Kategorie "Aufsteiger" Wissen schafft Arbeit


Sieger Kategorie Aufsteiger: Icido. Ein Beispiel für immer mehr Wissenschaftler, die erst forschen und sich dann selbstständig machen.

Ralf Wagner war knapp bei Kasse: Rund 30.000 Dollar fehlten dem Regensburger Forscher, um seine Arbeit an einem Aids-Impfstoff fortführen zu können. So viel sollte das maßgeschneiderte Gen bei einer US-Firma kosten. Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gab kein Geld. Selbst ist der Mann, dachte der damals frisch habilitierte Wagner und entwickelte mit Marcus Graf, der gerade seine Doktorarbeit zur Herstellung solcher Gene geschrieben hatte, ein Konzept, wie die Gen-Beschaffung einfacher und schneller gehen kann. Das war 1998.

Aus der Idee ist die Firma Geneart geworden. Wagner ist Firmenchef und Professor an der Uni Regensburg. Graf stellt als Chef der Abteilung Molekularbiologie maßgeschneiderte Gene am laufenden Band her. Mittlerweile werden die Produkte in die ganze Welt verschickt - zu einem Siebtel der früheren Kosten. 25 Mitarbeiter sitzen in einem Gebäude des Bioparks auf dem Unicampus. In diesem Jahr wollen sie die ersten Gewinne machen. Und Wagner zählt, auch dank der Gene seiner Firma, zu den international führenden Aids-Forschern.

Kein Märchen

Was klingt wie ein Märchen an sonst weltentrückten Hochschulen, ist längst nichts Besonderes mehr: 6800 Unternehmen wurden zwischen 1996 und dem Jahr 2000 aus öffentlichen Forschungseinrichtungen, Universitäten oder Instituten heraus gegründet. Das sind rund elf Prozent aller Neugründungen im High-Tech-Bereich, Tendenz steigend. Wissen schafft Arbeit - das zeigt auch der Deutsche Gründerpreis. In der Kategorie Aufsteiger stammen alle drei für den Preis nominierten Firmen aus dem staatlichen Forschungsbetrieb.

Dies ist nicht nur eine Folge steigender Konkurrenzfähigkeit deutscher Wissenschaftler, sondern auch Reaktion auf die schlechter werdenden Arbeitsbedingungen an den Unis. Gerade Hochqualifizierte haben keine Lust, sich bis 40 mit befristeten Stellen durchzuhangeln - mit vagen Aussichten auf eine Professur. "Der Elfenbeinturm Uni ist ein sehr unzuverlässiger Arbeitgeber", sagt Graf. Ralf Wagner hat beides geschafft - Professor und Unternehmer: "Manchmal nervt die Uni, manchmal macht die Firma Sorgen, aber ich möchte beides nicht missen."

"Ich sehe, ich verändere"

Forschen und gründen - das war auch die Erfolgsformel bei Andreas Rößler. Der ehemalige Leiter der Arbeitsgruppe Virtual-Reality-Forschung am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart wagte vor knapp drei Jahren den Schritt in die Unabhängigkeit zusammen mit vier Kollegen, viel Risikokapital und der Rückendeckung durch Ex-Kollegen am Institut. Die Firma heißt Icido - sprich: "Ei ßie Ei du", was so viel bedeutet wie "Ich sehe, ich verändere" - und baut dreidimensionale Projektionssysteme für die Industrie. Ausgestattet mit Spezialbrille und einem Zeigegerät, das aussieht wie eine Mischung aus Zepter und Kristallkugel, kann man sich durch die originalgetreue Darstellung von technischen Konstruktionen bewegen. Und das dank schneller PC und guter Programme günstiger als bisher. Was früher mehrere Millionen kostete, ist jetzt für 75.000 Euro zu haben. Icido arbeitet noch immer eng mit dem Fraunhofer-Institut zusammen und zahlt Lizengebühren für Teile der Software. "Die Ausgründung war kein Problem", sagt Rößler, "Hauptsache, die Kompetenzen blieben erhalten und sind nicht ins Ausland abgewandert."

Marktlücke entdecken

Manfred Stefener kam der Gedanke an die eigene Firma beim Schreiben der Doktorarbeit an der Technischen Universität München. Es ging um kleine Brennstoffzellen, die aus flüssigem Methanol Strom erzeugen. "Mit Brennstoffzellen für Autos haben sich damals schon viele befasst, aber über kleinere Versionen haben nur wenige nachgedacht", erinnert sich Stefener. Anfang 2000 wagte er es und gründete Smart Fuel Cell (SFC). Inzwischen hat das Unternehmen die Serienproduktion von Methanol-Brennstoffzellen aufgenommen - als erste Firma weltweit. Die Geräte ersetzen schwere Akkus an Baustellenbeleuchtungen und entlegen aufgestellten Messgeräten. Schon bald sollen Wohnmobile und Yachten bestückt werden.

33 Mitarbeiter arbeiten bei SFC, viele davon kommen direkt von der Uni. Stefener: "Wir sind immer wieder sehr positiv überrascht vom Leistungsstand der Studenten."

Jan Boris Wintzenburg print

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