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Agentur Rosenkrieg: Scheidung als Geschäftsidee

Seit März 2006 bietet die Diplom-Sozialpädagogin Sieglinde Vauth einen in Deutschland bisher einmaligen Service: Eine Rundum-Betreuung für Paare, die sich scheiden lassen wollen.

Stacheldraht wickelt sich um eine schwarze Flasche, in der eine Rose steckt. "Davon will ich mir noch 100 Stück kaufen", sagt Sieglinde Vauth, die gerade ihre Büroräume im Nürnberger Stadtzentrum für eine ausgefallene Geschäftsidee einrichtet: eine Scheidungsagentur, die nach ihren Angaben erste in ganz Deutschland. Die Diplom-Sozialpädagogin bietet seit März dieses Jahres einen Rundum-Service für Paare an, die sich scheiden lassen wollen. "Agentur Rosenkrieg - Mediation, Trennungsberatung, Scheidungsabwicklung" steht auf den frisch gedruckten Flyern.

Bei Geld hört die Freundschaft auf

Vauth hält die Fäden in der Hand, um eine Scheidung abzuwickeln. Zunächst analysiert sie mit einem Fragebogen die zwischenmenschlichen und finanziellen Verhältnisse der Scheidungskandidaten. Ein Computerprogramm liefert eine erste Prognose der Scheidungskosten und der Unterhaltszahlungen. Für Rechtsberatung und psychologische Hilfe hält sie die Kontaktdaten von zwölf spezialisierten Anwälten und vier Psychologen bereit.

Bisher hat Vauth 80 Kunden auf dem Weg zum Scheidungsrichter betreut. Gerade hier gilt das Sprichwort: Bei Geld hört die Freundschaft auf. "Da gibt es welche, die sagen: Wir können uns nicht einigen, weil wir drei Häuser haben. Ich muss ihnen dann andere Lösungsvorschläge bieten als auszuzählen 'ene mene muh - und raus bist du'".

Durch Mediation wieder im Gespräch

Als größten Erfolg sieht sie die Mediation, bei der Vauth als neutrale Person die zerstrittenen Parteien zusammenbringt und zum sachlichen Gespräch anregt. Sie selbst fühlt sich als Scheidungsvermittlerin durch ihr Alter, ihre Lebens- und Berufserfahrung qualifiziert. "Das hat nichts damit zu tun, dass ich selbst schon zwei Mal geschieden bin,"ergänzt die 51-Jährige.

Vor der Eröffnung ihrer Agentur hat die Sozialpädagogin 20 Jahre in der Erwachsenenbildung gearbeitet. "Ich habe Frauen bei der beruflichen Wiedereingliederung geholfen."Da der berufliche Neuanfang ihrer Klientinnen oft auch mit einer privaten Trennung verbunden war, betreute sie schon damals auch Scheidungskandidatinnen. So kam ihr die Idee, sich darauf zu spezialisieren.

Es gibt ein Leben danach

Wichtig ist für Vauth, dass "die Scheidung nicht so etwas ist wie der Tod - es gibt ein Leben danach". Deshalb ist auch eine Abschlussfeier nach gelungener Scheidung im Service-Paket inbegriffen. Ihre erste Scheidungsparty hat Vauth als Studentin 1986 selbst gefeiert: Als sie ihren damals zweijährigen Sohn am Tag ihrer ersten Scheidung bei einem befreundeten Engländer in Obhut gab, erzählte ihr dieser vom Brauch der "divorcing partys"in England und Irland - und organisierte für den gleichen Abend eine solche Feier für sie.

Auch bei Vauths zweiter Scheidung wurde am Ende gefeiert, "diesmal aber selbst organisiert und zwar richtig groß", lacht sie. Am besten fände sie es, wenn zur Scheidungsparty ihrer Kunden die selben Gäste kämen wie zur Hochzeit: "Viele fühlen sich bei der Scheidung plötzlich allein gelassen. Sie haben aber keinen Grund, sich zu schämen."

Christiane Hawranek/DPA / DPA