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Karrieretipps: Assessment Center: Wie Sie die Testmühle erfolgreich bewälti

Mit Hilfe von Einstellungstests sollen Persönlichkeit, Intelligenz, Leistungsvermögen oder soziale Kompetenz geprüft werden. Manchmal geht es bei Assessment Centern auch richtig hart zur Sache.

Bei der Bewerberauswahl verlassen sich immer weniger Unternehmen und Institutionen allein auf die schriftlichen Unterlagen und das Vorstellungsgespräch. Sie setzen auf Einstellungstests oder gar ein komplettes Assessment Center (kurz AC), das als härtestes Personalauswahlverfahren gilt. Ob Persönlichkeit, Intelligenz, Leistungsvermögen oder soziale Kompetenz, all das soll mit Hilfe von unzähligen Aufgabentypen geprüft werden.

Manchmal geht es richtig hart zur Sache

Bericht eines AC-Kandidaten: "Zu sechst waren wir in einer Höhle eingeschlossen. Das Wasser stieg unaufhaltsam, nur einer von uns konnte gerettet werden. Man gab uns 30 Minuten, um zu entscheiden, wer der Glückliche sein sollte. Als die Gruppe sich schließlich auf den Jüngsten geeinigt hatte, zog ich meine Pistole und erzwang mir den Weg in den Rettungskorb. Der Personalpsychologe beendete mit einer knappen Handbewegung das aus dem Stand von uns abverlangte Rollenspiel..."

Mit Aufgaben wie diesem Rollenspiel müssen Sie im AC rechnen. Dabei handelt es sich um ein testgesteuertes Personalauswahlverfahren. Das Assessment Center (vom engl. to assess = abschätzen, center = Mittelpunkt) wird von vielen Arbeitgebern als eine Art Wunderwaffe der Personalauslese gefeiert. Zweifel sind allerdings berechtigt, ob dieses Instrument halten kann, was sich so viele Firmen davon versprechen.

Das AC ist eine Kombination verschiedener Verhaltens- und Arbeitsproben und kann sich über etwa einen halben Tag bis zu mehreren Tagen erstrecken. In der Regel werden sechs bis zwölf Kandidaten eingeladen, die zwischen acht und zwölf Übungen bestreiten müssen. Dabei werden sie von drei bis sechs Assessoren beobachtet. Sie repräsentieren die Arbeitsplatzvergeber und entscheiden darüber, wer letztlich ausgewählt wird und wer nicht.

Die einzelnen Aufgabentypen könnte man wie folgt umschreiben:

Jeder für sich alleinJeder für sich allein

Zu diesen Aufgabentypen gehört zum Beispiel die so genannte Postkorbübung, bei der Sie unter Zeitdruck den Posteingang durchsehen und Entscheidungen treffen müssen, was wirklich wichtig ist und sofort erledigt werden muss, was warten kann und was gut zu delegieren ist. Testziel ist die Überprüfung des allgemeinen Organisationsvermögens. Aber auch andere Tests (Intelligenz, Konzentration-Leistung, Persönlichkeit) kommen zum Einsatz.

Jeder gegen jeden

In einer Art führerlosen Gruppendiskussion hat jeder seinen eigenen Standpunkt und seine berechtigten Forderungen zu vertreten. Dabei soll ein gemeinsames, von allen getragenes Ergebnis erarbeitet werden. Hier kommt es auf Kompromiss- und Kooperationsbereitschaft, aber auch auf Durchsetzungsvermögen an.

Einer gegen den anderen

Hier ist ein Rollenspiel typisch. In der Regel müssen Käufer und Verkäufer einen Kompromiss finden und dabei Diplomatie, Eloquenz und Entscheidungskraft unter Beweis stellen.

Einer vor allen anderen

Dabei geht es um einen Kurzvortrag beziehungsweise eine Art Präsentationsübung. Sie bereiten sich auf ein Thema vor und unterhalten dann möglichst gut das verehrte Publikum, Ihre Beurteiler und Mitbewerber. Natürlich kommt es auf Rhetorik, Überzeugungskraft und Darstellungskunst an.

Generell geht es bei den ACs um die Überprüfung folgender Merkmale beziehungsweise Anforderungen:

· Führungsfähigkeiten · Initiative · Kreativität · Planung · Kontrolle · Flexibilität · Entscheidungsfähigkeit · Verhalten in Stress-Situationen · mündliche und schriftliche Kommunikationsfähigkeit · interpersonelles Verhaltensrepertoire

Neben den bereits vorgestellten Übungen kommen im AC häufig auch klassische, psychologische Testverfahren zum Einsatz. Dazu gehören neben Intelligenz- und Leistungs-/Konzentrationstests vor allem Persönlichkeitstests.

Persönlichkeitstests

Passt der? Was hat er für einen Charakter? Mit Hilfe von Persönlichkeitstests wollen Arbeitgeber Antworten auf diese Fragen bekommen.

Da werden die Kandidaten dann mit Aufgaben wie folgender konfrontiert: "Sie sind bei einer Bekannten zu Besuch und haben versehentlich eine gute Vase nebst Blumenstrauß umgestoßen. Was antworten Sie?" a) "Ich könnte in den Boden versinken. Kann ich das überhaupt jemals wieder gutmachen?" b) "Scherben bringen Glück. Nur keine Aufregung! c) "Es tut mir wirklich Leid. Es war nicht meine Absicht. Selbstverständlich komme ich für den Schaden auf."

Lösung

Hier gibt's zwar kein richtig oder falsch, aber die angemessenste Antwort ist wohl c).

Bei derlei Tests geht es letztlich um Ihre Anpassungsfähigkeit. Können Sie in heiklen, Frust auslösenden Situationen angemessen reagieren, das heißt nicht gleich losplatzen, explodieren und auf die Barrikaden gehen. Oder andererseits sich nicht sofort ganz und gar zurücknehmen, verkriechen und dafür entschuldigen, dass Sie überhaupt geboren worden sind? Tests wie diese dienen dazu, Menschen "auszusieben", die entweder zu den Aufmüpfigen oder zu den stillen Sensibelchen gehören.

Oft stellen die Aufgaben einen unzulässigen Einbruch in die Privatsphäre dar. Deshalb lautet das Gebot der Stunde: Lernen Sie, Persönlichkeits-Testverfahren zu durchschauen. Und überlegen Sie, was Sie wirklich über sich preisgeben beziehungsweise welches Bild Sie von sich erzeugen wollen.

Intelligenztests

Eigentlich verdienen diese Tests ihren Namen gar nicht. Denn ob sie wirklich die Intelligenz überprüfen, darf doch stark angezweifelt werden. Die Intelligenztests sollen das logische Denkvermögen, die Abstraktions- und Merkfähigkeit, räumliches und technisches Vorstellungsvermögen, Kulturtechniken wie Rechtschreibung und Mathe überprüfen.

Ergänzen Sie folgende Zahlenreihen a) 2 4 8 16 32 ? b) 5 4 8 7 14 13 26 ? c) 2 5 11 23 47 ?

a) 64 (x2), 25 (- 1 x 2), c) 95 (x 2 + 1)

Möglicherweise lautet die Aufgabenstellung an Sie auch, dass Sie absurde Schlussfolgerungen auf ihre logische Zulässigkeit überprüfen sollen.

Beispiele:

1. Behauptung: Alle Schnecken sind Marathonläufer. Alle Marathonläufer können fliegen, weil sie Fische sind. Fische haben zwei Beine. Schlussfolgerung: Alle Schnecken haben zwei Beine. a) stimmt b) stimmt nicht

Lösung:

a)

2. Behauptung: Wenn alle rosa Elefanten zur Schule gehen und lesen können und rote Kugelschreiber nur rosa Elefanten sind, wenn sie singen und zur Arbeit gehen, dann sind rosa Elefanten rote Kugelschreiber. a) stimmt b) stimmt nicht

Lösung:

b)

Die Variationsbreite der Intelligenztestaufgaben ist fast schier unerschöpflich. So sind Figuren, die zueinander passen, zu finden, Puzzleteile im Geiste zusammenzusetzen, Sprichwörter mit ähnlicher Bedeutung zu identifizieren.

Damit soll das Konzentrations- und Leistungsvermögen von Bewerbern unter die Lupe genommen werden. Sie haben so zum Beispiel Merkaufgaben zu bewältigen, bei denen Sie innerhalb weniger Minuten Begriffe auswendig lernen oder in kurzer Zeit kopfrechnen müssen.

Beispiele: Folgende drei Aufgaben sollen in fünf Minuten gelöst werden (aber bitte ohne Ihren Taschenrechner). Hier gilt übrigens nicht Punkt- vor Strichrechnung! a) 2 x 5 + 2 : 6 + 4 x 5 + 6 : 6 +4 x 5 : 2 - 5 : 4 - 4 x 9 + 1 = b) 8 - 4 x 2 : 4 + 9 x 5 : 5 + 4 - 5 : 2 - 4 x 8 + 2 x 7 + 4 : 2 = c) 2 x 4 - 5 + 3 x 6 + 4 - 5 : 7 x 5 + 5 x 2 : 6 x 5 : 2 + 7 - 8 =

Lösung:

a) 10, b) 37, c) 24)

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