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Vierte Welle 3G und 2G am Arbeitsplatz: Wie Unternehmen ihre Corona-Regeln verschärfen

Corona: 3G-Pflicht Arbeitsplatz
Erste Unternehmen wollen wegen Corona nur noch Geimpfte, Genesene oder Getestete ins Büro lassen
© Michael Bihlmayer / Picture Alliance
Eine allgemeine 3G-Pflicht für den Arbeitsplatz gibt es bislang nicht. Doch immer mehr Arbeitgeber etablieren eigene Regeln – und machen es Ungeimpften schwerer.

Es ist ein bisschen paradox: Wer ins Restaurant oder zum Friseur will, muss geimpft, genesen oder getestet sein. Für viele Kulturveranstaltungen gilt sogar die striktere 2G-Regel, nach der ein Test nicht ausreicht. In der deutschen Arbeitswelt hingegen fehlt es trotz steigender Infiziertenzahlen weiterhin an klaren gesetzlichen Vorgaben.

Obwohl die Menschen auf der Arbeit teils über Stunden in Innenräumen zusammenkommen, gibt es keine flächendeckende 3G-Pflicht, von einer Impfpflicht ganz zu schweigen. Arbeitgeber sind aktuell lediglich verpflichtet, Beschäftigten zwei Tests pro Woche anzubieten, wahrnehmen müssen die das Angebot nicht. Dass es anders geht, zeigen Italien, Österreich und Frankreich, die allesamt jüngst landesweite 3G-Regeln für den Arbeitsplatz eingeführt haben.

In Deutschland macht hingegen jedes Bundesland, was es will. Tests sind meist nur für bestimmte Bereiche wie Schulen oder Pflegeeinrichtungen vorgesehen. Bayern führt nun zumindest für Corona-Hotspots eine allgemeine 3G-Regel am Arbeitsplatz ein. Sie gilt allerdings erst ab Inzidenzen von 300 sowie einer Auslastung der Intensivbetten von 80 Prozent – und nur für Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern. 

Getrennte Kantinen und 3G im ganzen Unternehmen

Weil die Politik zögert, nehmen einige Unternehmen die Pandemiebekämpfung nun selbst in die Hand. Sie führen für ihre Beschäftigten eigene 3G- und 2G-Regeln ein. So testet der Chemie- und Pharmakonzern Bayer derzeit getrennte Kantinenbereiche, die nur für Geimpfte und Genesene zugänglich sind. In Büros und Laboren können sich Bayer-Beschäftigte freiwillig zu 2G-Gruppen zusammenschließen. Bedeutet: Wenn nur geimpfte und genesene Kollegen und Kolleginnen zusammenkommen, kann auf Abstand und Maske verzichtet werden.

Auch andere Unternehmen wollen Geimpften mehr Freiheiten geben. Energieversorger Eon und Reisekonzern Alltours planen ebenfalls getrennte Kantinenbereiche für Geimpfte und Ungeimpfte. Während die einen ohne Einschränkungen zusammensitzen können, müssen die anderen auf Abstand bleiben. Bierbrauer Krombacher hat die 2G-Kantine bereits eingeführt.

Einige Firmen gehen mit 3G-Modellen für den gesamten Betrieb voran: Beim Softwareriesen SAP und bei der Deutschen Börse sind nur noch Mitarbeiter im Büro willkommen, die geimpft, genesen oder getestet sind. Kontrolliert wird das derzeit noch nicht, weil die gesetzliche Grundlage fehlt, aber de facto wird 3G hier schon gelebt. Die Büros der großen Unternehmen sind allerdings immer noch ziemlich leer, weil viele Mitarbeiter nach wie vor im Home-Office arbeiten, wie eine Umfrage des Handelsblatts unter Konzernen und großen Familienbetrieben ergab. 

Streitpunkt Impfauskunft

Viele Unternehmen schrecken noch davor zurück, Einschränkungen für Ungeimpfte einzuführen. Denn arbeitsrechtlich sind 3G- und 2G-Modelle derzeit oft schwierig. Erschwert wird den Arbeitgebern das Umsetzen solcher Regeln vor allem durch den Umstand, dass sie den Impfstatus ihrer Beschäftigten nicht abfragen dürfen. Das geht bisher nur in Kitas, Schulen und Pflegeheimen. Arbeitgeberverbände fordern daher, dies zu ändern: Die Unternehmen müssten ein Auskunftsrecht über den Impf- oder Genesenenstatus ihrer Mitarbeiter bekommen, verlangt etwa Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger.

Am 25. November lässt die Politik die "epidemische Lage von nationaler Tragweite" auslaufen. Viele Unternehmen wünschen sich aber endlich klarere Regeln für die Bekämpfung der anrollenden vierten Welle. "Bund und Länder müssen rasch gemeinsam eine klare bundesgesetzliche Grundlage schaffen, damit die Unternehmen in den kommenden Wochen Schutzmaßnahmen auf 3G-Basis nachvollziehbar und planvoll für ihre Mitarbeitenden anwenden können", sagte Industriepräsident Siegfried Russwurm der DPA. Es dürfe nicht sein, "dass eine kleine Gruppe von Impfverweigerern in den kommenden Monaten eine ganze Gesellschaft mit mehrheitlich Geimpften lähmt". Für Berufstätige in Pflegeheimen, Schulen und Kitas hält er auch eine Impfpflicht für angebracht.

mit Agenturmaterial

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