Chef-Deutsch/Deutsch-Chef Klartext am Arbeitsplatz


Sein Credo lautet: "Büro ist Krieg". Jetzt hat Bernd Stromberg, der schlimmste Chef aller Zeiten, in einem neuem Lexikon die Sprache der Vorgesetzten übersetzt.

Chefs sind keine guten Menschen, sie haben keine Freunde, sie nutzen Mitarbeiter aus, und wenn sie überhaupt Sex haben, dann um sich abzureagieren! Dennoch ist man als Arbeitnehmer darauf angewiesen, mit diesen Flachpfeifen auszukommen. Wesentliche Hilfe bietet dabei überraschenderweise die fleischgewordene Schikane des deutschen Privatfernsehens: Bürorüpel Bernd Stromberg, alias Christoph Maria Herbst.

Stromberg - Chef, Fernsehstar und Menschenfreund - ist mit vollem Körpereinsatz in der Schadensregulierung der Capitol Versicherung tätig. Wer, wenn nicht dieser Albtraumvorgesetzte, könnte all jenen Hilfestellung geben, die tagein, tagaus ratlos vor ihren Vorgesetzten stehen und nur Bahnhof verstehen: In seinem hundsgemeinen Langenscheidt-Wörterbuch "Chef-Deutsch/Deutsch-Chef" versucht er die mitunter etwas missverständliche Sprache der Chefs zu übersetzen.

Merke: Ein Chef hat nie Schuld

Der gnadenlose Bürohengst ist beim TV-Publikum gerade für sein butterweiches Rückgrat, die galoppierende Charakterschwäche und etliche nervtötende Angewohnheiten extrem beliebt - und dies alles macht ihn zum Experten, wie Vorgesetzte wirklich ticken. Deshalb heißt sein jüngstes Projekt mit "Prio A" auch: Die Geheimsprache der Chefetage entschlüsseln! Für alle, die malochen, und für alle, die noch hoch hinaus wollen. Im beim Traditionshaus Langenscheidt erschienenen Band gibt es außer der Strombergschen Deutungshilfe noch einen ultimativen Chef-Test und das Capitol-Bullshit-Bingo.

Brauchen tut's jeder, denn wer glaubt, sein Chef wäre ein offenes Buch, hat den gelben Stromberg noch nicht gelesen. Merke: Wenn Vorgesetzte etwas sagen, ist das eine ebenso ernst zu nehmende wie kryptische Angelegenheit. In den Sätzen der Chefs schwingt oft eine Botschaft mit, die mal mehr, mal weniger subtil ist. Und so fungiert der fieseste Chef der Republik fortan als Dolmetscher bei Langenscheidt: als Übersetzer zwischen Vorgesetzten und - nun ja, dem Fußvolk.

Mit Chefs legt man sich nicht gerne an

Erste Grundregel für Chefs: "Buckeln immer nach oben, treten immer nach unten". Sagt der Chef also zum Beispiel zu einem Angestellten "Meine Aufgaben haben absolute Top-Priorität", so meint er ganz klar, "Bevor Sie wieder an Ihre Arbeit gehen, erledigen Sie meine; und zwar ordentlich!" Oder: Ein Mitarbeiter braucht Hilfe und bittet seinen Chef um Unterstützung. Der heuchelt: "Jederzeit gerne, leider muss ich jetzt in ein wichtiges Meeting ..." Tatsächlich meint er: "Belästigen Sie mich bloß nicht mit Ihren Pillepalle-Problemen!"

Aber auch andere Chefs können von Stromberg lernen: "Ein Vorgesetzter schreit erstens nie ohne Grund – und zweitens immer mit freundlichem Unterton." Denn Chefs müssen ganz am Anfang ihres Chef-Seins auf jeden Fall eine Sache verinnerlicht haben: "Erst komme ich - dann kommt lange Zeit nichts - dann kommt ein Foto von mir - und dann kommt die Sintflut."

Ehrlichkeit hat beim Delegieren nix zu suchen

Das herrlich sarkastische Wörterbuch dient somit nicht nur Mitarbeitern als wertvolle Übersetzungshilfe, sondern auch Führungstalenten als Nachschlagewerk. Wer oben bleiben will, muss schließlich das Chef-Vokabular und die Chef-Allüren beherrschen. Nur Volltrottel fallen die Leiter wieder hinunter. Deshalb steht in "Chef-Deutsch/Deutsch-Chef" auch, wie man erfolgreich delegiert (= Arbeit abwälzt) oder professionell Schuldzuweisungen austeilt.

Wer die Gratwanderung zwischen Spaß und Mobbing nicht beherrscht, kann einpacken. Apropos einpacken: Nie einfach "Feierabend" sagen, immer einen Termin außer Haus vorschützen! Das gilt selbstverständlich nur für den Chef, niemals für den Mitarbeiter. Sagt Cheffe nämlich: "Keine Hektik, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.", meint er nichts anderes, als: "In Ihrem Tempo hätten andere ganz Italien ferig bekommen."

Kein Füller in der Firmentinte

Abschließend noch ein Stromberg'scher Tipp für ambitionierte männliche Schreibtischtäter. "Den Füller möglichst nicht in Firmentinte tauchen, sprich: Nie im eigenen Haus tackern, lochen oder ähnliches – mit weiblichen Mitarbeitern…." Dann können auch Sie Chef werden - und so tolle Sache sagen, wie "Da bin ich wieder! Wie 'ne Katze: Wenn man denkt, is' Feierabend, hab ich immer noch fünf, sechs Leben in der Hinterhand." Na denn...

Karin Spitra

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