Das dürfte Friedrich Merz sich anders ausgemalt haben: Nach dem krachenden Aus der Ampel unter Olaf Scholz (SPD) wollte der Bundeskanzler und CDU-Chef wieder für bessere Stimmung im Land sorgen und in dem Zuge auch das Vertrauen der Bürger in die Politik stärken. Das ist gründlich misslungen, wie eine Forsa-Umfrage zeigt.
Jahr für Jahr ermittelt das Meinungsforschungsinstitut im Auftrag des stern, zu welchen politischen Institutionen die Deutschen am meisten (oder auch am wenigsten) Vertrauen haben. Das Ergebnis: Der Bundespräsident landet wie schon im Vorjahr ohne Veränderung auf dem ersten Platz. Fast alle anderen Institutionen mussten leichte Einbußen hinnehmen.
Auch die im Mai 2025 angetretene Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD konnte keine wesentlichen Vertrauensgewinne im Vergleich zur viel geschmähten Ampel-Koalition gewinnen. Die Regierung konnte zwar ganz leicht zulegen, das Vertrauen in den Bundeskanzler sank dagegen. Beide Institutionen finden sich fast ganz unten in der Rangliste wieder. Lediglich die politischen Parteien insgesamt stehen als Schlusslicht noch schlechter da.
Ansonsten scheint mit Blick auf die Plätze unterhalb des Bundespräsidenten zu gelten: Je lokaler beziehungsweise regionaler, desto mehr Vertrauen haben die Deutschen. Auf den Rängen zwei bis vier finden sich kommunale Ämter und Einrichtungen, gefolgt von der Institution Landesregierung. Erst nach der Europäischen Union folgen die weiteren Einrichtungen auf Bundesebene.
Mit Blick auf die politischen Lager zeigt sich: Am wenigsten Vertrauen bringen sämtlichen Institutionen wie schon in den Vorjahren die Anhänger der AfD entgegen – wenn überhaupt, dann haben sie nur ein gewisses Vertrauen zu den Einrichtungen auf kommunaler Ebene. Zum Kanzler und zur Bundesregierung haben nur ein oder zwei von 100 AfD-Anhängern Vertrauen.
Dem Bundeskanzler trauen die Anhänger der Linken zwar auch nicht, zu den anderen Institutionen haben sie allerdings ein vielfach größeres Vertrauen als die AfD-Wählerschaft. Am größten ist das Vertrauen in sämtliche politische Institutionen noch unter den Anhängern der sogenannten "Mitte"-Parteien.
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So hat sich das Vertrauen laut Umfragen in den vergangenen Jahren entwickelt
Das mangelnde Vertrauen in die Bundesregierung und den Bundeskanzler ist kein aktuelles Phänomen, das man ausschließlich an gegenwärtig vorherrschenden Ängsten und wirtschaftlichen Unsicherheiten festmachen könnte. Die Werte befinden sich im Prinzip seit Längerem im Sinkflug. Dabei genossen beide Institutionen noch vor wenigen Jahren hohes Vertrauen.
Am Ende des ersten Corona-Pandemiejahres 2020 – ebenfalls eine an Krisen und Sorgen nicht arme Zeit – hatten 75 Prozent der Bundesbürger großes Vertrauen zur Institution "Kanzler", die Bundesregierung kam immerhin auf 62 Prozent. Danach ging es jedoch erst einmal rapide bergab.
Nach dem Wechsel im Kanzleramt von Angela Merkel zu Olaf Scholz sank der Vertrauenswert 2023 auf 20 Prozent. Auf etwa dem Niveau ist er seither geblieben. Im Jahr des Amtsantritts von Friedrich Merz bringt erneut nur ein Fünftel der Deutschen dem Amt des Kanzlers großes Vertrauen entgegen.
Methodik: Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa für den stern und RTL Deutschland vom 3. bis 12. Dezember 2025 erhoben. Datenbasis: 4025 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 1,5 Prozentpunkte. Damit ist die Umfrage repräsentativ.