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Von Chef beleidigen bis Zigaretten klauen Was Sie lassen sollten, wenn Ihnen Ihr Job lieb ist


Kann man wegen Lästereien über den Chef gekündigt werden? Weil man einen Kollegen zu innig umarmt oder wichtige Daten gelöscht hat? Sechs aktuelle Urteile zum Thema Kündigung.
Von Daniel Bakir

Büro ist Krieg", sagte schon Bernd Stromberg, und das gilt nicht nur für die überdrehte Fernsehserie. Auch im realen Büroalltag kommt es immer wieder zu Beleidigungen, sexuellen Belästigungen und anderen unschönen Dingen. Aber nicht jedes Fehlverhalten im Job rechtfertigt gleich die Kündigung, im Einzelfall müssen die Arbeitsgerichte entscheiden. Hier sind einige Urteile der vergangenen Monate:

Kündigung wegen Beleidigung des Chefs

Wer seinen Chef beleidigt, fliegt raus? Nicht unbedingt. Eine Mitarbeiterin, die ihren Chef in Telefongesprächen mit Kollegen als "Heini", "Pisser" und "hinterfotzig" bezeichnet haben soll, durfte bleiben. Denn: Eine grobe Beleidigung kann zwar eine Kündigung rechtfertigen. In diesem Fall aber konnte die Angestellte davon ausgehen, dass die Lästereien nicht öffentlich würden, weil sie in vertraulichen Telefonaten getätigt wurden. Das Arbeitsgericht Essen urteilte daher: Selbst wenn die Vorwürfe wahr seien, würden sie keine fristlose Kündigung rechtfertigen (Az. 2 Ca 3550/12).

Kündigung wegen Steuerhinterziehung

Wer Gehaltsabrechnungen manipuliert, um Steuern zu sparen, kann entlassen werden. Vor dem Arbeitsgericht Kiel landete Anfang des Jahres ein Fall, in dem eine Reinigungskraft ihre Arbeit über zwei Kolleginnen abrechnete, die auf geringfügiger Basis beschäftigt waren. Als der Geschäftsführer das erfuhr, kündigte er ihr fristlos. Dagegen klagte die Angestellte, weil ihr Betriebsleiter die Abrechnungspraxis vorgeschlagen habe. Das Arbeitsgericht Kiel hielt die Kündigung aber für wirksam (Az. 2 Ca 1793 a/13).

Kündigung wegen Zigarettendiebstahls

Ein Zigarettendiebstahl in einem Getränkemarkt führte zur fristlosen Kündigung eines Angestellten. Der Assistent der Geschäftsleitung hatte zunächst eine Neonröhre ausgetauscht und dabei die Überwachungskamera im Kassenbereich weggedreht. Anschließend stellte er einen Karton an der Kasse auf, der die Sicht der Kamera noch weiter behinderte. Dann packte er einen Eimer voll mit Zigarettenstangen und ließ ihn verschwinden. Doch offenbar war auf den Videobildern immer noch genug zu erkennen: Das Landesarbeitsgericht Hamm sah sich die Aufzeichnung an und bestätigte dann die fristlose Kündigung (Az. 16 Sa 1629/13).

Kündigung wegen Vorteilsnahme

Seit zwölf Jahren arbeitete der Sachbearbeiter im öffentlichen Dienst, wo er für den Einkauf seiner Behörde zuständig war. Dann kam heraus, dass er von einem Vertragspartner 2500 Euro erhalten hatte. Der Arbeitgeber vermutete Bestechung und kündigte fristlos. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hielt dies wegen des dringenden Verdachts der Vorteilsnahme für gerechtfertigt (Az. 9 Sa 1335/13).

Kündigung wegen Datenlöschung

Zwischen einem Account-Manager und seinem Arbeitgeber, einem EDV-Betrieb, lief es sowieso schon auf das Ende zu - die beiden Parteien verhandelten über eine Aufhebung des Arbeitsvertrages. Doch vor dem Abgang löschte der Mitarbeiter noch schnell einige Hundert Dateien, Kontakte und E-Mails, die das Unternehmen für die weitere Kundenbetreuung gebraucht hätte. Damit verbesserte er seine Position in den Verhandlungen nicht: Die Firma kündigte nun fristlos, was das Hessische Landesarbeitsgericht bestätigte (Az. 7 Sa 1060/10).

Kündigung wegen sexueller Belästigung

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kann grundsätzlich eine Kündigung nach sich ziehen. Doch im Einzelfall kommt es auf die Schwere des Vergehens an. Bei einer Vertriebskonferenz näherte sich ein Ingenieur einem Kollegen von hinten, umschlang ihn mit den Armen in Höhe des Magens und presste sich an ihn. Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg wertete dies als einmaligen Pflichtverstoß mit geringer Intensität. Eine Kündigung ohne vorherige Abmahnung sei daher unverhältnismäßig (Az.: 13 Sa 141/12).


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