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Tätowierter Rechtsanwalt im Interview: "Tattoos sind keine Knacki-Insignien"

Urban Slamal ist Rechtsanwalt und am ganzen Körper tätowiert. Im Interview erklärt er, wann Tätowierungen im Job zum Problem werden und warum man Polizisten Tattoos nicht verbieten sollte.

Urban Slamal hat großflächige Tattoos an Brust, Rücken, Armen und Beinen. Auf dem linken Unterschenkel prangt ein Porträt von ihm als "Advocatus Diaboli", mit Hörnern und einem Teufelsschwanz, der sich aus einem Paragrafen windet. Urban Slamal ist Fachanwalt für Strafrecht, kümmert sich wegen seines für Juristen doch eher ausgefallenen Hobbys aber auch um alle möglichen Fälle, die irgendwie mit Tätowierungen zusammenhängen. Auch den aktuellen Fall einer jungen Frau, die wegen ihres Tattoos nicht zur Bundespolizei darf, hat er natürlich verfolgt.

Herr Slamal, ein Gericht hat entschieden, dass eine junge Frau mit einem harmlosen Tattoo am Unterarm nicht zur Bundespolizei darf. Finden Sie das Urteil richtig?
Das Urteil überzeugt mich überhaupt nicht. Argumentiert wird in dem konkreten Fall, dass die Neutralitätsfunktion der Uniform unterlaufen wird. Der Beamte soll nicht zu viel Individualität zeigen. Dabei sind Tätowierungen heute längst ein Massenphänomen. Wer denkt schon: Mensch, der ist am Unterarm tätowiert, das muss aber ein ganz wilder Typ sein. Das ist meines Erachtens Mumpitz. Genauso gut könnte man jemanden ablehnen, der rote Haare hat oder Sommersprossen. Auch dabei handelt es sich um auffällige äußerliche Zeichen, die aber für sich genommen über die Persönlichkeit des Merkmalsträgers nichts aussagen - auch wenn Personen mit derartigen Insignien früher mit Vorurteilen begegnet wurde.

Glauben Sie, dass das Urteil Bestand haben wird?
Ich habe da meine Zweifel. Die generelle Linie der Rechtsprechung ist: Tätowierungen sind bei der Einstellung in den Staatsdienst kein Problem, solange sie nicht offen sichtbar sind oder von ihrem Inhalt darauf hindeuten, dass jemand für eine Beamtentätigkeit nicht geeignet ist. Ein Hakenkreuz auf dem Oberschenkel geht natürlich nicht und auch ein Schauermonster im Gesicht ist keine gute Idee. Eine Tätowierung an den Armen aber kann man leicht verdecken, da spreche ich aus Erfahrung. Und der hier tätowierte Text ist ja inhaltlich unangreifbar und zudem recht filigran.

Was sagt denn eine Tätowierung überhaupt über eine Person aus?
Tätowierungen sind keine Insignien von Knackis, Seefahrern oder anderen zwielichtigen Gestalten. Erst vor kurzem hat eine Umfrage gezeigt, dass Tätowierungen überhaupt kein Schichtphänomen sind, sondern über alle Einkommens-, Bildungs- und Gesellschaftsschichten gleich verbreitet.

Haben Sie selbst mit all Ihren Tattoos Probleme in Ihrem Job als Anwalt?
Ich weiß, dass nicht alle Leute Tätowierungen toll finden. Daher lasse ich die Finger von Flächen, die ich nicht durch einen Anzug verdecken kann. Im Alltag habe ich bisher so gut wie nie negative Rückmeldungen bekommen.

In welchen Berufen wird ein Tattoo denn zum Problem?
Probleme gibt es relativ regelmäßig in allen Berufen, in denen herausragender Kundenkontakt besteht. Vor allem im Bereich von Servicekräften in Restaurant oder Hotels und bei Flugbegleitern. Die arbeitsrechtliche Linie ist: Alles, was sich durch die Berufskleidung verdecken lässt oder was sichtbar, aber dezent ist, ist in Ordnung. Großflächige sichtbare Tattoos werden von vielen Arbeitgebern als Problem gesehen, aber es kommt natürlich sehr darauf an, wo man arbeitet.

Was raten Sie jungen Leuten, die nicht so genau wissen, in welchen Beruf sie mal wollen?
Junge Leute haben mittlerweile die Tendenz, sich gleich die offensichtlichen Stellen tätowieren zu lassen. Ich würde das nicht machen. Wenn das meine Tochter oder mein Sohn wäre und die würden fragen, Papi ist das eine gute Idee sich mit 18, 19 die Fingerknöchel tätowieren zu lassen, würde ich sagen: "Ne Kind, dafür gibt’s da draußen noch zu viele Vorurteile. Erstmal mit den Stellen anfangen, wo man noch was drüber ziehen kann."

Der Autor Daniel Bakir auf Google+

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Interview: Daniel Bakir
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Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?