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Australien: Banken-Skandal: Selbst Tote wurden noch jahrelang abkassiert

Skandalwelle in Australiens Bankenwelt: Berater der größten Bank des Landes haben bis zu zehn Jahre lang Gebühren von Verstorbenen kassiert. Außerdem förderten Ermittler Bestechung, Dokumentenfälschung und Falschberatung bei allen großen Geldhäusern zu Tage.

Gebäude der Commonwealth Bank of Australia in Sydney

Gebäude der Commonwealth Bank of Australia in Sydney

AFP

Die "Big Four" sind in Australien nicht etwa die spektakulärsten einheimischen Tiere, sondern die vier größten Banken des Landes. Zusammen kommen Commonwealth Bank, ANZ, Westpac und National Australia auf rund 80 Prozent Marktanteil. Die Regierung betrachtet sie als systemrelevant, die Finanzaufsicht ist lasch. Alle vier machen Milliardengewinne.

Doch seit eine Untersuchungskommission zweifelhafte Praktiken der Großbanken unter die Lupe nimmt, erschüttert ein Skandal nach dem nächsten die Finanzwelt des Landes (einen Zwischenstand der Ermittlungen gibt es unter anderem beim "Guardian"). Vor allem seit Beginn der Anhörungen Mitte März wird schonungslos deutlich, wie dreist die nationalen Vorzeigeinstitute ihre Machtfülle ausgenutzt haben.

Verstorbenen zehn Jahre weiter abkassiert

Jüngstes Beispiel: Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass Berater der Commonwealth Bank, des landesweit größten Geldhauses, systematisch Gebühren für nicht erbrachte Leistungen berechneten. Sogar Verstorbene wurden teilweise jahrelang weiter abkassiert, wie die Bank bei einer Anhörung der "Royal Commission" zugeben musste.

In einem Fall kassierte der Berater selbst zehn Jahre nach dem Tod seines Kunden immer noch jeden Monat 65 australische Dollar (rund 40 Euro) Beratungsgebühr. Ein anderer Berater kontaktierte die Frau des Verstorbenen erst sechs Jahre nach dessen Tod, die Gebühr zwackte er auch danach weiter ab. In zahlreichen weiteren Fällen stellten Bankberater Lebenden und Toten Gebühren in Rechnung, ohne dass irgendeine Beratungsleistung zu erkennen gewesen wäre.

Flächendeckende Falschberatung

Zuvor hatte die Untersuchungskommission bereits versuchte Bestechung, Dokumentenfälschung und flächendeckende Falschberatung durch Berater der Großbanken des Landes aufgedeckt. So waren unter anderem Versicherungen an Menschen verkauft worden, die sich diese gar nicht leisten konnten. Die Verfehlungen betreffen nicht nur die "Big Four", sondern auch Finanzunternehmen aus der zweiten Reihe wie die Firma AMP. AMP musste in dieser Woche zugeben, dass Kunden durch Falschberatung teils zehntausende Dollar verloren hätten. Außerdem habe man Aufsichtsstellen angelogen.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Aufsichtsbehörde ASIC den Finanzberatern von AMP und den "Big Four" ein verheerendes Zeugnis ausgestellt: In drei von vier untersuchten Fällen handelten die Berater nicht im Interesse des Kunden, in jedem zehnten Fall stand der Kunde hinterher sogar finanziell signifikant schlechter da. 

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