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Top 100 Onlineshops: Wie Amazons Marktmacht zum Monopol wird

Amazon ist mit Abstand der umsatzstärkste Onlinehändler in Deutschland. Otto und Zalando erzielen gemeinsam nicht halb so viel Umsatz wie der Allesverkäufer Amazon. Doch diese Marktmacht ruft jetzt die Wettbewerbshüter auf den Plan.

Amazon ist Marktführer der Onlineshops in Deutschland

Amazon ist Marktführer der Onlineshops in Deutschland - ein Problem.

Sieben Millionen Produkte - an einem einzigen Tag: Der Schnäppchentag Amazon Prime Day brach im Juli alle Rekorde des Onlinehändlers. Ein Plus von 60 Prozent zum Vorjahr - und das meist mit Produkten, die das Lager verstopfen. Wer gehofft hatte, dort hochpreisige Premiumartikel wie iPhones oder teure Kameras für kleines Geld zu bekommen, wurde enttäuscht. Amazon kann das egal sein.

Denn der Onlinehändler ist mit weitem Abstand Marktführer - rund 7,8 Milliarden Euro erzielte Amazon 2015. Dahinter folgen Otto (2,3 Milliarden Euro) und Zalando (rund eine Milliarde Euro) mit gehörigem Abstand, so das aktuelle Ranking vom EHI Retail Institute und Statista. Amazon ist uneinholbar - und das ist auch das Problem. Denn die Marktmacht des Onlinegiganten ist gefährlich. In Deutschland kontrolliert Amazon rund 90 Prozent des Onlinebuchhandels. Im globalen Handel hat es der Internetkonzern ebenfalls an die Spitze geschafft. Aus der Marktmacht ist ein Monopol geworden.  

Amazon hat ein "Monopol-Problem"

Im Mai kritisierte US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, das Amazon ein "riesiges Monopol-Problem" habe. Das könnte für Verbraucher gut sein - wenn Amazon die günstigeren Konditionen auch an die Kunden weitergeben würde. Denn Amazon drückt die Preise bei Lieferanten und Herstellern, droht mit Verbannung aus dem Sortiment des Online-Warenhauses und dringt inzwischen mit Amazon Echo und den eigenen Serien-Produktionen in neue Gebiete vor. Amazon ist allgegenwärtig - aber nicht immer günstig.


Wie eine aktuelle Untersuchung zeigt, empfiehlt Amazon nicht immer die günstigsten Preise. Die Preise von 250 Artikeln wurde analysiert - genauer: Die Preise von Artikeln in der sogenannten Buy Box, in der Amazon gefühlt besondere Schnäppchen anpreist. Das Ergebnis: Bei 75 Prozent der Stichproben konnten Kunden sparen, wenn sie nicht die von Amazon empfohlenen Artikel in den Warenkorb legten. Insgesamt sei eine Ersparnis von bis zu 20 Prozent drin.

EU soll Amazon prüfen

Dennoch: bleibt König des Online-Handels. Und das ruft nun auch die Politik auf den Plan. Wie die "Welt" berichtet, fordern führende deutsche Europaabgeordnete ein Eingreifen der Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. "Die EU-Wettbewerbskommissarin sollte sich den Online-Handel genau anschauen, im Interesse des Verbraucherschutzes und eines fairen, kundenorientierten Wettbewerbs“, sagte der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber der "Welt". Tatsächlich erzielen die drei größten Onlinehändler in Deutschland genauso viel Umsatz wie die Plätze 4 bis 100.