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Außenhandel: Kaum Handel mit dem Irak

Am Ende des Krieges liegt kein Goldschatz: Zwar hat der Irak für deutsche Unternehmen als Handelspartner wieder etwas zugelegt, aber der Eportmarkt bleibt klein.

Deutschland hat kaum wirtschaftliche Interessen im Irak. Für die Unternehmen hat das Land als Handelspartner in den vergangenen Jahren zwar wieder etwas an Bedeutung gewonnen. Aber der Exportmarkt bleibt klein, sowohl im Vergleich zu früheren Jahrzehnten als auch zu anderen Ländern. Selbst ein internationales Aufbauprogramm nach einem Irak-Krieg würde daran zunächst nur wenig ändern. «Am Ende des Krieges liegt kein Goldschatz», sagt der Irak-Spezialist Toby Dodge von der britischen Universität Warwick.

Kaum Ölimporte

Von Januar bis November 2002 lieferten deutsche Unternehmen Waren im Wert von 364 Millionen Euro in den Irak, während die Einfuhr aus dem Irak mit 5,7 Millionen Euro nahezu bedeutungslos war. Deutschland bezieht kaum Öl aus dem Irak, liefert aber Maschinen, Autos, technische Güter und Arzneimittel. Im Jahr 2001 lag der Export in den Irak bei 336,5 Millionen Euro - und damit unter den deutschen Handelspartnern auf Rang 75 zwischen Zypern und Malta. Das war einmal anders: So exportierten 1984 deutsche Firmen für umgerechnet 1,13 Milliarden Euro in den Irak, der damals wirtschaftlich viel besser dastand als heute.

Embargo unterbrach quasi die Beziehungen

Nach dem Golfkrieg 1991 brachen die Wirtschaftsbeziehungen weitgehend zusammen und kamen nur langsam wieder in Gang. «Nur eine Hand voll Firmen haben es auf sich genommen, unter den Bedingungen des Embargos Waren in den Irak zu liefern», sagt Helene Rang vom Nah- und Mittelost-Verein in Hamburg. Die ausgeführten Waren mussten nicht nur vom Bundesamt für Wirtschaft, sondern ebenso von der UN genehmigt werden, weil der Irak nur sehr begrenzt Güter einführen durfte. Zu den Firmen, die sich dadurch nicht entmutigen ließen, gehören aus Deutschland Siemens und Linde. Bei der Herbstmesse im vergangenen Herbst in Bagdad waren rund 50 deutsche Unternehmen dabei.

Enormer Investitionsbedarf

Der Bedarf an Investitionen im Irak ist eigentlich enorm. «Die Ölförderanlagen im Irak sind völlig verrottet», sagt der Nahost- Kenner und langjährige ARD-Korrespondent Marcel Pott. «Es wird acht bis zehn Jahre dauern und Milliarden von Dollar kosten, diese Industrie zu erneuern und zu modernisieren.» Das Saddam-Regime hat über seinen Botschafter angeblich Aufträge über zwei Milliarden Euro für die deutsche Industrie in Aussicht gestellt. Da Saddam einen Krieg wohl nicht als Präsident überstehen würde, ist diese Zusage aber wahrscheinlich nicht viel wert.

Kaum Aufträge nach Machtwechsel

Kommt es zu einem Machtwechsel im Irak, sind die Hoffnungen deutscher Firmen auf Aufträge ebenfalls nicht groß, weil die US-Regierung ein wesentliches Wort mitzureden hätte. «Die deutsche Außenseiterposition wird die Geschäfte dort erschweren», sagt Holger Eisold vom AGA-Verband, in dem die norddeutschen Außenhändler organisiert sind. Mit anderen Worten: Die Amerikaner werden vorrangig die eigene Wirtschaft und die ihrer engen Verbündeten mit Aufträgen bedenken - nicht die Deutschen.

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