Betriebsklima Miese Stimmung, fiese Chefs

Viele Mitarbeiter fühlen sich von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt
Viele Mitarbeiter fühlen sich von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt
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Trotz der boomenden Wirtschaft ist das Betriebesklima miserabel: Denn um im Wettbewerb gegen die Konkurrenz zu bestehen, greifen immer mehr Manager zu miesen Methoden. Mobben, nachspionieren und kündigen - es wird mit harten Bandagen gekämpft. Doch vieles dürfen die Chefs gar nicht.

Die Wirtschaft brummt, das Betriebesklima nicht - zu diesem Ergebnis kommt eine Forsa-Umfrage für den stern. Demnach empfinden 44 Prozent der befragten Arbeitnehmer, dass die Stimmung in ihren Betrieben in den vergangenen fünf Jahren trotz der boomenden Wirtschaft schlechter geworden ist. Vor allem ältere Arbeitnehmer, Arbeiter und Beamte gaben an, dass die Stimmung miserabel sei. Mit gutem Grund: Um im harten Wettkampf mit der Konkurrenz bestehen zu können, gehen viele Chefs, aber auch Manager der mittleren Führungsebene, mit ihren Mitarbeitern wenig zimperlich um.

Anschreien, mobben, Kontrollen bis in den Papierkorb oder sogar kündigen - das Instrumentarium des Schreckens ist groß. Mindestens genauso groß ist die Unsicherheit der Arbeitnehmer, was dem Vorgesetzen nun eigentlich erlaubt ist - und was nicht. Deshalb schildert der stern in seiner aktuellen Ausgabe (Heft 20/2007) nicht nur, mit welchen Methoden Chefs ihre Mitarbeiter immer stärker unter Druck setzen - sondern auch, wie man sich gegen Schikanen und Mobbing wehren kann. Für alle Betroffenen bietet stern.de nun erstmals eine Datenbank mit Expertenmeinungen zu vielen Themen des Arbeitsrechts an.

Unter www.stern.de/arbeitsrecht können Ratsuchende nun unter Schlagworten von 'A wie Abfindung' bis 'Z wie Zweitjob' die Expertenkommentare einsehen. Die Fragen stammen alle von stern-de-Usern. Betroffene können ihre Fragen online stellen, besonders allgemeingültige werden anonymisiert veröffentlicht. Damit gibt es endlich eine Möglichkeit, sich erst einmal kompetent, aber kostenlos, eine Erstinformation zu verschaffen.

Hoher Schutz der Arbeitnehmer

Denn das Gesetz steht meist auf der Seite der Angestellten. Fast nirgendwo auf der Welt genießen Mitarbeiter so weitgehenden Schutz vor betrieblicher Willkür, wie in Deutschland. "Arbeitnehmer sind persönlich und wirtschaftlich abhängig vom Arbeitgeber. Zum ausgleich dieser strukturellen Unterlegenheit bedürfen sie eines besonderen Schutzes, den das Arbeitsrecht gewährt", heißt es sogar auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit.

Dennoch sieht die Arbeitswirklichkeit anders aus. "Büro ist Krieg", sagt Bernd Stromberg, Horror-Chef in der gleichnamigen TV-Serie. Mit der Darstellung des ekelhaften, inkompetenten und ungerechten Chefs erreichte Darsteller Christoph Maria Herbst Kultstatus. Doch was man auf der Mattscheibe noch amüsant findet, wird schnell zum Alptraum, wenn man es am eigenen Leib erlebt.

Meist jedoch dauert es seine Zeit, bis der Arbeitneher einen Anwalt konsultier oder vor Gericht zieht. Denn nicht immer geht es um so klare Tatbestände wie nicht ausbezahlten Lohn. Oft sind es auch "diffuse" Probleme, wie ein respektloser Führungsstil. "Bei solchen Verhaltensweisen geht es um Macht," stellt der stern.deArbeitsrechtsexperte und Kolumnist Ulf Weigelt fest. "Der Chef demonstriert: Ich sitze am längeren Hebel." Aus dem Alltag seiner Anwaltspraxis kennt Weigelt genug Fälle, wo der Chef mit einem der letzten Mittel der Auseinandersetzung - der Kündigung - sehr schnell zur Hand ist. Doch obwohl das deutsche Kündigungsrecht 3116 eng bedruckte Seiten umfasst, beklagen Experten seinen "Lotteriecharakter": Weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer können sich sicher sein, ob eine Kündigung bzw. die Schutzklage dagegen vor Gericht Erfolg hat.

Karin Spitra

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