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Erleichterter Zugang: Ohne Abitur an die Uni

Laut Kultusministerium haben gerade einmal 2,5 Prozent der Uni-Erstsemester ihre Hochschulzulassung an einer Fachoberschule oder anderen beruflichen Schule erworben. Das soll sich ändern. So soll bald auch die Meisterprüfung als Berechtigung gelten.

Wer kein Abitur hat, kann trotzdem studieren. Doch während an den Fachhochschulen immerhin rund die Hälfte der Studienanfänger nicht vom Gymnasium kommt, schaffen nur wenige Jugendliche mit mittlerer Reife oder abgeschlossener Berufsausbildung den Sprung an die Universitäten. Laut Bildungsbericht der Kultusministerkonferenz (KMK) von 2008 haben gerade einmal 2,5 Prozent der Uni-Erstsemester ihre Hochschulzulassung an einer Fachoberschule oder anderen beruflichen Schule erworben, auf dem sogenannten "dritten Bildungsweg" fand so gut wie kein Studienanfänger an die Uni.

Meisterprüfung als Zugangsberechtigung

Diese Zahlen könnten dank der von der KMK vereinbarten Neuregelung der Zulassungsbestimmungen deutlich steigen. Galten bislang in jedem Bundesland andere Vorschriften, haben sich die Kultusminister nunmehr auf Eckpunkte geeinigt, die das Zulassungsverfahren transparenter und vor allem einheitlicher machen sollen.

So zählt die bestandene Meisterprüfung nach dem Willen der Kultusminister künftig in allen Bundesländern als allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Auch anerkannte Fortbildungsabschlüsse können ein Universitätsstudium ermöglichen, sofern bestimmte inhaltliche Vorgaben erfüllt sind. Wer nach der Berufsausbildung keine weitere Fortbildung absolviert hat, aber mindestens drei Jahre Berufspraxis nachweisen kann, darf nach bestandener Eignungsprüfung immerhin ein fachgebundenes Hochschulstudium beginnen. Die Länder können die Eignungsprüfung auch durch ein mindestens einjähriges "Probestudium" ersetzen.

Zustimmung der Universitäten fehlt noch

Verkürzen lässt sich die Übergangszeit zwischen Ausbildungsabschluss und Studienbeginn unter anderem durch die zweijährige Berufsoberschule. Nach erfolgreich bestandener Abschlussprüfung haben Absolventen mit zwei erlernten Fremdsprachen die allgemeine Hochschulreife, mit einer Fremdsprache immerhin die fachgebundene Zulassung zum Universitätsstudium. Jugendliche, die nach Abschluss der zehnten Klasse nicht mit einer Lehre beginnen, sondern auf die dreijährige Fachoberschule beziehungsweise ein Berufs- oder Fachgymnasium wechseln, können ebenfalls die allgemeine Hochschulreife erwerben.

Bis das Studium ohne Abitur an jeder deutschen Universität möglich ist, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. So haben noch nicht alle Bundesländer die Rahmenvereinbarung in ihren Hochschulgesetzen umgesetzt. Zudem bleibt abzuwarten, ob die Universitäten bei der geplanten Öffnung mitmachen, oder den Zugang unter Berufung auf die Hochschulautonomie weiterhin beschränken.

Hendrik Roggenkamp/DDP / DDP
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