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Abschied vom "King of Oil": Umstrittener Rohstoffhändler Marc Rich ist tot

Als Pionier des modernen Rohstoffgeschäfts gefeiert, als Wirtschaftskrimineller vom FBI jahrelang verfolgt: Marc Rich ist im Alter von 78 Jahren in Luzern an den Folgen eines Hirnschlags gestorben.

Der legendäre und umstrittene Schweizer Rohstoffhändler Marc Rich ist tot. Er starb am Mittwoch mit 78 Jahren an den Folgen eines Hirnschlags in einem Krankenhaus in Luzern, wie sein Sprecher Christian König am Mittwoch sagte.

Der in Belgien als Marcell David Reich geborene "King of Oil" gilt als Erfinder des Spotmarkts für den Handel mit Erdöl, der die Macht der großen Ölkartelle brach, und Pionier des modernen Rohstoffgeschäfts. Mit seinen Rohstoffgeschäften machte der international tätige Investor ein Milliardenvermögen. Kritiker sehen in ihm einen Wirtschaftskriminellen, der Sanktionen etwa gegen Südafrika während der Apartheid, den Iran oder Kuba missachtete, Behördenvertreter bestach und mit Geheimdiensten zusammenarbeitete.

Als 20-Jähriger heuerte Rich, der mit seinen Eltern vor Nationalsozialisten in die USA flüchtete, beim Handelshaus Philipp Brothers - heute Phibro - an. Im Jahr 1974 gründete er zusammen mit Partnern die Marc Rich + Co AG und baute das Unternehmen, den Vorläufer des Branchenriesen Glencore Xstrata, zum größten Rohstoffhändler der Welt aus. Anfang der 1990er Jahre stieg er auch ins Geschäft mit Minen, Schmelzen und Raffinerien ein, um den direkten Zugang zu Rohstoffen sicherzustellen und an der Wertschöpfungskette zu verdienen. 1993 verkaufte Rich sein Paket ans Management und zog sich ein Jahr später komplett aus der Firma zurück.

Rich stand auf der "Most-Wanted"-Liste des FBI

Anfang der 1980er Jahre geriet Rich ins Visier der US-Behörden, unter anderem wegen Steuerhinterziehung und illegalen Ölhandels mit dem Iran, und floh in die Schweiz. Lange Zeit stand er auf der "Most-Wanted"-Liste des FBI. Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton begnadigte ihn 2001 kurz vor dem Ende seiner Amtszeit - eine Handlung die er später bedauerte.

Der Sprecher des Rohstoff-Milliardärs, Christian König, sagte der Online-Ausgabe des "Blick", es sei vorgesehen, Rich an diesem Donnerstag in Tel Aviv zu beerdigen. Er besaß sowohl die spanische als auch die israelische Staatsbürgerschaft.

cob/Reuters/DPA / DPA / Reuters
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