aber an die große Glocke hängen möchten Unternehmen ihre internen Probleme natürlich nur ungern.

Mediation soll Zerwürfnisse verhindern

Oberpaur berichtet von einem Fall, als in einem Familienunternehmen ein Konflikt zwischen den beiden Geschäftsführern zu eskalieren drohte. Der eine war vom verstorbenen Vater zum Nachfolger an der Spitze des Betriebs bestimmt worden. Zur Kontrolle hatte der alte Chef aber noch zu Lebzeiten einen älteren Kollegen eingesetzt. Der Junior fühlte sich bevormundet, und der ältere Kollege schreckte vor den Ideen des Jungunternehmers zurück.

Ein Prozess vor Gericht hätte die Verhältnisse zwar klären können. Einer von beiden wäre aber der Verlierer gewesen, erklärt Oberpaur. "Die Beziehung ist nach dem Prozess meist so zerrüttet, dass die Beteiligten nie wieder zusammen arbeiten können." Durch die Mediation soll ein solches Zerwürfnis verhindert werden.

Harte Arbeit für Kontrahenten

Der Mediator begleitet den Prozess nur, eine Lösung müssen die Streitenden schon selbst finden. "Das bedeutet harte Arbeit für die Kontrahenten", sagt Barbara Ackermann. Die 30 Jahre alte Stuttgarter Rechtsanwältin hat nach ihrem Jura-Studium eine Ausbildung zur Mediatorin gemacht.

Auch dem Junior-Geschäftsführer und seinem Kollegen hat die Mediation geholfen. Die ehemaligen Kontrahenten schlossen selbst einen Konsens. Die Geschäftsbereiche wurden neu aufgeteilt, der Junior-Chef baut momentan eine Zweigstelle in Ostdeutschland auf. Und einmal im Monat treffen sich die beiden zum Gespräch.

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