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Arbeitsmarkt 2008: Deutsche schuften so viel wie nie zuvor

Im vergangenen Jahr haben die Deutschen soviel Arbeitsstunden auf dem Buckel gehabt wie noch nie zuvor. Das lag zum einen an der guten Konjunktur, zum anderen daran, dass sich viele einen Nebenjob gesucht haben. Doch seit Ende 2008 ändert sich das Bild.

Noch nie wurde in Deutschland so viel gearbeitet wie im vergangenen Jahr. Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden stieg 2008 wegen des Job-Booms um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 57,75 Milliarden, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag mitteilte. "Das Arbeitsvolumen erreichte damit einen Rekordstand", sagte IAB-Experte Eugen Spitznagel zu Reuters. Für das laufende Jahr erwartet das Institut der Bundesagentur für Arbeit (BA) aber einen kräftigen Rückgang.

Mit rund 39,87 Milliarden Stunden oder 69 Prozent der Arbeitszeit leisteten Vollzeitbeschäftigte nach IAB-Angaben im vergangenen Jahr den größten Beitrag zum gesamten Arbeitsvolumen. Die Teilzeitbeschäftigten trugen rund 7,7 Milliarden Stunden oder 13 Prozent bei, Selbstständige etwa 9 Milliarden Stunden (16 Prozent). Auf Nebenjobs entfielen etwa eine Milliarde Arbeitsstunden (knapp zwei Prozent) und damit fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren.

Die alte Höchstmarke wurde im Jahr 2000 auf dem Höhepunkt des Internetbooms mit 57,6 Milliarden Stunden erreicht. Der Rekord ist vor allem Folge des Beschäftigungsbooms: Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte im abgelaufenen Jahr mit durchschnittlich 40,35 Millionen einen neuen Höchststand. "Dagegen hat die Arbeitszeit pro Kopf sogar abgenommen, weil am Jahresende wegen des Konjunktureinbruchs vermehrt Kurzarbeit eingeführt wurde und weniger bezahlte Überstunden geleistet wurden", sagte Spitznagel. Auch Guthaben auf Arbeitszeitkonten seien abgebaut worden. Dadurch sank im vierten Quartal die Arbeitszeit pro Kopf um 1,1 Prozent unter den Vorjahreswert.

Angesichts der Rezession sagt das IAB für 2009 einen deutlichen Rückgang des Arbeitsvolumens voraus. "Denn die Zahl der Beschäftigten wird merklich sinken", sagte Spitznagel. Nach Prognose des Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) dürften in diesem Jahr durchschnittlich 400.000 Menschen weniger in Lohn und Brot stehen als 2008. Auch die Kurzarbeit wird weiter zunehmen: Allein im Januar wurde für rund 290.600 Arbeitnehmer aus 10.600 Betrieben Kurzarbeit angemeldet.

Reuters/AP / AP / Reuters