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Frauenbank: "Banken nehmen Frauen nicht ernst"

"Die meisten Banken beraten Frauen schlechter als Männer und gehen nicht auf ihre Bedürfnisse ein." Und das möchte Angelika Huber mit der Gründung einer Bank speziell für Frauen ändern.

"Die meisten Banken nehmen Frauen nicht ernst. Sie beraten sie schlechter als Männer und gehen nicht auf ihre Bedürfnisse ein." Angelika Huber will das mit der Gründung einer Bank speziell für Frauen ändern. Noch in diesem Jahr soll das Geldinstitut unter dem Namen "frauenbank.de" in München an den Start gehen.

"Natürlich dürfen auch Männer zu uns kommen, wir sind ja nicht männerfeindlich, sondern frauenfreundlich", sagt Huber. Die Frauenbank wäre einzigartig in Deutschland, denn die letzte echte Bank dieser Art ging in den Wirren des Ersten Weltkrieges in Berlin unter. Die etablierten Kreditinstitute sehen heute wenig Bedarf für eine Frauenbank.

Ob Huber und ihre Partnerin Astrid Hastreiter schon bald ihre ersten Kunden begrüßen können, ist offen. Vor allem mangelt es der neuen Bank an Geld: Fünf Millionen Euro Startkapital sind notwendig - drei Millionen fehlen den beiden Frauen noch. "Aber wir haben schon 1.300 Interessenten gefunden, die unsere Aktien kaufen wollen", sagt Huber. Jeder Investor müsse mindestens 250 Euro einbringen. "Jetzt fehlen uns nur noch die Großaktionäre."

Frauen denken anders

Dass die nicht längst aufgesprungen sind, kann die 43-Jährige nicht verstehen. "Wir brauchen in Deutschland endlich eine Bank für Frauen - denn sie gehen anders mit Geld um." Bei den Platzhirschen wird Hubers Projekt skeptisch gesehen. Die HypoVereinsbank glaubt nicht an die Notwendigkeit einer Frauenbank: "Denn wir gehen sehr wohl auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen bei der Geldanlage ein", sagt eine Sprecherin und fügt hinzu: "Wenn es denn überhaupt welche gibt."

Davon ist Huber überzeugt. Ihre Hauptargumente: Frauen dächten anders - nicht so sehr an die Rendite, sondern an Sicherheit. Die meisten Produkte der Finanzbranche seien aber auf einen möglichst hohen - und damit auch riskanten - Zuwachs ausgelegt. Zudem müssten Frauen flexibler anlegen, weil sie durch Kinder, Haushalt und Job einen "zerrisseneren Lebenslauf" hätten, sagt Huber. "Jahrzehntelang konstante Sparpläne sind meist nichts für sie." Darauf gingen normale Banken nicht ein, und 80 Prozent aller Frauen fühlten sich laut einer Umfrage Hubers von den Geldinstituten falsch beraten.

"Bei uns wird das alles anders", sagt sie. Allerdings drängt die Zeit. Ende des Jahres muss die Bank starten, sonst werden die Anlaufkosten zu hoch. Rund 400.000 Euro haben Huber und Hastreiter bereits investiert – "und das ohne einen einzigen Euro Kredit".

Huber hat schon Gründer-Erfahrung: 1990 schuf sie die Frauen-Computer-Schule, fünf Jahre später ihren eigenen Buchverlag i-Punkt, zwischendurch zwei Vereine - alles mit Eigenkapital. "Ich arbeite 70 Stunden die Woche, bin eben hyperaktiv", sagt die gelernte Bankkauffrau über sich selbst, "und ich gründe gerne aus dem Nichts heraus".

Erster Schritt: Die Frauenbank als Direktbankt

Im ersten Schritt soll die Frauenbank als Direktbank ohne Filialen starten. Beratung und Service soll es über Internet, Telefon und Fax geben. "Wir fangen an mit Kreditvermittlung und Anlage-Beratung", sagt Huber. Schwerpunkt sollen so genannte Mikro-Kredite bis zu 15.000 Euro sein. "Kontoverwaltung und Online-Banking kommen erst später." Dabei will Huber eine Kooperation mit Sparkassen oder anderen Banken prüfen. "Wir wollen nicht so einen Wasserkopf in der Verwaltung aufbauen."

Aufs Börsenparkett möchte Huber mit der Frauenbank nicht gehen, sondern eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft gründen. "Sonst werden wir am Ende noch von einer anderen Bank übernommen", sagt die Bankerin. Und dann hätten ja wieder die Männer das Sagen.

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