HOME

Airbus-Restrukturierung: Geisterstunde in Varel

Das friesische Städtchen Varel hat 25.000 Einwohner, eine schöne Windmühle und ein Heimatmuseum. Etwa 800 Vareler arbeiten beim Airbuswerk, das auf der "Power 8"-Streichliste steht. stern.de sprach mit Bürgermeister Gerd-Christian Wagner über die Stimmung vor Ort.

Herr Wagner, was passiert, wenn der GAU eintritt und das Airbus-Werk in Varel schließt?

Über Schließung rede ich nicht. Das steht auch nicht im Raum. Sollte das Werk verkauft werden, muss man erstmal abwarten, wer es kauft. Vielleicht eröffnet ein neuer Mitstreiter auch neue Chancen.

Will heißen: Immer positiv denken?

Natürlich.

Hat sich ihr Ministerpräsident Christian Wulff schon bei Ihnen gemeldet?

Leider noch nicht. Aber er hat in der Zeitung veröffentlichen lassen, dass er die Förderung des Standorts ins Auge fasst. Darüber freue ich mich natürlich. Und ich hoffe, dass auch die Kommune davon profitiert.

Wie viele Bürger Varels sind im Airbus-Werk beschäftigt?

Schätzungsweise 800. In den Zulieferbetrieben des Werks arbeiten noch einmal etwa 800 Menschen aus der Stadt und der Region.

Und wie hoch liegt die Arbeitslosigkeit bei Ihnen?

Bei etwa zehn Prozent. Das liegt etwas über dem Bundestrend.

Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Die Gerüchteküche in Sachen Airbus brodelt. Viele fühlen sich verunsichert, manche von ihren Sorgen überfordert. Die Kirchen haben angeboten, Gespräche mit den Menschen zu führen. Wir unterstützen dieses Angebot. Kurz gesagt: Es ist die Ruhe vor dem Sturm.

Wie viel Gewerbesteuer steht mit dem Airbus-Werk auf dem Spiel?

Es sind mehrere Millionen Euro pro Jahr.

Was tun Sie, sollten diese Ausgaben wegfallen?

Wie gesagt: Ich denke nicht über eine Schließung des Werks nach.

In ihrer Stadt hat vor kurzem auch eine Kaserne geschlossen.

Richtig. Die Friesenkaserne wurde zum 1.1. geschlossen. Etwa hundert Arbeitnehmer waren betroffen. Aber sie sind zum Teil pensioniert worden, zum Teil an einen neuen Standort mitgezogen, zum Teil woanders untergekommen.

Können Sie selbst als Bürgermeister etwas im Airbus-Streit ausrichten?

Nicht viel. Wir müssen abwarten. Die Akteure sind andere: Airbus, die Gewerkschaften und die große Politik.

Interview: Lutz Kinkel