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Karstadt: Interims-Chef geht von Bord

Es kehrt keine Ruhe ein im Karstadt-Konzern. Kurz nach der Übernahme der Warenhauskette durch den Investor René Benko verlässt das Vorstandsmitglied Kai-Uwe Weitz das Unternehmen.

Wenige Tage nach dem Eignerwechsel bei Karstadt verlässt Vorstandsmitglied Kai-Uwe Weitz den angeschlagenen Warenhauskonzern. Übergangsweise übernehme Finanzvorstand Miguel Müllenbach den Verantwortungsbereich des Arbeitsdirektors und leite damit die Geschäfte zunächst alleine, teilte Karstadt mit. Weitz scheide im beiderseitigen Einvernehmen aus dem Unternehmen aus, betonte Aufsichtsratschef Stephan Fanderl. Weitz war 2011 vom Wettbewerber Metro zu Karstadt gekommen.

Der bisherige Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen hatte seine Anteile in der vergangenen Woche an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko und dessen Signa-Gruppe abgegeben. Die mit Spannung erwartete Aufsichtsratssitzung und damit die notwendigen Entscheidungen über die Sanierung wurden daher erneut verschoben. Benko wolle zunächst den Beschluss des Kartellamtes zur Übernahme des Essener Traditionskonzerns und die Neuwahl der Anteilseigner-Vertreter abwarten, wie Karstadt mitteilte.

Verdi fordert umfassendes Konzept von Benko

Die Gewerkschaft Verdi hat vom neuen Karstadt-Eigentümer René Benko ein umfassendes Konzept für die Zukunft der angeschlagenen Warenhauskette gefordert.

"Es muss tragfähig, es muss nachhaltig sein. Es braucht eine Strategie. Dazu gehört: Wie müssen die Sortimente aussehen, wie sollen die Häuser an den einzelnen Standorten ausgerichtet sein, damit die Arbeitsplätze sicher sind", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger im Bayerischen Rundfunk.

Jetzt gehe es darum, "existenzsichernde Einkommen zu erhalten und den Menschen zur Verfügung zu stellen, existenzsichernde Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge", so Nutzenberger weiter. Darüber werde man mit dem Eigentümer und dem Management nun reden.

Bittere Enttäuschung bei den Beschäftigten

Die Karstadt-Beschäftigten sind nach ihren Worten vom bisherigen Besitzer Nicolas Berggruen "bitter enttäuscht". Sie hätten erwartet, dass Berggruen "mit einer hohen Motivation und vor allen Dingen mit Geld bei Karstadt einsteigt, dass Investitionen vorgenommen werden."

Das sei aber nicht in dieser Form geschehen. Berggruen hatte in der "Bild" Fehler im Management von Karstadt eingeräumt, gleichzeitig aber Vorwürfe zurückgewiesen, sich am Unternehmen bereichert zu haben.

yps/DPA / DPA