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"Schnäppchen" Karstadt Investor Berggruen zahlt nur einen Euro


Lediglich einen Euro muss Nicolas Berggruen für die Warenhaus-Kette Karstadt berappen. Doch das "Schnäppchen" ist nicht ganz so günstig wie es zunächst den Anschein hat. Zum Kaufpreis kommen nämlich noch kostspielige Verpflichtungen.

Investor Nicolas Berggruen zahlt einem Pressebericht zufolge für die Übernahme der 120 Karstadt-Warenhäuser mit 25.000 Beschäftigten einen symbolischen Preis von einem Euro. Die "Bild am Sonntag" berichtet, das sehe das ihr vorliegende Kaufangebot Berggruens vom 4. Juni an Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg vor.

Ein Berggruen-Sprecher verteidigte dem Blatt zufolge den Kaufpreis. "Das ist kein ungewöhnlicher Vorgang", wird er zitiert. Auch die Mitbewerber sollen für die Kette lediglich einen Euro als Kaufpreis geboten haben. "Viel wichtiger sind die weiteren Verpflichtungen, die der Käufer mit dem Vertrag eingeht, um das Unternehmen wieder fit zu machen und Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen." So erhalte Karstadt von Berggruen gemäß Kaufvertrag sofort eine Kapitalspritze von 65 Millionen Euro und künftige Gewinne dürften nicht ausgeschüttet, sondern müssten wieder investiert werden, sagte der Sprecher dem Bericht zufolge. Außerdem müsse Berggruen für die Namensrechte an der Marke Karstadt zusätzlich fünf Millionen Euro zahlen.

Einigung über Mietreduzierung steht noch aus

Bevor der Kaufvertrag rechtskräftig wird, muss noch eine endgültige Einigung über eine Reduzierung der Mieten für die Karstadt-Warenhäuser erzielt werden. Eine weitgehende Verständigung mit dem Vermieterkonsortium Highstreet um die Banken Goldman Sachs, Deutsche Bank und die italienische Borletti hatte Berggruen bereits erzielt.

Der Investor dringt auf eine Entscheidung, denn die Zeit wird knapp. Das Amtsgericht Essen will am 16. Juli über die Annahme des Insolvenzplans für Karstadt entscheiden. Die Zustimmung des Bundeskartellamts zu der Übernahme hat Berggruen bereits erhalten.

Der Investor will den Konzern in drei Säulen - Sporthäuser, Premium-Warenhäuser und übrige Warenhäuser - teilen und Branchenkreisen zufolge über mindestens drei Jahre halten. Die Gewerkschaft Verdi kam Berggruen entgegen. Sie will in den Sanierungstarifvertrag für Karstadt eine Klausel aufnehmen, die die geplante Aufteilung zulässt. Eine Zerschlagung des Konzerns durch diese Konstruktion fürchtet die Gewerkschaft nicht. Berggruen habe "unbefristet und unkonditioniert" zugesichert, dass die drei Säulen unter einer Konzernholding verbleiben sollten. Der Sanierungstarifvertrag läuft bis 2012 und sieht einen Erhalt des Konzerns als Ganzes vor.

mlr/Reuters/DPA DPA Reuters

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