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AUTOBAHN-MAUT: 1,5 Millionen LKW automatisch abkassieren

Jetzt ist es amtlich, die Deutsche Telekom und DaimlerChrysler Services sollen das weltweit erste satellitengestützte Mautsystem aufbauen.

Die Deutsche Telekom und DaimlerChrysler Services sollen das weltweit erste satellitengestützte Mautsystem aufbauen: Wie am Donnerstag aus Regierungskreisen in Berlin verlautete, soll das Konsortium ETC.de aus den beiden Unternehmen und dem französischen Autobahnbetreiber Cofiroute den Zuschlag für das Großprojekt mit einem Volumen von 7,73 Milliarden Euro bekommen. Allerdings hat der unterlegene Bewerber AGES noch zehn Tage Zeit, die Entscheidung anzufechten.

Die Konkurrenz ist sauer

Die vom Telekom-Konkurrenten Vodafone geführte AGES kündigte bereits an, die Vergabe nicht ohne weiteres hinnehmen zu wollen. »Für Siegesfeiern des Wettbewerbers ist es noch viel zu früh«, sagte Sprecher Markus Löber in Düsseldorf. Es gebe Hinweise auf Schwachpunkte im Vergabeverfahren. Ages sei dabei, die Vorbereitungen für einen Nachprüfungsantrag an das Bundeskartellamt abzuschließen.

Der Vertrag ist nach den Angaben aus Regierungskreisen auf zwölf Jahre angelegt. Für Aufbau und Betrieb des Systems will der Bund an das Konsortium, an dem Telekom und DaimlerChrysler je 45 Prozent und Cofiroute zehn Prozent halten, insgesamt 7,73 Milliarden Euro zahlen. Das Volumen errechnet sich aus den Kosten und einer nicht genannten Gewinnspanne für die Unternehmen.

Start im Juli 2003

Der Start des Maut-Systems auf deutschen Autobahnen, das die bisherige Vignette ablöst und

ohne Hindernisse wie Haltepunkte oder Extra-Fahrspuren auskommen will, ist für den 1. Juli 2003 vorgesehen. Die nötigen Geräte zum Einbau in die Lkw werden gratis bereitgestellt, den Einbau muss der Fuhrunternehmer selbst zahlen.

3,4 Milliarden Euro Jahreseinnahmen erwartet

Alle Lkw mit einer Nutzlast von mehr als zwölf Tonnen müssen die Gebühr von durchschnittlich 15 Cent pro Kilometer entrichten. Die geschätzten Jahreseinnahmen von 3,4 Milliarden Euro gehen an den Bund und sollen überwiegend in Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen gesteckt werden. Rund 800 Millionen Euro sind für den allgemeinen Haushalt gedacht, etwa 600 Millionen für eine Art Maut-Rabatt zum Ausgleich für diejenigen Lkw, die in Deutschland vergleichsweise teuer tanken.

Das Gerät ist kostenlos

Es geht um das Kassieren bei jährlich rund 1,5 Millionen Lastwagen aus dem In- und Ausland auf Deutschlands Autobahnen, um 27 Milliarden Kilometer jährliche Fahrleistung, sagte Brauner. Zur Erfassung dient ein etwa autoradiogroßes Gerät, das die Fernfahrer von »Toll Collect« kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen. Daneben ist aber auch eine manuelle Mautabrechnung über Zahlstellenautomaten an Tankstellen oder Autobahnauffahrten möglich.

Weltweit einzigartig

Brauner hob hervor, dass es sich um das erste System der elektronischen Straßenmaut weltweit handele. Es sei fertig entwickelt, die Serienfertigung könne beginnen, erklärte Telekom-Projektleiter Bodo Frahm. Es gebe bereits zahlreiche Anfragen aus dem Ausland, darunter auch aus US-Bundesstaaten sowie auch für City-Maut-Systeme aus Skandinavien, berichtete Brauner.

Der Telekom-Vorstand sieht neben dem Aufbau ähnlicher Systeme in anderen Ländern auch noch weitere Geschäftsmöglichkeiten. 70 bis 80 Prozent der in Deutschland fahrenden Lastwagen dürften schon bald mit dem Bordcomputer ausgerüstet sein. Aus den gelieferten Daten ließen sich aktuelle Informationen zur Staulage und daraus beispielsweise eine darauf abgestimmte Routenplanung ableiten, ebenso Frachtbörsen zur Vermeidung von Leerfahrten. Zwar seien solche Mehrwertdienste in Deutschland durch das Bundesverkehrsministerium ausdrücklich ausgeschlossen. Doch das werde der Markt richten, meinte Brauner. Wenn solche Dienste in den Nachbarländern angeboten würden, komme Deutschland unter Zugzwang.

Technisch auch für Personenwagen verwendbar

Bei den mit Mautcomputer ausgerüsteten Fahrzeugen werde automatisch der Standort und die Benutzung mautpflichtiger Strecken ermittelt, erläuterte Frahm. Zur Überwachung dienen etwa 300 Messbrücken über den Autobahnen, die automatisch ermitteln, falls ein Lkw ohne Mautzahlung durchfährt, und diesen Verstoß fotografisch dokumentieren. Dabei könne auch festgestellt werden, ob am Mautcomputer manipuliert worden sei. Außerdem werde es auch mobile Kontrollen durch mit entsprechender Elektronik ausgerüstete Fahrzeuge der Bundesanstalt für Güterverkehr geben. Die Beamten könnten Mautpreller direkt auf der Autobahn stoppen und abkassieren.

Das System wäre prinzipiell auch zur Erfassung von Autobahngebühren für Personenwagen verwendbar. Frahm sagte, technisch wäre das kein Problem, zumal die Verwendung unterschiedlicher Tarife je nach Tages- oder Nachtzeit bereits vorgesehen sei. Aus politischen Gründen scheine ihm eine Einführung aber nicht denkbar.

Joachim Sondermann (AP)