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Corona-Diskussion Heizpilze sollen die Gastronomie retten? Wie absurd!

Heizpilz
Ein Heizpilz steht 2016 auf der Berger Straße in Frankfurt am Main vor einem Café auf dem Gehweg. Inzwischen sind die Geräte auch dort verboten.
© DPA
Restaurants und Cafés wollen sich mit Heizpilzen über den Winter retten. Die Klimaschädlinge sind seit einiger Zeit verboten und sollen jetzt wegen Corona wieder eingeführt werden. Dabei sind Alternativen einfach, aber wirksam.

Der Sommer kehrt noch einmal zurück. Und mit ihm halbwegs laue Sommerabende, an denen die Menschen in die Außenbereiche von Restaurants und Cafés drängen. Doch nicht nur wegen des schönen Wetters bleiben die Innenräume oft verwaist. Viele Gäste haben Angst vor Corona, sitzen deshalb lieber im Freien. Doch was passiert, wenn es ab Herbst kühler wird?

Die Rettung soll die Wiederkehr der Heizpilze sein. In vielen Städten sind die klimaschädlichen Geräte seit Jahren verboten. Jetzt sollen sie aus dem Keller geräumt werden, um die Gastronomen in Coronazeiten vor der Pleite zu bewahren. Selbst Grünen-Politiker fordern Ausnahmen. Was für ein Quatsch!

Ja, Restaurants, Cafés und Bars brauchen in Corona-Zeiten Unterstützung. Aber auch mit Corona bleiben Heizpilze CO2-Klimakiller. Sie jetzt wieder zu erlauben, wäre so, als würde man im Streit um die Gaspipeline Nord Stream 2 fordern, die ineffizienten Kohleöfen wieder in deutschen Wohnungen aufzustellen. Absurd.

Die Luft im Freien heizen ist keine gute Idee

Es ist einfach keine gute Idee, draußen die Luft zu heizen. Das müsste jedem einleuchten. Einen solchen Rückschritt dürfen wir uns nicht erlauben, wenn wir die Klimadebatte ernst nehmen. Bei maximaler Leistung ballern die Heizpilze bis zu 3,5 Kilogramm CO2 pro Stunde in die Atmosphäre. Aufs Jahr gerechnet entspricht das zirka dem Ausstoß eines Neuwagens, der 20.000 Kilometer im Jahr fährt oder dem eines Niedrigenergie-Hauses. Auch elektrische Modelle sind keine umweltfreundliche Alternative. Sie haben eine fast genauso schlechte Energiebilanz.

Was ist die Alternative? Grundsätzlich sollte den Gastronomen mehr Außenfläche zur Verfügung gestellt werden. In vielen Städten, wie in Hamburg, geschieht das bereits. Parkbuchten vor der Tür werden zu Lounges umfunktioniert, wie das Beispiel Reh Bar im Stadtteil Ottensen zeigt.

Gegen Kälte könnten temporär aufgebaute Zelte eine Alternative sein, die zusätzlich vor Wind und Regen schützen. Ansonsten bleibt die gute alte Winterjacke oder die Ausgabe von Decken, damit es kuschlig warm wird. In Zeiten von Corona gibt es Schlimmeres.


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