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startup-sieger: Amundio: »Gibt's nicht mehr« gibt's nicht mehr

Nach aktuellen Schätzungen sind etwa 60 Millionen Bücher in Deutschland vom Säurefraß bedroht. Und mit ihnen natürlich Millionen geistreicher oder auch weniger geistreicher Einfälle, die in diesen Büchern Platz gefunden haben. Schuld ist die industrielle Papierherstellung: Mitte des 19. Jahrhunderts als revolutionärer Fortschritt gefeiert, könnte sie 150 Jahre später eine kulturelle Katastrophe verursachen. Denn dem Papier droht der Säuretod, und die Kosten für eine mögliche Restaurierung und Entsäuerung der gefährdeten Bücher übersteigen locker zwei Milliarden Mark. Angesichts knapper öffentlicher Kassen eine irrwitzige Summe.

Also keine Hoffnung

für das Jahrhunderte alte Kulturgut? Vielleicht doch. Die Gründer der amundio ag Nürnberg, Reinhard Wagner und Stefan Uhlenbrock, haben ein Verfahren entwickelt, mit dem historische oder vergriffene Bücher nachgedruckt werden können - und das in einem Kostenrahmen, der sogar den Nachdruck kleinerer Auflagen ermöglicht.

Wie das funktioniert?

Das Verfahren, das die beiden Bayern entwickelt haben, umfasst im Wesentlichen drei Komponenten: die Umwandlung der Buchseiten in digitale Daten, den Neudruck der Texte sowie das Betreiben der Internet-Plattform »books again«.

Im ersten Schritt

werden die Texte der gefährdeten Bücher mit einem speziellen Buchscanner eingelesen. Der »Carescan« geht besonders schonend mit den sensiblen Druckwerken um. Er schlägt die Seiten nur zu 90 Grad auf und begnügt sich mit normalem Zimmerlicht. Seinem Arbeitstempo tun diese Bedingungen keinen Abbruch: Ein 500 Seiten starkes Buch hat der »Carescan« in weniger als einer Stunde ?durchgelesen'. Die gesammelten Daten werden nun digital weiterverarbeitet (u.a. werden Lesefehler korrigiert) und für den Druck vorbereitet.

Im so genannten digitalen Siebdruck

werden die Bücher dann neu gedruckt. Der Vorteil dieses Verfahrens: Die Drucke halten länger als beim Laserdruck. Außerdem konnte das Druckverfahren extrem rationalisiert werden. Mithilfe von NONFOLD, einer von amundio entwickelten Spezialsoftware, werden zwischen 30 und 50 Prozent der üblichen Kosten eingespart.

Das dritte Element

ist das Internet. Der Web-Auftritt der amundio ag ist gleichzeitig eine Vertriebsschiene und ein Informationszentrum für die Kunden. In einer Datenbank werden alle Bücher aufgeführt, die zum Reprint zur Verfügung stehen. Wer ein bestimmtes Buch nachdrucken lassen möchte, kann seinen Wunsch hier vormerken. Die Datenbank ist eine Art Sammelbörse: Mindestens 30 Exemplare müssen von einem Buch bestellt werden, dann werden Scanner und Druckmaschine angeschmissen.

Kontakt:

amundio ag

Stefan Uhlenbrock

Schweinauer Haupstraße 80

90441 Nürnberg

Fon 0911 - 62 776 33

Fax 0911 - 62 776 36

Mail: uhlenbro@amundio.de

http://www.booksagain.de

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