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Rekordtief beim Krankenstand: Gesund vor Angst

Deutsche Arbeitnehmer sind gesund wie lange nicht mehr, sagt der Bundesverbund der Betriebskrankenkassen. Zumindest auf dem Papier.

Der Krankenstand in Deutschland ist 2004 auf ein neues Rekordtief gesunken. Im vergangenen Jahr haben sich so wenige Beschäftigte krankschreiben lassen wie seit fast 30 Jahren nicht mehr, wie der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK)mitteilte. Die Zahl der Krankheitstage von Beschäftigten hat sich seit 1990 fast halbiert. Wurden damals noch 25 so genannte Arbeitsunfähigkeitstage registriert, waren es 2004 durchschnittlich nur noch 13. Ein Jahr zuvor blieben BKK-Mitglieder Arbeitnehmer 13,5 Tage dem Arbeitsplatz fern. 2002 fehlten die Versicherten noch 14,3 Tage. Nach BKK-Angaben wurde bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten damit ein Tiefstwert seit Beginn der Statistik im Jahre 1976 erreicht.

Angst um den Arbeitsplatz

Der seit Jahren sinkende Krankenstand in den Betrieben ist nach Untersuchungen der BKK zum einen auf Angst um den Arbeitsplatz zurückzuführen. Ein anderer Grund ist, wie Studien belegen, dass immer weniger Beschäftigte mit langwierigen Erkrankungen noch berufstätig sind, berichtete der BKK.

Betriebsärzte warnen vor psychischen Erkrankungen

Arbeitsmediziner heben die Bedeutung des Verhaltens der Vorgesetzten für die Häufigkeit von Erkrankungen hervor. Mittlerweile ist durch empirische Studien erwiesen, dass sich ein gutes Betriebsklima positiv auf den Krankenstand auswirkt. Dagegen ist laut Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte die Zunahme psychischer Erkrankungen bedenklich. In den letzten zehn Jahren haben sie um das Doppelte auf 7,5 Prozent zugenommen. Der tatsächliche Prozentsatz dürfte noch höher sein, da sich nicht selten hinter Muskel/Skeletterkrankungen psychische Erkrankungen verbergen. Mit dieser Thematik wollen sich nach Angaben des Verbandes Betriebsärzte verschärft beschäftigen.

Kurzzeitige Erkrankung steigt leicht

Leicht zugenommen haben den Angaben nach die Kurzerkrankungen bis zu drei Tagen. Sie machten 35 Prozent der Fälle aus, im Jahr 2000 waren es noch 32 Prozent. Überwiegend kurze Krankenzeiten gab es laut BKK-Statistik bei Bank- und Versicherungsbeschäftigten sowie bei Lehrern. Jedoch war der Anteil der Kurzzeiterkrankungen an allen Krankheitstagen mit sechs Prozent "sehr gering". Ausschlaggebend für die Höhe des Krankenstandes waren Langzeitfälle mit mehr als sechswöchiger Krankheitsdauer: Obwohl sie 2004 nur vier Prozent der Fälle ausmachten, gingen 41 Prozent der Krankheitstage auf ihr Konto.

DPA/AP / AP / DPA