Airbus Arbeitsplätze bleiben in Deutschland

Die drei zum Verkauf stehenden Airbuswerke in Nordenham, Augsburg und Varel gehen an ein deutsches Unternehmen. Die Augsburger MT Aerospace hat überraschend den Vorzug vor dem amerikanischen Konkurrenten Spirit Systems erhalten.

Die deutschen Werke des europäischen Flugzeugbauers Airbus und seiner Konzernmutter EADS werden nicht an ausländische Interessenten verkauft. Mit dem Bremer Raumfahrtkonzern OHB als bevorzugten Bieter gehe EADS in finale Verhandlungen, teilte der Luftfahrt- und Rüstungskonzern mit.

Es gehe um ein EADS-Werk in Augsburg sowie die beiden Airbus-Werke im niedersächsischen Varel und Nordenham. Eine Einigung mit der OHB-Tochter MT Aerospace soll so schnell wie möglich gefunden werden. Der Verkaufsprozess für das Werk Laupheim bei Ulm läuft separat weiter.

MT Aerospace

Die für den Kauf von drei deutschen Airbus-Werken vorgesehene MT Aerospace AG mit Hauptsitz in Augsburg ist Zulieferer für die Luftfahrt-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie. Hinter MT Aerospace steht als Haupteigentümer OHB Technology AG in Bremen, eines der Schwergewichte der deutschen Raumfahrtindustrie.

MT Aerospace baut bisher Teile für Trägerraketen und Satelliten und stellt zum Beispiel 10 Prozent der Hardware der Europäischen Trägerrakete Ariane 5 her, wie das Unternehmen mitteilt. Neben Augsburg hat die Firma in Deutschland ein Werk in Mainz.

OHB stellt unter anderem Satelliten und Rüstungstechnik her und ist an der Börse notiert. MT Aerospace ist 2005 im Zuge der Übernahme von MAN Technologie durch die OHB Technology in Bremen (70 Prozent) und den Finanzinvestor Apollo Capital Partners in München (30 Prozent) entstanden.

Das Unternehmen erwirtschaftet mit rund 570 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 110 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2007. OHB kommt mit fast 1200 Mitarbeitern auf eine Umsatz von 163 Millionen Euro

Deutsche Manager bevorzugten OHB

EADS wird von Frankreich und Deutschland dominiert. Vor allem die deutsche Seite war zuletzt gegen einen Verkauf der hiesigen Werke an den US-Zulieferer Spirit. Dieser arbeitet auch eng mit dem Airbus-Erzrivalen Boeing zusammen. Befürchtet wurde eine Verlagerung von Teilen der Produktion in die USA, nicht zuletzt, weil EADS der hohe Euro-Wechselkurs derzeit massiv zu schaffen macht.

Entsprechend positiv äußerte sich die Regierung in Berlin. "Ich begrüße die Entscheidung", sagte der Regierungskoordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze. Damit bestünden gute Chancen, Forschung, Technologie und Arbeitsplätze im Flugzeugstrukturbau in Deutschland zu halten.

Auch außerhalb Deutschlands sind Lösungen absehbar: Für die französischen Produktionsstätten in Meaulte und St. Nazaire Ville wurde Latecoere ausgewählt, für Teile des britischen Werks in Filton GKN - beides Firmen aus dem jeweiligen Land. Bis zum Sommer sollen die Transaktionen abgeschlossen sein und die Standorte den neuen Eigentümern übergeben werden.

Airbus bleibt an Werken beteiligt

Für die Werke in Deutschland und Frankreich soll der Partner jeweils an einem Gemeinschaftsunternehmen die Mehrheit bekommen. Airbus wird eine "substanzielle Minderheitsbeteiligung" halten. Nach drei Jahren kann sich der europäische Flugzeugbauer aber vollständig zurückziehen. In Filton soll dagegen die Flügelkomponentenfertigung sowie die Vormontage ganz abgestoßen werden.

Die betroffenen Airbus-Werke beschäftigen insgesamt 7400 Mitarbeiter. Das Werk in Augsburg mit 2000 Mitarbeitern gehört zu EADS, macht aber den Großteil seines Umsatzes mit Airbus-Geschäften. Mit den Werksverkäufen will EADS seine Kosten drücken. Das Sparprogramm ist eine Reaktion des Konzerns auf schlechte Geschäftsergebnisse wegen der Lieferverzögerungen beim Großraumflieger A380 und hohe Entwicklungskosten für den A350.

Probleme gibt es derzeit auch beim Militärtransporter A400M. Für den Bau des neuen Mittel- und Langstreckenjets A350 XWB sollen nun Arbeitspakete für die künftigen Partner der Werke in Filton, Meaulte und St. Nazaire Ville sowie Nordenham, Varel und Augsburg vergeben werden.

AP/Reuters AP Reuters

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