A380 Krisenflieger als Jobmaschine


Experten haben ausgerechnet: Jede neue A380 könnte bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen - beim Bodenpersonal und den Technikern ebenso wie bei Piloten und Flugbegleitern. Einige vom Kabinenpersonal testen den Riesenvogel bereits: Es sei "wie in zwei Flugzeugen".

Während Airbus nach der Krise um den A380 über den Abbau von rund 10.000 Arbeitsplätzen diskutiert, machen sich die Fluggesellschaften Gedanken, wie viele Stellen durch das Riesenflugzeug entstehen. "Wir rechnen mit rund 400 Arbeitsplätzen pro Flugzeug", sagt Karl Ulrich Garnadt, Bereichsvorstand bei Lufthansa Passage. Die Fluggesellschaft hat bisher 15 Airbus A380 bestellt.

Beschäftigungseffekte gibt es nicht nur durch Piloten und Flugbegleiter, die mit dem neuen Jet fliegen. "Dazu kommt auch die Bodenabfertigung oder der technische Service und viele weitere Unternehmensbereiche", sagt Garnadt. Die Gesellschaft plant, ihre erste A380 im Sommer 2009 zu übernehmen. Die Produktionskrise bei Airbus verzögert zwar den kommerziellen Start. Für den Passagierjet blieben aber alle Kunden bei der Stange, Kündigungen musste Airbus für die A380-Frachtversion hinnehmen.

Mit den praktischen Aspekten des neuen Arbeitsplatzes machen sich bereits jetzt bei den so genannten Route-Proving-Flügen zahlreiche Lufthansa-Mitarbeiter vertraut. Airbus probiert gemeinsam mit Lufthansa bei Reisen nach New York, Hongkong und Washington die Alltagstauglichkeit aus. "Es ist vor allem leiser, als in vielen anderen Flugzeugen", sagt Flugbegleiterin Anna Schwerdtfeger. Gemeinsam mit rund 20 anderen Kollegen testet sie Küchen und Service. Ansonsten freuen sich die Flugbegleiter vor allem über Details wie einen Aufzug zwischen den beiden Etagen für den Transport der schweren Essenswagen. "Man fühlt sich fast wie in zwei Flugzeugen", sagt Schwerdtfeger.

Weiter vorn im Rumpf prüft Kapitän Jürgen Raps, was die Piloten an ihrem neuen Arbeitsplatz in der A380 erwartet. "Für einen erfahrenen A330 oder A340-Piloten ist die Umstellung kein Problem", sagt Raps. Rund 60 Flugstunden hat er bisher auf dem Riesenflugzeug gesammelt.

Größter Kunde: Emirates aus Dubai

Arbeitsplätze soll das Riesenflugzeug nicht nur bei Lufthansa schaffen. Bisher liegen nach Angaben von Airbus 166 Aufträge für die A380 vor. Singapore Airlines will den Jet im Herbst 2007 in den Liniendienst stellen. Größter Kunde ist Emirates aus Dubai mit 43 Bestellungen. Prognosen von Airbus, Boeing und Branchenexperten gehen davon aus, dass das Luftverkehrsaufkommen in den nächsten Jahren im Durchschnitt um rund fünf Prozent pro Jahr wachsen soll.

Investitionen in neues Gerät wie die A380 sind für europäische Gesellschaften auch ein wichtiges Element bei der Sicherung einheimischer Jobs: Langfristig konkurrenzfähig bleibt ein Unternehmen wie Lufthansa nur mit effizienten und sparsamen Flugzeugen. Sollten in Zukunft emissionsabhängige Abgaben im Luftverkehr kommen, lassen sich diese vor allem mit umweltfreundlichem Fluggerät erfüllen. Eine A380 ist vom Schadstoffausstoß ähnlich umweltfreundlich wie ein modernes Auto mit Partikelfilter.

400 Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen

Dass der Luftfahrtstandort Deutschland unabhängig von der Airbus-Krise konkurrenzfähig ist, zeigt auch ein anderes Großprojekt im Zusammenhang mit der A380-Einführung. So entschlossen sich der Triebwerkshersteller Rolls-Royce und Lufthansa Technik zum Bau eines Wartungszentrums in Arnstadt bei Erfurt unter anderem für die riesigen A380-Triebwerke. Lufthansa Technik kündigte zudem vor wenigen Wochen an, rund 400 neue Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen am Standort Hamburg schaffen zu wollen.

Heiko Stolzke/DPA DPA

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