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Anleihekäufe: EZB stützt Italien und Spanien

Die EZB hat nach längerem Zögern einen umstrittenen Schritt gewagt: Sie stützt mit Anleihekäufen Italien und Spanien. Die Märkte sind erleichtert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stützt die neuen europäischen Krisenländer Italien und Spanien erneut mit Anleihekäufen. Es ist das erste Mal, dass die Zentralbank direkt am Markt interveniert, um die beiden hochverschuldeten Länder zu stützen. Am Sonntag hatte die EZB entsprechende Käufe angekündigt. Der Schritt ist in der Zentralbank umstritten. Kritiker fürchten, dass die politische bei solchen Schritten in Gefahr ist. Zudem treiben starke Interventionen die Inflation - und das eigentliche Zeil der EZB ist eine niedrige Preissteigerung. So werden derartige Anleihekäufe eigentlich nur im Notfall getätigt, wie beim Pleitekandidat Griechenland.

Die Kursentwicklung am Montagdeutete darauf hin, dass die Zentralbank am Markt bereits zugeschlagen hat. Denn die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen purzelten kräftig. Wenn Kurse steigen, fallen die Renditen und dadurch wird es günstiger, neue Schulden aufzunehmen. "Die Reaktion an den Märkten ist ein Hinweis dafür, dass die EZB bereits Anleihen kauft", sagte Commerzbank-Ökonom Michael Schubert in Frankfurt. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Woche und der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA blieb auch der befürchtete Absturz der Börsen aus.

Ungeduldige Märkte

Die EZB hatte zunächst gezögert, am Markt einzugreifen. Doch die Börsianer sind ungeduldig, wie Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner betonte: "Die einzigen, die rasch und mit theoretisch unbegrenzten Mitteln eingreifen können, sind die Notenbanken." Die EZB kauft also einmal mehr Zeit, um die akute Krise zu dämpfen. Beendet werden könne die Krise aber nur, wenn die Staaten ihre Defizite zurückfahren und ihre Schuldenberge abtragen.

Die Royal Bank of Scotland begrüßte die Aktion der EZB als "kraftvolle" Antwort auf die jüngsten Verwerfungen an den Märkten. Wie die Banker in einer Studie schreiben, dürften die Aufkäufe von italienischen und spanischen Staatsanleihen den drohenden Kollaps der Bondmärkte der angeschlagenen Länder verhindern. Erneut trete die EZB als letzte Verteidigungslinie auf. Aus Sicht von Berenberg-Bank-Chefvolkswirt Holger Schmieding zeigt die Notenbank, dass sie bereit ist, alles Nötige zu tun, um die Krise in den Griff zu bekommen. Das gelte auch für die Regierungen. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte am Freitagabend erklärt, das geplante Sparprogramm vorzuziehen. Damit will Italien bereits 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen.

ben/DPA / DPA
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