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Eintrittsalter: Rente erst ab 70

Damit die Rentenkassen zahlungsfähig bleiben, fordert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine rasche Anhebung des Rentenalters auf 70 Jahre. Doch um die Rentenzahlungen zu sichern, denkt das DIW noch an andere Grausamkeiten.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich zur Sicherung der Rentenkassen für eine Anhebung des Renten-Eintrittsalters auf 70 Jahre ausgesprochen. "Eigentlich wäre das Eintrittsalter 70 schon in zehn Jahren notwendig, aber dazu ist die Politik zu langsam", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann den "Lübecker Nachrichten" (Mittwoch).

Niedrigere Tarifgehälter für Ältere

2015 werde es voraussichtlich bei 67 Jahren liegen. 70 Jahre würden erst 2025 erreicht werden. Damit die Menschen wirklich länger arbeiten, müsste nach Ansicht Zimmermanns aber einiges verändert werden. Der DIW-Präsident verlangte niedrige Tarifgehälter für Ältere und mehr Teilzeitarbeit. Um ein angemessenes Einkommen zu sichern und gleichzeitig die Rentenkassen zu schonen, könnte die Altersteilzeit mit einer vorgezogener Teil-Rente kombiniert werden, wenn der Arbeitnehmer sich verpflichtet, dann auch über das normale Rentenalter hinaus Teilzeit zu arbeiten, schlug Zimmermann vor.

Wird Sie die 'Rente ab 70' betreffen?

Der Wirtschaftsexperte Bert Rürup nannte unterdessen die Debatte über eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge verfrüht. Es gebe noch keine belastbaren Zahlen über die Akzeptanz der Riester-Rente, sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Mittwoch). So sei unklar, ob bei den fast fünf Millionen Riester- Verträgen "nur Besserverdiener die staatliche Förderung mitnehmen, oder ob auch Geringverdiener, die wir ja vor allem erreichen müssen, dabei sind", sagte der Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Kritisch äußerte sich Rürup zu Plänen der Union, den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung langfristig auf dem gegenwärtigen Niveau von 19,5 Prozent halten zu wollen. "Wenn man den Beitrag von 20 Prozent über das Jahr 2020 festschreiben würde, müsste das Mindestnettorentenniveau vor Steuern von 43 auf 39 Prozent abgesenkt werden", prognostizierte Rürup.

Renteneinnahmen auch im Juli eingebrochen

Am Dienstag hatte der Sprecher des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), Dirk von der Heide, in Berlin bestätigt, dass die Renteneinnahmen im Juli erneut eingebrochen sind. "Bei den Pflichtbeiträgen haben wir ein Minus im Juli von 1,6 Prozent." Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) räumte ein vorübergehendes Zahlungsproblem ein. Während im Juli 2004 noch 12,34 Milliarden Euro in die Rentenkassen flossen, waren es im Juli dieses Jahres nach dpa-Informationen nur noch 12,15 Milliarden Euro.

AP, DPA / AP / DPA
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