AUTO Verunsicherung bei Audi


Audi-Chef Paefgen soll wohl trotz Rekordfahrt seinen Stuhl räumen. Für ihn kommt entweder eine andere Funktion im VW-Konzern oder eine Rückkehr an die TH Aachen in Frage.

Die Verunsicherung beim Autobauer Audi ist vor der Aufsichtsratssitzung bei der Konzernmutter VW an diesem Freitag groß. Obwohl sich Audi auf Rekordfahrt befindet und die Flaute in der Autobranche für einen Ausbau der Marktanteile nutzt, muss Audi-Chef Franz-Josef Paefgen wohl seinen Stuhl räumen. Beim Umbau des Wolfsburger Konzerns in zwei Markenfamilien um VW und Audi spielt Paefgen laut Branchenspekulationen keine Rolle mehr. Nach 21 Jahren bei Audi wird der Manager möglicherweise für eine Zeit lang an die Technische Hochschule Aachen zurückkehren. Bei Audi wollte man sich am Donnerstag nicht zu den Spekulationen äußern.

Irritation über unklare Personallage

»Wir rechnen damit, dass Paefgen von Audi weggeht«, sagte Audi-Aufsichtsrat Richard Polzmacher von der IG Metall am Donnerstag. Allerdings ist es ebenso gut möglich, dass Paefgen eine andere Funktion im VW-Konzern übernimmt. Ein Anlass für den Wechsel an der Audi-Spitze ist eigentlich nicht gegeben. »Er hat seinen Job gut gemacht.« So sind in Ingolstadt viele über die unklare Personallage irritiert. »Der Audi-Konzern ist derzeit insgesamt gelähmt«, heißt es in Branchenkreisen.

Uni-Karriere möglich

Wenn Paefgen nicht bei VW bleibt, wird in der Branche davon ausgegangen, dass er an die TH Aachen geht. Auf diesem Weg könnte er eine gewisse Sperrzeit absitzen, ehe der in der Branche anerkannte Manager zu einem anderen Autobauer oder Zulieferer wechseln kann. Paefgen selbst lehnte zuletzt jeden Kommentar zu den Spekulationen um VW und seine Person ab. Schon der Vater Paefgens betrieb eine Autowerkstatt, nach dem Maschinenbau-Studium startete der Sohn bei den Kölner Fordwerken. 1980 wechselte er zu Audi. 15 Jahre später rückte er in den Vorstand, ehe er 1997 Nachfolger Herbert Demls an der Konzernspitze wurde. Der gebürtige Rheinländer gilt bei der Belegschaft als aufgeschlossen und offen.

Gespanntes Verhältnis zwischen VW und Audi

Schon seit Monaten ist aber das Verhältnis zwischen Volkswagen und Audi angespannt. Als der scheidende VW-Chef Ferdinand Piech den Ingolstädtern in einem Interview Stillstand vorwarf, traf das die Audi-Mitarbeiter wie ein Schlag ins Gesicht. »Wir fühlen uns ungerecht behandelt, vom Vorstand bis zum einfachen Schrauber am Band«, sagte damals einer von ihnen. Ein möglicher Grund für die ungewöhnliche öffentliche Schelte könnte laut Branchenkreisen Unzufriedenheit mit der Audi-Modellpalette sein. So fehlen den Ingolstädtern beispielsweise ein Geländewagen und ein Van. In der Branche wird dem entgegengehalten, dass eine »Produkt-Strategie-Kommission« unter Mitwirken Piechs jedes neue Modell mit auf den Weg gebracht hat. Zudem hat das Audi-Angebot vor einigen Jahren noch weitgehend allein aus dem Audi 80 und dem Audi 100 bestanden, während man inzwischen auch mit Fahrzeugen wie dem A2, dem A3, dem A8 oder dem Sportwagen TT aufwarten kann.

Flaggschiff der Sportwagen-Gruppe?

Obwohl Audi für 2002 das siebte Rekordjahr in Folge anpeilt, wird dann aller Voraussicht nach ein anderer am Steuer sitzen. Spekulationen zufolge soll künftig Martin Winterkorn die sportlichen Marken Audi, Seat und Lamborghini leiten. Wenn der VW-Entwicklungsvorstand für Audi verantwortlich ist, könnten die Ingolstädter, die in ihrer wechselhaften Geschichte ein starkes Identitätsbewusstsein entwickelt haben, künftig noch enger an die Konzernzentrale in Wolfsburg angebunden werden. Polzmacher allerdings sieht die Umstrukturierung, die insgesamt sinnvoll ist, auch als Chance für Audi. Als Flaggschiff einer Sportwagen-Gruppe könne Ingolstadt möglicherweise sogar noch eigenständiger agieren.

Axel Höpner


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