HOME

Hedge-Fonds: Die geldgierigen Manager-Frauen

Risiko ist eigentlich ihr Geschäft. Doch im Privatleben gehen Hedge-Fonds-Manager lieber auf Nummer sicher. Mit ausgeklügelten Verträgen schützen sie ihr millionenschweres Vermögen vor einer großen Gefahr: ihren Ehefrauen.

Von Brooke Masters und Sarah Benecke

Kaum drei Jahre dauerte seine Ehe. Doch die Scheidung war für den Londoner Hedge-Fonds-Manager Alan Miller eine teure Angelegenheit. 6,7 Millionen Euro musste er seiner Ex-Frau überlassen. Die Hälfte seines Vermögens, wie es das britische Recht vorschreibt. "Heiraten Sie nicht", rät daher Jeremy Levison von der Londoner Anwaltskanzlei Levison Meltzer Pigott den Investmentbankern. "Wenn Sie aber müssen, dann seien Sie sicher, dass Ihre bessere Hälfte genau so reich ist wie Sie."

Die verheirateten Hedge-Fonds-Manager in New York rüsten sich auf einem anderen Weg: Immer mehr von ihnen schließen nachträglich Eheverträge ab. Von ihren Unternehmen werden sie darin bestärkt. "Von einem Hedge-Fonds-Unternehmen weiß ich, dass es von neuen Partnern sogar den Abschluss eines Ehevertrags verlangt", berichtet Ken Burrows, ein auf derlei Verträge spezialisierter Anwalt aus New York. Welcher Fonds es ist, will er allerdings nicht sagen. Der Ehegatte verpflichte sich mit dem Vertrag, auf sämtliche Ansprüche gegenüber dem Fonds zu verzichten.

Die meisten Hedge-Fonds machen zwar Eheverträge nicht zur Pflicht. Doch die Partner raten sich untereinander dazu - um nicht nur das Unternehmen, sondern auch sich selbst zu schützen. Eine Umfrage der US-Akademie der Anwälte für Eherecht (AAML) zeigt: 49 Prozent ihrer Mitglieder setzen inzwischen deutlich mehr nachträgliche Eheverträge auf als vor fünf Jahren.

Viele Fonds-Manager werden erst nach der Heirat reich

Dass vor allem Hedge-Fonds-Manager auf nachträgliche Abkommen mit ihrem Ehegatten bestehen, liegt nicht an fehlender Weitsicht: Viele von ihnen werden erst nach der Heirat reich. Mit jeder neuen Stufe auf der Karriereleiter festigt sich dann die Überzeugung, stetig mehr Vermögen anhäufen zu können - das man bei einer Scheidung nicht unbedingt teilen möchte, vor allem, wenn man unglücklich verheiratet ist. Ist der Vertrag erstmal abgeschlossen, scheidet es sich umso leichter.

So sind - für die Ehepartner immer noch attraktive - achtstellige Scheidungssummen besonders in Gerichtsbezirken wie Connecticut, in denen viele Hedge-Fonds ansässig sind, keine Seltenheit mehr.

"Am besten, ich mindere schon mal meine Verluste", nennt Sheila Riesel, Scheidungsanwältin bei der Kanzlei Blank Rome in New York das Prinzip. Ein anderer Anwalt meint sogar, bei den Bankern einen Mentalitätswechsel zu erkennen: "Hier entwickelt sich die Denkweise: Mein Ehepartner gibt ohnehin nur mein Geld aus. Das muss aufhören. Ich bestimme jetzt, wie groß die Wundertüte sein wird."

Dabei verliere die Ehe immer mehr an Bedeutung, sagt Patricia Ferrari von der Kanzlei Fox Rothschild in New York. Früher habe der Ehegatte immer an erster Stelle gestanden. "Heute sind die Geschäftspartner, die Hedge-Fonds-Welt und die Stammtischkumpel am wichtigsten."

Ehefrauen unterschreiben den Vertrag, weil sie hoffen, damit "ihre Ehe und damit auch ihren Lebensstil erhalten zu können", ist Scheidungsanwalt Bern Clair überzeugt. "Sie gehen vom Erhalt der Ehe aus, der Ehemann oder Geldverdiener dagegen von einer Scheidung."

FTD
Themen in diesem Artikel