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Airbus: Neue Probleme bei A380-Auslieferung

Bei Airbus läuft die A380-Produktion noch immer nicht rund. In diesem wie im nächsten Jahr kommt es zu Lieferverzögerungen, da der Flugzeugbauer die Fertigung nicht wie geplant hochfahren kann. Aber auch Rivale Boeing kommt mit seinem "Dreamliner" nicht aus den Negativschlagzeilen.

Airbus hat die Serienproduktion des A380 noch nicht in den Griff bekommen und den Lieferplan für seinen Superjumbo schon zum vierten Mal verschoben. 2008 würden vermutlich nur zwölf statt der zugesagten 13 Maschinen fertig, im kommenden Jahr vier Maschinen weniger als die geplanten 25, teilte der Airbus-Mutterkonzern EADS mit.

Im Durchschnitt müssten die Kunden weitere zwei bis drei Monate länger auf den größten Passagierjet der Welt warten, sagte Unternehmenschef Thomas Enders auf einer Telefonkonferenz. Angaben zu den Kosten machte EADS nicht. Dies ist laut Enders erst nach Gesprächen mit den Kunden und der Festlegung auf einen neuen Terminplan für 2010 und die Folgejahre möglich. Die bisherigen anderthalbjährigen Verzögerungen - das erste Exemplar wurde im Oktober ausgeliefert - haben ein Loch von fünf Milliarden Euro in die Kasse von EADS gerissen und zum Sanierungsplan "Power 8" mit dem Abbau von 10.000 Stellen geführt. Nun werden weitere Sparmaßnahmen folgen.

Die angekündigten Verzögerungen sind Resultat einer Überprüfung der Produktion, die derzeit von der Hand- auf die automatische Serienfertigung hochgefahren wird. "Es handelt sich nicht um ein neues Katastrophenszenario", versuchte Enders zu beschwichtigen. Allerdings warnte der mit 58 Bestellungen größte A380-Kunde Emirates Airlines schon, weitere Verzögerungen seien "sehr ernst", man brauche schließlich Planungssicherheit. Trotzdem rechne Airbus mit keinen Stornierungen, sagte Verkaufschef John Leahy.

500 Kilometer Kabel je Flugzeug

Das größte Problem ist nach wie vor die Verkabelung der Kabinen, 500 Kilometer müssen in jedem A380 verlegt werden. Und weil die Superjumbos für jeden der 14 Kunden anders ausgestattet sind, muss die automatische Installation jedes Mal aufs Neue gemacht werden, erklärte ein Airbus-Sprecher der AP. 600 Designer und Ingenieure sind derzeit in Toulouse allein mit der Beseitigung des Kabelsalats beschäftigt. Erst im ersten Halbjahr 2009 kann die Serienproduktion anlaufen, wenn alle Versionen ein Mal zusammengebaut wurden.

Das Eingeständnis der anhaltenden Schwierigkeiten ist für EADS und sein Tochterunternehmen ein weiterer Rückschlag. Erst in der vergangenen Woche platzte der Verkauf von zwei französischen Werken, nachdem Airbus auch für drei deutsche Standorte keinen Käufer gefunden hatte. Die Investitionen für den künftigen Langstreckenflieger A350, die eigentlich von den neuen Partnern kommen sollten, muss Airbus vorerst selbst aufbringen. Die Belastungen durch die neuen A380-Verzögerungen könnten die Finanzierung zusätzlich erschweren.

Der Chef von Airbus France, Fabrice Brégier, kündigte daher bereits Sparmaßnahmen über das Sanierungsprogramm "Power 8" hinaus an. Kernpunkte seien eine Verlängerung der Arbeitszeit sowie die verstärkte Produktionsverlagerungen in Länder außerhalb der Eurozone. Neben neuen Vertragsstrafen in Millionenhöhe bedeuten die Terminverschiebungen aber auch einen weiteren Kratzer für das Ansehen von EADS.

Die französische Börsenaufsicht IMF ermittelt gegen zahlreiche Konzernmanager wegen des Verdachts auf massiven Insiderhandel. Und neben dem Superjumbo ist auch der Militärtransporter A400M mindestens zwölf Monate in Verzug geraten.

Probleme auch beim Boeing-Dreamliner

Wenigstens stehen die Europäer nicht alleine da: US-Konkurrent Boeing musste den Lieferplan für seinen Sparjet B787 im April ebenfalls zum vierten Mal revidieren. So muss die US-Leasinggesellschaft ILFC nach eigenen Angaben nun auf ihre 74 bestellten Flugzeuge im Schnitt 27 Monate länger warten. Bei der Fluglinie Air Canada, die 37 Flugzeuge bestellt hat, sind es 24 bis 30 Monate. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, ist zudem Air Berlin (25 Bestellungen) betroffen. Die Verzögerungen bei der auch "Dreamliner" genannten 787 lägen weit über dem bislang veröffentlichten Zeitplan.

Wie Airbus auch kann Boeing die Produktion nicht so schnell hochfahren wie geplant. Die angestrebte Fertigungskapazität von monatlich zehn Dreamliner-Jets werde nun statt 2009 voraussichtlich erst 2012 erreicht, berichtet die "SZ". Dem US-Flugzeugbauer mache die Zusammenarbeit mit den zahlreichen Lieferanten zu schaffen, an die zwei Drittel der Arbeit abgegeben worden seien. Die Lieferanten erwiesen sich mit der Technologie und dem Zeitplan überfordert.

Mit bislang rund 900 Bestellungen von 58 Gesellschaften ist der Dreamliner das erfolgreichste Flugzeug in der Geschichte des Airbus-Konkurrenten. Aber die Verzögerungen haben erhebliche finanzielle Folgen, so die "SZ": Die Entwicklungskosten sind seit 2006 insgesamt um mehr als eine Milliarde Dollar gestiegen, die Aktie brach ein und Boeing muss sich auf hohe Schadenersatzforderungen einstellen.

DPA/AP / AP / DPA