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ZEITARBEIT: Sprungbrett zur Festanstellung

In einer Zeit der Kündigungswellen wird Leiharbeit interessant. Dies erfordert Flexibilität und die Bereitschaft zu Lohneinbußen. Doch jeder Dritte bleibt bei seiner Firma als Festbeschäftigter hängen.

Harte Zeiten auf dem Arbeitsmarkt: Viele Bundesbürger fürchten um ihren Job, auch 2002 werden in vielen Branchen Kündigungswellen an der Tagesordnung sein. Wer bereits auf der Straße steht und verzweifelt nach einer neuen Festanstellung sucht, kann es auch einmal mit einer Zeitarbeitsfirma versuchen. Die Bewerber müssen sich dann zwar auf ein Wanderdasein zwischen verschiedenen Firmen einstellen. Auch Flexibilität ist gefragt. Doch es winken soziale Sicherheit mit Festgehalt und die Chance, früher oder später als Festbeschäftigter »hängenzubleiben«.

Arbeitsvertrag besteht mit der Vermittlungsstelle

Das Prinzip der Arbeitsstelle auf Zeit funktioniert folgendermaßen: Der Leiharbeiter geht ein ganz normales Arbeitsverhältnis ein. Allerdings nicht mit dem Unternehmen, in dem er konkret beschäftigt wird, sondern mit dem Vermittler. Diese Zeitarbeitsfirma zahlt ihrem Personal ein Festgehalt und sucht für ihre »Klienten« Arbeit auf Zeit.

Bezahlung meist unter branchenüblichen Sätzen

Vorteil: Der Lohn landet auch dann auf dem Konto, wenn einmal Flaute in den Betrieben herrscht wie es derzeit der Fall ist. Nachteil: Die Bezahlung liegt erfahrungsgemäß unter den branchenüblichen Sätzen, der Verleiher kassiert ja mit. Zeitarbeitnehmer dürfen zudem nicht länger als ein Jahr in einem Geschäft bleiben. Spätestens dann müssen sie wieder gehen.

Ärzte und Journalisten sind schwer zu vermitteln

Außerdem kann nicht jeder erlernte Beruf vermittelt werden. Mit einem minderqualifizierten Jobangebot müssen Leiharbeiter immer rechnen.

Sekretärinnen, Mechaniker oder Elektriker sind normalerweise leicht unterzubringen, Ärzte oder Journalisten nicht. Bauarbeiter dürfen gar nicht vermittelt werden.

Mitarbeiter auf Zeit oft als »Springer« eingesetzt

In der Kundendatei der rund 3.800 Vermittlerfirmen in Deutschland finden sich vor allem Großunternehmen, Mittelständler aus dem gewerblichen und industriellen Bereich, aber auch Dienstleister. Dort sind die Mitarbeiter auf Zeit gern gesehen als »Springer« für Urlaubszeiten, als Mutterschutz- und Krankheitsvertretung, als flexible Reserve bei Auftragsspitzen.

Urlaubsanspruch nicht verschenken

Für Studenten, Berufseinsteiger oder Frauen nach der Babypause kann das Modell ideal sein. Aber auch Arbeitslose oder gescheiterte Existenzgründer können damit wieder auf die Beine kommen. Fast jeder dritte auf Zeit Beschäftigte wird irgendwann vom Verleiher abgeworben, wie das ZDF-Ratgebermagazin »WISO« unter Verweis auf eine Studie des Weltverbandes der Personaldienstleister (CIETT) erklärt. Seit 1997 seien jährlich weit über 150.000 Mitarbeiter auf Zeit bei einem »Normalarbeitgeber« gelandet.

Der Arbeitsvertrag sollte genau geprüft werden

Wer sich für einen Job auf Zeit interessiert, sollte jedoch immer den Arbeitsvertrag genau prüfen und mehrere Firmen vergleichen. Manche schwarzen Schafe in der Branche versuchen den bezahlten Urlaubsanspruch auszuhebeln, wie WISO herausfand. Niemand sollte sich verpflichten, dann in Ferien zu gehen, wenn er gerade nicht beschäftigt werden kann.

Grundsätzlich stehen auch Leiharbeitern 24 Tage Urlaub im Jahr zu, ebenso wie die Arbeitgeberleistungen für Mutterschutz, Kranken-, Unfall-, Renten-, Arbeitslosen- sowie Pflegeversicherung. Urlaubs- und Weihnachtsgeld müssen extra ausgehandelt werden.

Vermittler darf Wechsel in die Festanstellung nicht verhindern

Wichtig ist auch, dass die gesetzlichen Kündigungsfristen gelten. Das heißt: Vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Monats. Ein Verleiher darf nicht verbieten, dass man im Anschluss an den Zeitjob in eine Festanstellung zum Kunden wechselt. Eine Liste seriöser Zeitarbeitsfirmen bekommt man über den Bundesverband für Zeitarbeit e.V., Vorgebirgstr. 39 in 53119 Bonn.

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