Air-Berlin-Chef Hunold Der Angreifer als Krisenmanager


Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin plant weitere Schritte zur Kostensenkung: Neben Streckenstreichungen auch beim Sommerflugplan soll es auch der Business-Class an den Kragen gehen. Damit will Air-Berlin-Chef Joachim Hunold seine Fluggesellschaft wieder profitabler machen.

Wenn Air-Berlin-Chef Joachim Hunold an diesem Dienstag (24.6.) zur Hauptversammlung lädt, ist das schon einmal gut fürs Geschäft. Denn zur Anreise ins Tagungshotel am Flughafen London- Stansted empfiehlt sich für so manchen Aktionär gewiss ein Ticket des eigenen Unternehmens - mit 25 Prozent Sonderrabatt bei Verfügbarkeit. Die Stimmung dürfte trotzdem wenig entspannt sein. Im Jahr zwei nach dem Börsengang muss Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft gerade durch heftige Turbulenzen steuern. Der Aktienkurs ist abgerutscht, in Zeiten drastisch steigender Kerosinpreise zählt in der Branche vor allem geschickte Kostenkontrolle, um im Konkurrenzkampf zu bestehen. Der geübte Angreifer Hunold muss sich als Verteidiger beweisen.

Aktien notiert weit unter Ausgabepreis

So reibungslos wie vor einem Jahr dürfte die Hauptversammlung 2008 jedenfalls kaum über die Bühne gehen. Nach rekordverdächtig kurzen 44 Minuten und gerade einmal zwei Wortmeldungen war das "General Meeting" im Mai 2007 ebenfalls in Stansted schon wieder zu Ende. Damals flog Air Berlin, die als Aktiengesellschaft britischen Rechts firmiert, aber noch mit voller Kraft voraus. Aktionärsschützer lobten die "beeindruckende" Wachstumsstrategie, mit der Hunold nach der Münchener dba auch den Düsseldorfer Ferienflieger LTU unter das Konzerndach brachte. Die Aktie notierte klar über dem Ausgabepreis von 12 Euro - inzwischen ist es kaum noch die Hälfte davon.

Gefragt ist daher Krisenmanagement. Kurz vor dem Aktionärstreffen zurrte Hunold ein Sparprogramm fest, das von Herbst an Wirkung zeigen soll. Zum Winterflugplan im November werden 14 treibstoffschluckende ältere Jets ausgemustert und das Sitzplatzangebot um zehn Prozent gekappt. Die Kerosinzuschläge für die Passagiere sind schon angehoben worden. Das soll einen Teil der gestiegenen Kosten auffangen. Denn bereits im Mai wurde klar, dass die Treibstoffrechnung in diesem Jahr rund 80 Millionen Euro höher ausfallen dürfte als im März angenommen. Mit einer Ergebnisprognose tun sich die Planer weiter schwer. "Für 2008 erwarten wir dennoch ein positives operatives Ergebnis", lautet die Ansage des Vorstandschefs. Im ersten Quartal gelang es immerhin schon, den zu Jahresbeginn branchenüblichen Verlust zu drücken.

Konkurrent O'Leary gießt Öl ins Feuer

Der Kapitalmarkt verfolgt den Kurs mit Argusaugen. Gerade erst halbierte die Investmentbank Morgan Stanley ihre Schätzung für Air-Berlin-Papiere auf 2,01 Euro. Die ganze Luftfahrtbranche sei stärker gefährdet, als es derzeit in den Bewertungen zum Ausdruck komme, schrieb Analystin Penelope Butcher. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) monierte, mit der Tochter LTU seien neue Risiken aus dem Langstreckengeschäft entstanden. "Eine kurzfristige Erholung scheint eher unwahrscheinlich", sagte SdK-Sprecher Michael Kunert. Europas größter Billigflieger Ryanair goss auch noch Öl ins Feuer. "Air Berlin ist verloren", tönte Firmenboss Michael O'Leary. Auf "jeden Quatsch" müsse man nicht reagieren, konterten die Berliner.

Dass die kommenden Monate nicht leicht werden, wissen aber auch die Manager. Die bis Februar 2009 anvisierte Mehrheitsübernahme des Ferienfliegers Condor vom Reisekonzern Thomas Cook hängt seit Monaten in der Warteschleife - die Prüfung des Bundeskartellamts wurde ein weiteres Mal bis 9. Oktober verlängert. Offen ist auch, wie sich der russischstämmige US-Milliardär Leonard Blawatnik verhalten wird, der inzwischen als Hauptaktionär vor der Deutschen Bank an Bord ist. Und für Unmut unter Kleinanlegern sorgt auch wieder, dass Air Berlin die Hauptversammlung zum zweiten Mal im Ausland organisiert, wie SdK-Sprecher Kunert beklagt. "Das ist eine Flucht vor den Aktionären."

Sascha Meyer/DPA DPA

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