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Analyse von Volkswirten: GfK-Konsumklima auf Höchststand seit 2007

Trotz der anhaltenden Krise im Euro-Raum sind die Deutschen so konsumwillig wie seit Jahren nicht mehr. Auch die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen ist hoch. Der Einzelhandel jedoch schwächelt.

Die Deutschen sparen so wenig wie nie noch nie und sind in Kauflaune wie seit Jahren nicht mehr. Die Sparneigung fiel im April auf einen historischen Tiefstand, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Dienstag zu ihrer monatliche Verbraucherumfrage mit. "Die Zwangsabgabe in Zypern hat somit auch die bundesdeutschen Sparer in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Zugleich legte die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen zu. Das für Mai berechnete Konsumklimabarometer stieg von 6,0 auf 6,2 Punkte - das ist der höchste Stand seit Oktober 2007. Dem Einzelhandel machte derweil im März der harte Winter zu schaffen. Der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren fiel um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat und damit so stark wie seit Mai 2009 nicht mehr. Volkswirte sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Holger Schiedling, Berenberg Bank:

"Der GfK-Anstieg ist ein erfreuliches Ergebnis. Die Leute haben Arbeit, die Löhne steigen, die Euro-Krise tritt in den Hintergrund. Die Deutschen sind bereit, Geld auszugeben. Eine kleine Irritation ist die geringe Sparneigung. Hier schlägt wohl die Zypern-Krise zu Buche. Aber die Spareinlagen sind sicher, der Goldpreis ist gefallen. Die Konsequenz wird sein, dass die Flucht in Immobilien nachlassen wird und sich dafür die Bereitschaft zum Kauf von Autos normalisiert, die derzeit sehr schwach ist. Die Geschäfte im Einzelhandel waren im ersten Quartal mau, aber nicht wirklich schlecht. Der harte Winter hat ein besseres Ergebnis verhindert. Der Frühling im Einzelhandel dürfte im zweiten Quartal kommen."

Andreas Scheuerle, Dekabank:

"Der Einzelhandel kam ohne große Frostschäden durch den kalten März. Lediglich um 0,3 Prozent sank der Umsatz zum Vormonat. Für die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal steht nun ein Einzelhandelsumsatzplus von 1,5 Prozent zum Vorquartal in den Büchern. Damit steigen die Chancen, dass das Wachstum im ersten Quartal erfreulich ausfällt.Grundsätzlich steht der Konsum in Deutschland auf einem soliden Fundament, was auch das GfK-Konsumklima unterstreicht. Ein stabiler Arbeitsmarkt, steigende Löhne und eine sinkende Inflationsrate erlauben den Menschen 2013 erneut mehr zu konsumieren."

amt/Reuters / Reuters
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