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Ausbeutungsvorwürfe: Jetzt spricht Schlecker

Sein Unternehmen steht derzeit als vermeintlicher Ausbeuter am Pranger, da will Anton Schlecker nicht länger schweigen. Der Gründer der Drogeriekette dementiert Lohndumpingvorwürfe und sagt, warum er die Verbindungen zur Zeitarbeitsfirma Meniar kappt.

Anton Schlecker hat sich erstmals zu den Vorwürfen geäußert, seine Drogeriekette beute Mitarbeiter aus. Der Firmenchef wies im Gespräch mit dem "Manager Magazin" die Behauptung zurück, dass sein Unternehmen Minilöhne von nur 6,50 Euro pro Stunde zahle. "Wir haben diesen Betrag mal angedacht, aber davon ist jetzt keine Rede mehr", sagte Schlecker.

Es geht bei dem Streit um die Auslagerung von Stammpersonal in das Zeitarbeitsunternehmen Meniar, wodurch die Stundenlöhne der Beschäftigten sinken. Meniar hat Schlecker laut Bericht selbst 2009 gegründet. Jetzt kündigte der Unternehmer an, den Vertrag mit Meniar zu lösen. "Weil wir keinen Ärger mit den Arbeitnehmervertretern wollen, werden wir unsere Verbindungen mit Meniar beenden", sagte er dem Magazin.

Allerdings sei der in der Öffentlichkeit verbreitete Eindruck falsch, mit Meniar seien Tausende von Verträgen abgeschlossen worden. "Meniar deckt nur Spitzen ab", sagte er. Von den insgesamt 52.000 Schlecker-Beschäftigten habe nur "ein sehr geringer Anteil" einen Vertrag mit der Firma.

Verdi widerspricht

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi widersprach der Darstellung Schleckers, fair mit seinen Mitarbeitern umzugehen. Eine Sprecherin sagte: "Man muss sich nur vor Augen halten, dass im vergangenen Jahr in den alten A.S.Schlecker-Filialen 1800 Menschen entlassen wurden und 1000 zu Meniar geschickt wurden. Dort liegt der Lohn vielleicht nicht bei 6,50 Euro pro Stunde, aber bei 6,78 Euro."

Laut Achim Neumann, der sich bei Verdi speziell um den Fall kümmert, werden derzeit viele Meniar-Arbeitsverträge wieder in Schlecker-Verträge umgewandelt. "Bei Schlecker müssen die Mitarbeiter dann aber unseren Informationen nach als geringfügig Beschäftigte anfangen oder ihnen wird die Arbeitsstundenzahl gekürzt."

Der Fall Schlecker hatte vergangene Woche die Bundesregierung auf den Plan gerufen. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an. Missbrauch von Leiharbeit soll notfalls mit schärferen Gesetzen eingedämmt werden. Schlecker hatte schon nach Bekanntwerden der Vorwürfe erklärt, keine neuen Verträge mit Meniar zur Überlassung von Mitarbeitern mehr abzuschließen.

Schlecker verliert seit Jahren an Umsatz

Deutschlands größte Drogeriekette kämpft derzeit mit geschäftlichen Problemen, die der Firmenchef im "Manager Magazin" auch offen einräumt. "Seit 2004 verlieren wir in Deutschland an Umsatz", sagte Schlecker. Seine Notmaßnahme: Noch in diesem Jahr sollen in der Bundesrepublik 500 kleine Fililalen geschlossen werden. Verdi geht dagegen von einem Mehrfachen dieser Zahl aus: „Allein im vergangenen Jahr hat Schlecker 900 bis 1000 alte Filialen geschlossen. Wir sehen keine Anzeichen dafür, dass es in diesem Jahr weniger Schließungen sein werden."

Schlecker kündigte an, "dass wir unser gesamtes Geschäftsmodell umwälzen müssen". So solle es statt der bisher üblichen kleinen und engen Läden künftig mehr große Märkte geben. Insgesamt hat die Kette mehr als 10.000 Geschäfte. Schlecker: "Wir investieren derzeit klotzig."

APN/hef / APN