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Studie: Skepsis dämpft Gründungsdynamik

Der Abwärtstrend bei der Gründungsdynamik in Deutschland ist einer Studie zufolge zwar 2003 zum Stillstand gekommen, wird aber weiter durch Skepsis über die Erfolgschancen gedämpft.

Mit rund 1,6 Millionen Neugründungen und einer Gründungsquote von rund 3,5 Prozent habe Deutschland 2003 nur Rang 17 unter 31 Ländern eingenommen, hieß es in der am 31. März vorstellten Studie der Forschungsgruppe "Global Entrepeneurship Monitor" (GEM). Immerhin sei ein seit 1999 währender Rückgang gestoppt worden. Allerdings gebe es in kaum einem anderen Land so viel Skepsis über die Erfolgschancen von Neugründungen und Angst vor einem möglichen Scheitern. Weit hinten liege das Land zudem bei der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten für die Selbstständigkeit in der Ausbildung. Der Chefvolkswirt der Mittelstandsbank KfW, Norbert Irsch, sagte, die Zahlen würden dokumentieren, dass die Gründungsdynamik in Deutschland nicht ausreiche, um einen nennenswerten Beitrag zum Wachstum der Wirtschaft zu leisten.

Die GEM legt jährlich Länderberichte zum Gründungsgeschehen vor. Der Bericht für Deutschland basiert auf einer Umfrage unter 7.500 Personen und zusätzlich rund 50 Gründungsexperten. Der deutsche Länderbericht wird von der KfW und der Beratergruppe Ernst & Young unterstützt.

Spitze nur beim Förderumfeld und der Infrastruktur

Mit Rang zwei beziehungsweise fünf lag Deutschland nach Einschätzung der befragten Gründungsexperten lediglich bei der Förderinfrastruktur und der generellen Infrastruktur des Landes weit vorne. Dagegen rangierte das Land bei den politischen Rahmenbedingungen - hier geht es vor allem um Regulierungen und Steuern - und einer gründungsbezogenen Ausbildung im hinteren Drittel der befragten Länder. Volkswirt Irsch sagte, angesichts der Bewertung der Förderbedingungen sehe er vom Förderumfang her keinen größeren Handlungsbedarf mehr. Daher sollte eher die Qualität und die Effizienz beim Einsatz der Fördermittel verbessert werden. Der für den GEM-Deutschland-Bericht federführende Kölner Wissenschaftler Rolf Sternberg plädierte dafür, das Thema Selbstständigkeit auf allen Ebenen der Ausbildung stärker zu thematisieren und zu berücksichtigen.

Die Gesamtgründungszahl in Deutschland war nach Sternbergs Worten geprägt durch eine starke Zunahme der "Notgründungen", also der Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus. Einen weiteren Rückgang habe es bei von allgemeinen Motiven getragenen Gründungen gegen, den Opportunitätsgründungen. In Deutschland liege das Verhältnis von Opportunitätsgründungen zu Notgründungen bei drei zu eins, in Großbritannien bei neun zu eins und in den USA bei sieben zu eins. Dabei seien es die Opportunitätsgründungen, die dem gesamtwirtschaftlichen Wachstum eines Landes Impulse gäben, sagte Sternberg. Dem zufolge dürfte die Gründungsstruktur dem deutschen Wachstum kaum Impulse geben. Das Gründungsgeschehen in Ostdeutschland besserte sich im vergangenen Jahr nennenswert.

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